Fahrlehrer Hartmut Bröckerhoff darf aktuell nur mit einer ausgewählten Gruppe von Fahrschülern eine Fahrstunde absolvieren. Dabei müssen Lehrer und Schüler stets FFP2-Masken tragen. © privat
Fahrschulen und Corona

Corona-Stau in Fahrschulen: Wenn es wieder losgeht, ist Geduld angesagt

Praktischer Fahrunterricht ist nur für bestimmte Gruppen von Fahrschülern zulässig. Wenn die Corona-Schutzverordnung geändert wird, ist ein Stau vor der Führerscheinprüfung vorprogrammiert.

Wenn die Corona-Schutzverordnung dahingehend geändert wird, dass praktischer Fahrunterricht möglich ist, wird es eng. Das wird bei den Fahrschulen in Südlohn und Oeding nicht anders sein, wie eine Umfrage ergab: Es droht ein Stau.

Die Corona-Pandemie bremst gerade viele aus, die den Führerschein machen wollen. Denn unterrichtet werden dürfen im Fahrzeug aktuell zum einen nur diejenigen, die einen Führerschein brauchen, der zum Fahren von Bussen oder Lastwagen oder anderweitig beruflich erforderlich ist, und zum anderen Fahrschüler, die vor dem Lockdown schon eine bestimmte Anzahl von Fahrstunden absolviert hatten – und sonst niemand.

Laut Corona-Schutzverordnung dürfen sie aktuell nicht ans Steuer. „Diese Fahrschüler konzentrieren sich zurzeit auf ihre theoretische Ausbildung“, sagt Hartmut Bröckerhoff. Den Unterricht stellt der Fahrschulinhaber mit Standorten in Gescher und Südlohn online mit Zoom-Konferenzen sicher. „Das klappt ganz gut“, resümiert er.

Beim Technischen Überwachungsverein (TÜV) Nord könnten die Fahrschüler dann die theoretische Prüfung absolvieren. Da versuche man, so praxisnah wie möglich vorzugehen. Was „Vorfahrt achten“ angeht, gebe es in der Prüfung zum Beispiel eine Videosequenz für die Schüler.

Wann sie das erste Mal – dann auf jeden Fall mit FFP2-Maske – das Fahrschulauto lenken dürfen, steht aktuell noch nicht fest. „Wir warten auf die neuen Bestimmungen“, sagt Hartmut Bröckerhoff.

Fahrschul-Stau: Wenn es wieder losgeht, ist Geduld angesagt

Doch wenn dann wieder freie Fahrt für alle Fahrschüler gegeben werde, könne es passieren, dass alle gleichzeitig Fahrstunden nehmen möchten. „Das ist nachvollziehbar“, sagt Hartmut Bröckerhoff. „Doch zwangsläufig wird sich ein Stau aufbauen“, blickt er in die Zukunft. Er hat eine Liste mit Namen derer, die die Theorie bestanden haben, und geht dann danach.

Online-Theorieunterricht bietet Norbert Osterholt aktuell nicht an. Der Fahrschulinhaber hält viel von der „verzahnten Ausbildung“, das heißt, praktisch am Steuer umzusetzen, was man zuvor theoretisch gelernt hat – ohne zu viel Zeit dazwischen. Wenn es anders läuft, wie aktuell, dann „ist die Durchfallquote höher“, ist er sich sicher.

Unterschied zwischen Friseur und Fahrschule

Wenn wieder Theorieunterricht vor Ort angeboten werden kann, „dann bieten wir ihn doppelt so oft an“, blickt Norbert Osterholt voraus. Das sei mit den sechs weiteren Fahrlehrern so abgesprochen. Er erwartet von der Politik, dass der Lockdown für die Fahrschulen bald aufgehoben wird: „Ich weiß nicht, was der Unterschied zwischen einem Friseur und einem Fahrlehrer ist“, sagt er mit bitterem Unterton mit Blick auf die ab dem 1. März wieder offenen Salons.

„Jeden Tag geht das Telefon“, weiß auch Christian Strothmann von vielen Anfragen zu berichten. Er kann nur auf später, auf einen unbestimmten Termin vertrösten. Wenn es aber wieder losgeht, will seine Fahrschule eine Sieben-Tage-Woche für den Theorieunterricht anbieten.

Simulator ist gut fürs Überbrücken

„Dann kommen natürlich alle auf einmal“, blickt er voraus. Es gelte jetzt, abzuwarten. Auch, wie viele Schüler in die Räume dürfen. Aber dann soll wieder Theorie vor Ort möglich sein. Und wenn dann noch nicht alle ans Steuer dürfen, weil es zeitlich einfach nicht möglich ist, „dann können wir den Simulator anbieten“, so Christian Strothmann. „Da kann man einiges überbrücken.“

Normalerweise muss innerhalb eines Jahres nach Bestehen der Theorieprüfung auch die praktische Prüfung absolviert werden. Andernfalls verliert die theoretische Prüfung ihre Gültigkeit und muss wiederholt werden. Im Zuge der Corona-Krise soll diese Frist verlängert werden. Alle bis zum 31. März fallenden Fristablaufdaten werden jeweils vom bisherigen Ablaufdatum um sechs Monate verlängert. Das gilt auch dann, wenn bereits eine Fristverlängerung gewährt wurde, wie aus einem Erlass des NRW-Verkehrsministeriums hervorgeht.

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Anne Winter-Weckenbrock

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