Corona: Für Homeschooling sind die Grundschulen jetzt besser gewappnet

dzDigitalisierung in Schulen

Digitalisierung ist ein wichtiges Thema für Schulen. Und das „Lernen auf Distanz“ im Corona-Lockdown im Frühjahr hat dem Ganzen noch einen Schub gegeben. Wie sind die Grundschulen ausgerüstet?

Südlohn

, 04.11.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Digitalisierung in den Grundschulen schreitet voran. Seit Mai sind digitale Tafeln in der von-Galen-Grundschule im Einsatz, in der St.-Vitus-Schule werden sie zusammen mit dem Neubau am 9. November in Betrieb genommen. Sind beide Schulen damit besser gewappnet, wenn es wegen Corona wieder zu Schulschließungen kommen würde?

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Sebastian Terhart ist Lehrer an der von-Galen-Grundschule, zugleich aber auch einer von vier Medienberatern des Kreises Borken für die Schulen im Kreis. Er beantwortet die Frage mit einem ganz klaren Ja. Der Grund liegt in einer neu angeschafften Lernplattform. „Die hatten wir im März noch nicht“, blickt der Lehrer auf den ersten Lockdown zurück.

Für Homeschooling sind die Grundschulen jetzt besser gewappnet

Das ist eine zentrale Plattform, über die Lehrkräfte und Schüler kommunizieren können. Ganz aktuell wird die Plattform eingesetzt: Drei Grundschüler sind Corona-positiv getestet, ihre Sitznachbarn wurden auch vom Kreis-Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt: „Die Kinder, die nicht krank sind, bekommen Material“, sagte die kommissarische Schulleiterin Barbara Altena. Neun von-Galen-Schüler seien akut „in Quarantäne“.

So läuft Anfang November für einige schon der Distanzunterricht, der an der von-Galen-Grundschule gründlich für den Fall einer Schulschließung oder Quarantäne für ganze Klassen vorbereitet wird: Die Schule hat Fragebögen an die Eltern verteilt, um abzufragen, wie die Bedingungen im Zuhause der Schüler sind. Ist ein Internetanschluss vorhanden, welche Endgeräte stehen zur Verfügung, gibt es einen Drucker?

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Denn die Schule will vorbereitet sein für den Fall der Fälle. Auf jeden Fall seien die Schulen mit der Lernplattform jetzt besser aufgestellt, betont Sebastian Terhart. In Oeding arbeite eine AG von Lehrkräften aktuell am Konzept Distanzunterricht, bald gebe es dazu auch eine Ganztagskonferenz.

Alles in der Hoffnung, dass es nicht zum Lernen auf Distanz, zum Homeschooling, kommen muss in diesem Herbst und Winter. „Es geht nichts über Präsenzunterricht“, betont Sebastian Tehart. Vieles könne nicht durch Homeschooling ersetzt werden, „vor allem das Zwischenmenschliche nicht“.

Sebastian Terhart mit dem iPad-Koffer in der von-Galen-Grundschule. Die Tablets werden von allen Schülern genutzt. Für die vorhandenen Tablets gibt es ein Buchungssystem, in das Lehrkräfte eintragen, wann welche Klasse die iPads nutzen möchte.

Sebastian Terhart mit dem iPad-Koffer in der von-Galen-Grundschule. Die Tablets werden von allen Schülern genutzt. Für die vorhandenen Tablets gibt es ein Buchungssystem, in das Lehrkräfte eintragen, wann welche Klasse die iPads nutzen möchte. © Anne Winter-Weckenbrock

Wenn dann aber doch Distanzlernen ansteht, sollen möglichst alle Grundschüler in Südlohn und Oeding auch zuhause lernen können. Dafür haben sich Verwaltung und Kommunalpolitik eingesetzt. Für Schüler, die zuhause über kein Endgerät verfügen können, und für die Lehrkräfte hat die Gemeinde Tablets geordert. „Die Mittel sind bewilligt“, sagt der künftige Bürgermeister Werner Stödtke im Gespräch mit der Redaktion.

13.500 Euro fließen für die Anschaffung der Geräte für die Lehrer, rund 16.000 für die Schülergeräte. Zehn Prozent muss die Gemeinde hierfür selbst beisteuern, so dass insgesamt 18.100 Euro in 30 iPads investiert, die als Leihgeräte an die Kinder ausgegeben werden können. Aktuell sind schon einige Sätze iPads vorhanden. Nicht für alle Schüler, aber die Lehrkräfte setzten sie im Wechsel in ihrem Unterricht ein und tragen dies in ein Buchungssystem ein.

Digitalisierung bringt Chancen für neue Unterrichtsmethoden

Mit den Tablets könnten die meisten Kinder aber, weil sie von zuhause welche kennen, recht schnell gut umgehen, ist Sebastian Terharts Erfahrung. Bei der digitalen Tafel sei das anders. Als „Sprung“ würde er die neue Möglichkeit nicht bezeichnen, aber die Methoden hätten sich schon geändert. „Die Chancen, die die Digitalisierung mit sich bringt, baut man ein.“

Sein Kollegium der von-Galen-Schule konnte Sebastian Tehart in Zeiten des Lockdowns in die Handhabung der digitalen Tafeln einweisen, die in allen acht Klassenräumen installiert sind. „Sie gehen aufgeschlossen damit um“, stellt der Medienberater fest.

