Jovan Radulovic hat vor einem Jahr das Restaurant Mediterran in Oeding eröffnet. © Johannes Schmittmann
Oedinger Restaurant

Eröffnung kurz vor Corona – doch Mediterran-Besitzer bleibt optimistisch

Kurz vor Corona wurde in Oeding aus „Sickings Wirthaus“ das Restaurant „Mediterran“. Das Timing von Gastronom Jovan Radulovic hätte besser sein können. Doch Aufgeben ist für ihn keine Option.

Da habe ich wirklich ein klasse Timing bewiesen“, sagt Jovan Radulovic mit einer ordentlichen Prise Galgenhumor. Genau ein Jahr ist es her, dass der gebürtige Kroate im ehemaligen „Sickings Wirtshaus“ sein Restaurant „Mediterran“ eröffnet hat. Keine zwei Monate später erreichte die Corona-Pandemie Deutschland. Ende März 2020 musste auch das Oedinger Lokal auf zunächst unbestimmte Zeit seine Türen schließen. Ein klassischer Fehlstart.

Rund 80.000 Euro hatte Jovan Radulovic vor der Eröffnung in Renovierungsarbeiten investiert. Mit bodenständiger, aber qualitativ hochwertiger Küche wollte er vor allem bei den Oedingern und Südlohnern punkten: Schnitzel, Steaks, Burger. „Ich hatte mir einiges überlegt“, sagt der 62-Jährige.

Rund 80.000 Euro steckte die Familie Gastronom Radulovic in die Renovierung. Ausgezahlt hat sich das bisher noch nicht.
Rund 80.000 Euro steckte die Familie Gastronom Radulovic in die Renovierung. Ausgezahlt hat sich das bisher noch nicht. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

Doch Gäste konnte er 2020 viel zu selten empfangen. „Nur die Monate Juni, Juli, August, September waren okay. Da war die große Terrasse ständig voll. Den Rest konnte man in die Tonne kloppen“, sagt er ohne Umschweife. Bisher habe er mit dem Restaurant nur Verlust gemacht. Verbittert wirkt Jovan Radulovic trotzdem nicht. „So ist das Leben, manchmal geht es in die Richtung, mal in die andere.“

Kurzarbeitergeld kommt verspätet

Leid tue es dem 62-Jährigen vor allem für das Personal. Viele von ihnen mussten über Monate Kurzarbeitergeld beziehen. Teilweise sei es erst verspätet ausgezahlt worden. Jovan Radulovic selbst konnte nur von der ersten Corona-Hilfszahlung profitieren. Bei der zweiten wurde ihm zum Verhängnis, dass er sein Lokal neu eröffnet hatte. „Die Zahlung orientierte sich am Vorjahresumsatz. Da haben wir noch gar nicht existiert“, sagt der Oedinger Gastronom.

Gastronom Jovan Radulovic trifft die Corona-Krise hart. Aufgeben ist für ihn aber keine Option.
Gastronom Jovan Radulovic trifft die Corona-Krise hart. Aufgeben ist für ihn aber keine Option. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

Um die Liquidität zu erhöhen, hat er eines seiner Autos verkauft. Zur Not werde sich seine Familie auch von einem weiteren Fahrzeug trennen. „Irgendwo muss das Geld ja herkommen“, sagt Radulovic. Immerhin: Der Inhaber der Immobilie kam ihm bei der monatlichen Miete sehr entgegen. „Eine tolle Geste.“

Seit mittlerweile 37 Jahren wohnt der gebürtige Kroate in Deutschland. Seinen Umzug von Krefeld nach Oeding hat er trotz des schwierigen Anfangsjahres zu keiner Sekunde bereut. „Ich wurde sehr nett empfangen. Die Unterstützung, gerade auch von den jungen Leuten, war sofort da“, sagt er. Auf dem Dorf fühle er sich mittlerweile deutlich wohler als in der Stadt.

Januar-Aktion wird gut angenommen

Auch deshalb sei Aufgeben für ihn keine Option. Aktuell hält er sich mit dem Außer-Haus-Geschäft über Wasser. Seine Januar-Aktion, alle Gerichte der Speisekarten zum Preis von 10 Euro anzubieten – egal ob Rumpsteak oder Schnitzel –, kommt gut an. „Am Wochenende musste ich sogar den Hörer daneben legen, weil wir irgendwann nicht mehr hinterherkamen.“

Ob sich die „Dumpingpreise“ für ihn rechnen? „Ich kaufe mit zwei anderen Gastronomen das Fleisch zu Hunderten Kilo beim Großhändler ein. Dann geht das“, sagt der Gastronom. Eine Dauerlösung sei es natürlich nicht. „Ich warte sehnsüchtig auf die Sonne. Ich hoffe, im April kann ich die Terrasse wieder öffnen. Und dann geht es richtig los.“

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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