Feuerwehrleute stemmen sich auf dem Oedinger Friedhof gegen die Trockenheit

dzÜbung in der Trockenheit

Besonderer Einsatz auf dem Friedhof in Oeding: Am Montag hat die Feuerwehr dort mit schwerem Gerät Bäume gewässert. Doch hinter dem Einsatz steckt viel mehr als die Pflege der Grünanlagen.

Südlohn

, 24.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Montagabend, 19 Uhr, der Löschzug Oeding rückt zu einem besonderen Einsatz aus. Die Fahrzeuge fahren zum Friedhof in Oeding, um dort die Bäume mit Wasser zu versorgen.

So ganz überraschend kommt der Einsatz nicht: Friedhofsgärtner Günter Dönnebrink hatte sich mit einem botanischen Notruf an die Feuerwehr gewandt. Die Birken und Buchen auf dem Friedhof leiden unter der großen Hitze und Trockenheit. Sein Glück: Die Feuerwehr in Oeding hat an diesem Tag Übungsabend – und ohnehin das Thema Wasserförderung auf dem Plan.

Große Bäume brauchen dringend Wasser

Um 19.30 Uhr biegt ein Löschfahrzeug auf die Friedhofsallee und hält vor der Kapelle. Sieben Aktive steigen ab, allen voran Udo Bußkamp, der Leiter der Feuerwehr in der Gemeinde. Günther Dönnebrink erklärt die Lage: Ihm geht es vornehmlich darum, die mächtige Rotbuche, eine große Birke und die Eiche mit Wasser zu versorgen.

Die Feuerwehrleute kommen schnell zu der Entscheidung, eine Schlauchleitung von der Schlinge, die hinter dem Friedhof fließt, durch dessen Haupteingang bis zu den halb verdursteten Bäumen zu legen – eine Strecke von gut 150 Metern.

Feuerwehr will Wasserversorgung aus offenem Gewässer üben

Denn trockene Bäume hin oder her – für die Feuerwehrleute hat die Übung einen ganz anderen Hintergrund: „Wenn es bei dieser Wetterlage zu einem Flächenbrand kommt, müssen wir ja sehen, wo wir Wasser herbekommen“, erklärt Udo Bußkamp auf Nachfrage nach der Übung.

Die Wasserförderung ist deswegen bei der Feuerwehr aktuell ein besonders wichtiges Thema. Denn: Auch Gewässer wie die relativ nahe Schlinge führen ja aktuell nur einen Bruchteil der normalen Wassermenge. „Für uns war das eine gute Gelegenheit, einmal den Schwimmsaugkorb auszuprobieren“, erklärt Udo Bußkamp.

Dazu müssen sie das Löschfahrzeug auf dem schmalen Rad- und Fußweg vom Friedhof bis zur hölzernen Schlingebrücke – bekannt als „Schürings Brücke“ – rangieren. Echte Millimeterarbeit, wie sich Momente später herausstellt. Einer der Aktiven sagt: „Das ist ganz gut, diesen Weg mal zu probieren. Vielleicht müssen wir das im Ernstfall irgendwann mal machen.“

Seichte Schlinge stellt Feuerwehr vor einige Probleme

Vor der Brücke wuchten sie gemeinsam die Motorpumpe vom Fahrzeug und ans Ufer. Gleichzeitig stauen die Feuerwehrleute die Schlinge leicht auf, damit die Pumpe ohne Probleme – und ohne den schlammigen Flussgrund anzusaugen – arbeiten kann. Gleichzeitig rollt das Löschfahrzeug langsam vom Flussufer zurück auf den Friedhof. Dabei rollt die Schlauchleitung langsam von selbst ab.

Insgesamt dauert es gut eine dreiviertel Stunde, bis die Wasserversorgung aus der Schlinge steht. Im Ernstfall hätten die Feuerwehrleute bis dahin nur das Wasser aus ihren Tanks zur Verfügung.

Friedhofsgärtner hatte sich an die Feuerwehr gewandt

Für Günther Dönnebrink ist dies nicht der erste Rettungseinsatz dieser Art. Auch in Heiden, dort ist er ebenfalls Friedhofsgärtner, konnte er die Freiwillige Feuerwehr für einen ähnlichen Hilfseinsatz gewinnen.

Der Südlohner ist in Oeding zwar erst seit 2014 Friedhofsgärtner, aber auch in seinem Gärtnereibetrieb in Eschlohn kann er sich nicht an so eine extreme Trockenheit erinnern. „Wenn man dieses und das vergangene Jahr zusammen nimmt, dann ist das schon wirklich extrem“, erklärt er.

Besonders problematisch sei das für die Bäume mit flachen Wurzeln: Allen voran Birken oder Buchen. Der kurze Draht zur Feuerwehr war für ihn ein echter Glücksfall. Sonst wären die Bäume am Freidhof wohl verdurstet.

Bewässerungsdienst der Feuerwehr muss eine Ausnahme bleiben

Mit dem Verlauf der Übung ist auch Udo Bußkamp zufrieden. Allerdings hat er schlechte Nachrichten für alle Gartenbesitzer: Für andere Bäume sieht er in nächster Zeit keine entsprechende Übung mehr vor. „Das war schon eine Ausnahmesituation“, sagt er. Gleichzeitig hofft er nun, dass sich keine besorgten Anwohner oder Gartenbesitzer an die Feuerwehr wenden, um Pflanzen wässern zu lassen. „Das können wir ja gar nicht leisten“, sagt er.

Wasserbedarf von Bäumen

Eine staatliche Buche, die mit ihren tiefen Wurzeln Zugang zum Grundwasser hat, schleust nach einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts an einem heißen Sommertag problemlos bis zu 500 Liter durch Stamm und Blätter.
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