Noch ist der Blick auf Jakobi-Halle und Schlingewiese frei, das kann sich bald ändern: Auf dem angrenzenden Grundstück (vorne) soll künftig ein Wohnquartier mit Ein- und Mehrfamilienhäusern entstehen. © Michael Schley
Bauprojekt Schlingewiese

Bürgermeister zur Schlingewiese: Wir haben nicht mit Begeisterung der Anlieger gerechnet

Die Petition von Tim Tecker zur Bebauung an der Schlingewiese hatte ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Ratssitzung war außergewöhnlich gut besucht. Es wurde intensiv diskutiert. Ohne Beschluss.

Es ist kurz vor 18 Uhr, als sich eine Gruppe Anwohner von der Winterswyker Straße aufmacht in Richtung Jakobi-Halle. Dort haben sich bereits einige Dutzend Besucher zur ersten Ratssitzung nach der Sommerpause eingefunden.

Egbert Wewers erklärt seinen Mitstreitern an der Skizze noch einmal kurz, was die Investorengemeinschaft in direkter Nachbarschaft an der Schlingewiese plant. „Da werden wir bald auf eine 61 Meter breite Front schauen“, so die Befürchtung von Egbert Wewers.

Grundsätzlich beklagt er die „marginale Bürgerbeteiligung“ am Projekt: „Wir sind im April eingeladen worden, wussten von gar nichts. Da war nur schwer drauf zu kontern.“

Deshalb folge man nun dem Aufruf, den Tim Tecker mit einer Online-Petition gegen die geplante Bebauung in Gang gesetzt hatte. Ein Tagesordnungspunkt, der intensiv, aber jederzeit sachlich diskutiert werden sollte.

Die Verwaltung sollte mit der Wahl des Versammlungsortes Recht behalten. „Es freut mich, dass die Halle so voll ist“, fasste es Bürgermeister Werner Stödtke in Worte. Den Prozess des Projektes „Wohnen an der Schlinge“ stellte dieser zu Beginn in groben Zügen noch einmal vor: „Konkretisiert wurden die Planungen seit Anfang März.“ Er betonte noch einmal, dass es während des gesamten Prozesses seit 2017 stets ein eindeutiges Votum der politischen Gremien gegeben habe, das Projekt weiterzuverfolgen (wir berichteten).

Stödtke: „Pläne werden keine Begeisterungsstürme auslösen“

„Uns war klar, dass diese Pläne bei den Anliegern keine Begeisterungsstürme auslösen werden“, erkannte Stödtke an. Der Schützenverein begrüße zwar die jüngsten Planänderungen, daraus könne aber nicht abgeleitet werden, dass er das Projekt „Wohnen an der Schlinge“ nun etwa unterstützt, teilte Werner Tecker stellvertretend mit.

„Ob dieses Projekt erstrebenswert ist, das muss letztlich der Gemeinderat entscheiden“, so die Meinung des Schützenvereins. Ziel müsste es bleiben, ein „Projekt im Einvernehmen zu entwickeln“, sagte Stödtke.

Auch die direkt betroffenen Anwohner von der Winterswyker Straße um Egbert Wewers (4.v.l.) wurden während der Ratssitzung mit konkreteren Informationen versorgt. Mangelnde Transparenz und Bürgerbeteiligung im Prozess wurden vielfach beklagt.
Auch die direkt betroffenen Anwohner von der Winterswyker Straße um Egbert Wewers (4.v.l.) wurden während der Ratssitzung mit konkreteren Informationen versorgt. Mangelnde Transparenz und Bürgerbeteiligung im Prozess wurden vielfach beklagt. © Michael Schley © Michael Schley

Bevor die Ratsfraktionen Stellung bezogen, stellten Investor und Architekt die Pläne vor. Entstehen solle ein Wohnquartier mit Ein- (in Reihenhausbebauung) und Mehrfamilienhäusern, dass sich eng am aktuellen Wohnraumversorgungskonzept der Gemeinde Südlohn orientiere. Das Mehrgenerationenprinzip stehe im Mittelpunkt, erklärte der beauftragte Architekt Reinhold Eversmann.

Auf die Frage, warum man erst jetzt die Pläne konkret vorstelle, entgegnete Johannes Hütten, Geschäftsführer der An der Schlinge GmbH, man habe nicht „ein ungelegtes Ei in die Öffentlichkeit bringen“ wollen: „Ein Bebauungsplan hat aber schon bestanden.“

Empfehlungen des Wohnraumversorgungskonzepts werden umgesetzt

Sabrina Späker zeigte sich seitens der SPD-Fraktion „begeistert von dem Projekt“: „Das ist genau das, was wir laut Wohnraumversorgungskonzept brauchen.“ Dieter Valtwies von der UWG erhielt eine Antwort auf die Frage, wie das Verhältnis zwischen Eigentums- und Mietwohneinheiten werden soll: in etwa 50 zu 50.

