Hier sollen 20 Bauplätze entstehen. Bis es soweit ist, muss die Gemeinde aber mit umliegenden Landwirten über Maßnahmen verhandeln, die die Geruchsstunden im Neubaugebiet auf ein gesetzlich zulässiges Maß drosseln. © Markus Gehring
Baugebiete Südlohn

Es riecht nach Schwein und Rind: Hindernisse auf dem Weg zum Baugebiet

Zu viele landwirtschaftliche Gerüche sind laut Gutachten dort zu erwarten, wo 20 Baugrundstücke entstehen sollten. Die Gemeinde soll mit den Hof-Inhabern über mögliche Maßnahmen verhandeln.

Bis jetzt ist es eine Wiese zwischen Doornte, Horst und Elpidiusstraße. Dort soll aber ein Baugebiet entstehen. 20 Grundstücke auf einer gemeindeeigenen Fläche. In der jüngsten Ratssitzung gab es hier und da lange Gesichter: Zügig ist das Planverfahren nicht abzuwickeln, das wurde klar. Denn: Landwirtschaftliche Gerüche überlagern das geplante Neubaugebiet. Es besteht Handlungsbedarf.

Lange hatten die Kommunalpolitiker auf das Geruchsgutachten gewartet. Belohnt wurden sie nicht, die Mitarbeiterin des beauftragten Gutachterbüros Uppenkamp und Partner hatte eher schlechte Nachrichten im Gepäck. Eine Zeichnung machte diese für alle Ratsmitglieder und Zuschauer sichtbar: Rot waren dort die Flächen eingezeichnet, wo die Grenzwerte nach der aktuellen Geruchsimmissionsrichtlinie (Girl) überschritten werden. Rot dominierte.

Aktive Betriebe mit Rinderhaltung und Schweinemast

Ein 600 Meter großer Radius rund um das geplante Gebiet müsse für die Berechnung herangezogen werden, erläuterte Laura Hinderink vom Gutachterbüro. Sie warf eine Ansicht auf den Bildschirm, der blaue und pinke Markierungen enthielt: Diese standen für aktive Betriebe mit Rinderhaltung und Schweinemast. Aufgrund deren Betriebsgröße und Tierplatzzahlen hatte das Büro die Geruchs-Prognosen errechnet.

Nach den Vorgaben der Girl dürfte es dort in zehn Prozent der Jahresstunden – umgerechnet sechs Minuten pro Stunde – nach Landwirtschaft riechen, erläuterte Laura Hinderink. Weil es sich beim geplanten Neubaugebiet durchaus um ein Übergangsgebiet handele, könne man hier aber auf 15 Prozent der Jahresstunden gehen, gedeckt durch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts.

Dennoch: Vor allem Schweinemastbetriebe sorgen an der Stelle für mehr Geruchsstunden als erlaubt. Laura Hinderink nannte die „größten Stellschrauben“, die die Gemeinde ansetzen könnte: „Wenn der eine Betrieb komplett einstellt, sehen wir schon viel mehr Grün als Rot“, sagte sie.

Es riecht: Hindernisse auf dem Weg zum Baugebiet

Oder aber: Einer der Betriebe habe noch keine Schornsteine auf dem Stall – auch diese könnten Abhilfe bei der Geruchsbelastung schaffen. „Das wären gute Effekte“, so Laura Hinderink. Die Umsetzung zur Problembewältigung aber liegt bei der Gemeindeverwaltung: Diese wurde am Ende beauftragt, mit den Inhabern der betreffenden landwirtschaftlichen Betriebe Lösungen auszuloten.

Dieter Valtwies (UWG) wunderte sich in der Ratssitzung: Die roten Flächen überlagerten auch das bestehende Wohngebiet. Ob die Regeln der Schutzrichtlinie strenger geworden seien? Auch Thomas Rathmer (CDU) wunderte sich: Der laut Visualisierung größte Emittent liege direkt neben dem Bauernhofkindergarten – wie sei das denn damals mit der Baugenehmigung gelaufen? „Wir wollen eine rechtssichere Bebauung“, betonte Rathmer.

Das Büro sei Ende 2020 mit den intensiven Berechnungen gestartet. Ob es nun eventuell andere Tierplatzzahlen gebe, fragte sich die Gutachterin. Sie könne nur mutmaßen, schätzte aber, dass ein Gutachten 2019 ein eher ähnliches Ergebnis ergeben haben müsste.

„Wir haben eine Liste mit ernsthaften Bewerbern“

Sabrina Späker (SPD) sagte, dass man die Maßnahmen mit den finanziellen Folgen für die Gemeinde ja nicht sofort in Angriff nehmen müsse. Das sah Bürgermeister Werner Stödtke grundsätzlich anders: „Wir haben eine Liste mit ernsthaften Bewerbern“, betonte er. Jetzt habe man recht gute Chancen auf vernünftige Gespräche mit den Landwirten, so der Bürgermeister. Dafür erhielt er den einstimmig beschlossenen Auftrag vom Gemeinderat.

Ob diese Gespräche bis Ende des Jahres mit Ergebnissen abgeschlossen sein können, ist ungewiss. Das könnte Folgen für die Planung haben: Weil das Verfahren beschleunigt in Angriff genommen wurde, ist Ende 2021 die Frist dafür abgelaufen. Wird keine Lösung gefunden, dann müsste das Bebauungsplanverfahren für das ersehnte Neubaugebiet von neuem aufgerollt werden, hieß es auf Anfrage der Redaktion aus dem Bauamt der Gemeinde.

Über die Autorin
Redaktion Ahaus
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Anne Winter-Weckenbrock

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