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Was aber ist genau anders mit dem interaktiven Display statt der Kreidetafel? Terhart nennt ein Beispiel aus dem Sachunterricht: Gesammelte Begriffe zum Thema Herbst könnten zunächst auf der Tafel gesammelt und dann verschoben, strukturiert werden. „Dann kann man zum Beispiel ein passendes Video einspielen“, erklärt der Pädagoge. Vieles biete der Kreis Borken auf seiner Edmond-Plattform.

Ein Foto aus dem Mai 2020: Die neuen digitalen Tafeln kamen bei den Kindern der Oedinger Grundschule gut an. Mundschutz tragen die Kinder in der Galenschule auch im Moment wieder – wegen der Corona-Pandemie.

Ein Foto aus dem Mai 2020: Die neuen digitalen Tafeln kamen bei den Kindern der Oedinger Grundschule gut an. Mundschutz tragen die Kinder in der Galenschule auch im Moment wieder – wegen der Corona-Pandemie. © Stephan Rape

Dann könnten die Schüler eine Übung auf ihren iPads machen, indem sie Blätter den richtigen Bäumen zuordneten. Und am Ende ein Bild malen – „auf Papier und mit Stiften, ganz klassisch“ – und ihr Ergebnis als Livebild oder Foto auf die große Tafel projizieren.

„Wir können sicher noch nicht alles“, sagt Sebastian Terhart schmunzelnd angesichts der vielfältigen Möglichkeiten der neuen Plattformen. Als Medienberater des Kreises Borken ist er auch für die Vitusschule zuständig, hat da einen Ansprechpartner, der wiederum als Multiplikator fungiert.

In jeder Schule muss sich eine Lehrkraft gut auskennen

Er betont einen wichtigen Aspekt, der für jede Schule gelten sollte: „Der erste Support muss jemand in der Schule sein.“ Heißt: Wenn (technische) Probleme auftreten, muss jemand aus dem Kollegium sich auskennen. Erst dann sei der Schulträger, der für die Ausstattung zuständig ist, gefragt.

Er sei dankbar, dass er bei der Gemeinde Südlohn einen guten Ansprechpartner habe, so Sebastian Terhart, „wir sind da auf einem guten Weg“. Die neue Lernplattform laufe auf einem PC im Rathaus, datenschutzkonform sei das Programm, betont der Pädagoge. Neu und wichtig sei in dem Zusammenhang auch, dass nun jede Lehrkraft eine dienstliche E-Mail-Adresse habe.

Gemeinde hat Förderprogramme angezapft

Damit, die neue Lernplattform einzurichten, W-Lan einrichten und Lizenzen zu beschaffen hat Werner Stödtke von der Gemeindeverwaltung die Hälfte der Sommerferien genutzt. Die digitalen Tafeln, die ja auch nur funktionieren, wenn ein W-Lan zur Verfügung steht, hat die Gemeinde aus den Mitteln des Förderprogramms „Digitalpakt“ der Bundesregierung angeschafft. Rund 93.000 Euro werden dafür ausgegeben.

Kartonweise sind iPads für Schüler und Lehrkräfte angekommen im Rathaus und stapelten sich während der Herbstferien in Werner Stödtkes Büro. Die beiden Grundschulen sollen digitaler ausgestattet werden.

Kartonweise sind iPads für Schüler und Lehrkräfte angekommen im Rathaus und stapelten sich während der Herbstferien in Werner Stödtkes Büro. Die beiden Grundschulen sollen digitaler ausgestattet werden. © Anne Winter-Weckenbrock

Anderswo wurden gar keine Fördermittel aus dem Digitalpakt angefordert, „wir waren die ersten“, betont Werner Stödtke. Aber trotzdem ist Geduld gefragt, wenn es um die Digitalisierung in den Schulen geht, für die die Gemeinde Fördergeld von Land oder Bund in Anspruch nehmen möchte. „Die Ausschreibungsverfahren bremsen ganz schön aus“, sagt Stödtke mit Blick in den dicken Aktenordner, der allein für das Vergabeverfahren für die Digiboards angelegt wurde.

Viele Schulen wollen im Moment Geräte kaufen

Sebastian Terhart hätte es zwar auch lieber gehabt, dass manches schneller gegangen wäre oder geht. Aber er weiß auch: „Viele Schulen machen sich jetzt auf den Weg. Die Geräte sind gefragt.“ Die Knappheit auf dem Markt und die ganzen Förderrichtlinien und Regelungen: „Dafür kann die Gemeinde nichts.“

Dass es mit der Hardware-Ausstattung in den Schulen allein nicht getan ist, liegt auf der Hand. „Wir haben im Etat Mittel für die Bestellung und Wartung der Software eingestellt“, erklärt Werner Stödtke.

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