Maik van de Sand (WSO) interessierte die Grundstücksgröße in den Reihenhäusern. „Das müssen wir als Ganzes betrachten“, hatte Eversmann darauf noch keine konkrete Antwort.

Dirk Gebing (CDU) lenkte den Fokus auf die Empfehlung im Wohnraumversorgungskonzept, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen: „Es muss vermieden werden, dass der nächste Investor kommt und die Wohnungen weitervermietet.“

Aufgrund der angespannten Marktsituation könne man noch keine konkreten Preisvorstellungen angeben: „Da wolle wir uns noch nicht aus dem Fenster lehnen.“ Es werde aber eine solide und kompakte Bauweise im mittleren Marktsegment geben, so Hütten.

In der Folge wurde Tim Tecker Raum eingeräumt, zu seinen Anregungen Stellung zu beziehen. Von der Rückendeckung sei er „überwältigt“. Er zeigte mögliche Konfliktpotenziale noch einmal auf und betonte, dass die Schlingewiese als letzte grüne Zunge im Ortskern nicht durch dieses Projekt zerstört werden dürfe.

Im Ortskern entstünden schließlich schon weitere Wohnblöcke. Wenn es eine Bebauung geben solle, dann müsse der überörtliche Spielplatz zum Bindeglied zwischen gemäßigter Bebauung mit Doppel-/Viererwohn- und Einfamilienhäusern und Schlingewiese werden.

„Die Parteien dürfen 500 Stimmen nicht ignorieren“

„Die Parteien dürfen 500 Stimmen nicht ignorieren“, richtete Tecker einen Appell an die Ratsmitglieder: Es dürfe keinen Verkauf an einen Investor geben. Langer Applaus folgte.

Werner Stödtke erinnerte darauf daran, dass eine Konzentration auf die Bebauung mit Ein- und Zweifamilienhäusern auch mit Flächenfraß verbunden sei: „Wir haben nur 14 Hektar Siedlungsfläche ausgewiesen, um die Ziele des Wohnraumversorgungskonzeptes zu erreichen.“

Kämmerin Birgit Küpers ergänzte, dass in den Außenbereichen die gewünschte Bebauung durchaus gewollt sei: „Wir haben Bedarf für alles, aber alles an seinem Platz.“

Auf eine außergewöhnliche Resonanz stieß die erste Ratssitzung nach der Sommerpause in Südlohn. Viele Bürgerinnen und Bürger waren dem Aufruf Tim Teckers mit dessen Online-Petition gefolgt.
Auf eine außergewöhnliche Resonanz stieß die erste Ratssitzung nach der Sommerpause in Südlohn. Viele Bürgerinnen und Bürger waren dem Aufruf Tim Teckers mit dessen Online-Petition gefolgt. © Michael Schley © Michael Schley

Sabrina Späker (SPD) stellte noch einmal heraus, dass ein Drittel der insgesamt 12.000 Quadratmeter als Naherholungsgebiet ausgewiesen bliebe. Karin Schmittmann (UWG) fügte hinzu, dass man durch eine Verkleinerung des Projekts „mehr Akzeptanz herstellen“ könne.

Investor Johannes Hütten betonte darauf, dass man den Beteiligten im Prozess schon entgegengekommen sei und die Pläne geändert habe. Zu weiteren möglichen Schritten müsse man sich beraten.

Verwaltung und Investor umreißen zeitlichen Rahmenplan

Ein Beschluss wurde seitens der Ratsmitglieder einstimmig nicht gewünscht. Bauamtsleiter Dirk Vahlmann umriss den weiteren Zeitrahmen für Bebauungsplan und Flächennutzungsplan im Parallelverfahren sowie Vertragsgestaltung auf rund ein Jahr, die Bauzeit betrage dann in etwa 18 bis 20 Monate in zwei Bauabschnitten, so Hütten.

Bürgermeister Werner Stödtke begrüßte „die sachliche Diskussion im guten Miteinander“: „Sprechen Sie Verwaltung und Rat an, sie haben ihre 30 Vertreter gewählt.“

Der Investor betonte noch einmal, dass man ein Projekt für Oedinger und mit hiesigen Firmen umsetzen wolle. Das werden auch die Anlieger um Egbert Wewers mitgenommen haben. „Wir brauchen Wohnungen und Grundstücke für unsere Jugend“, hatte dieser betont.

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