Billigkleidung für Altkleider-Verwerter am Ende nur Müll - das gehört nicht in Container

dzAltkleider in Südlohn

Immer mehr Billigtextilien, die sich nicht recyceln lassen, landen auch in Südlohn in Altkleidercontainern. Ein Problem für die Verwerter. Diese Kleidung hat in Containern nichts zu suchen.

Südlohn

, 06.11.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jahrzehntelang hat das System gut funktioniert: Altkleider können die Einwohner in den Containern, die zum Beispiel die KAB in Oeding aufgestellt hat, werfen. Diese Kleiderspenden werden nämlich sortiert und – so weit es geht – weiterverwertet. Der Erlös ist dann für den guten Zweck. Nun landen auch in den örtlichen Containern immer mehr Billigtextilien. Und die entwickeln sich langsam zum Problem, wie Franz-Josef Schulten von der KAB festgestellt hat.

Jetzt lesen

Von der Firma Striebel Textil, die für den ganzen KAB-Bezirk die gespendeten Textilien verwertet, hat er schon die Rückmeldung bekommen, „dass die Ware nicht so gut ist“. Schulten ist derjenige, der sich um die Altkleidercontainer kümmert, die die KAB Oeding in Südlohn und Oeding aufgestellt hat. Und auch um die Altkleidersammlung, die ja bald ansteht. „Die klagen alle. Das ist überall so und das wird immer mehr“, fasst Franz-Josef Schulten im Telefonat mit der Redaktion zusammen, was er von Sammlern und Verwertern gehört hat.

Was das heißt: Bislang war es so, dass 50 Prozent der Kleiderspenden wiederverwertet werden konnten, der Rest ging in den Reißwolf, wie die KAB-ler aus Oeding 2017 bei einem Besuch bei der Firma erfuhren. Aus der Reißwolf-Ware entstehen zum Beispiel Hutablagen für Autos. Nur der „Plastikmüll statt Mode“, wie es die Tagesschau einmal in einem Beitrag formuliert hat, macht selbst eine solche Wiederverwertung unmöglich.

Kunststofftextilien muss auch der Verwerter als Müll entsorgen

Denn: Wenn ein Baumwoll-T-Shirt auch nach jahrelangem Tragen noch ein Wertstoff ist, sind es Kleidungsstücke mit hohem Synthetik-Anteil wie Polyester oder Polyacryl eben nicht. Auch Sport-Funktionskleidung zählt dazu. Für die Altkleider-Verwerter sind diese Kleidungsstücke am Ende auch Müll, den sie entsorgen müssen.

Das drückt dann den finanziellen Erlös, den zum Beispiel die KAB mit ihren Containern ja für soziale Zwecke erwirtschaften möchte. Das findet die Vorsitzende der KAB Oeding, Erika Matschke, auch schade.

Aber Franz-Josef Schulten und Erika Matschke sprechen auch die Schnelllebigkeit der Textilien an. „Viele müssten mal ihr Kaufverhalten überdenken“, sagt Erika Matschke. Und Franz-Josef Schulten findet es „Wahnsinn“, wie viel Kleidung gekauft wird, die nach ein paar Mal Tragen und Waschen weggeworfen wird.

Keine großen Beschwerden bei EGW oder DRK

Beim DRK-Kreisverband Borken ist Edith Holtkamp auch für den Bereich Altkleidersammlung mit 160 Containern im Kreisgebiet zuständig. Genauso wie Simone Werk von der Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland (EGW), die 202 Altkleidercontainer betreut, die auch in Ahaus, Heek, Legden, Stadtlohn, Südlohn und Vreden stehen, hat Edith Holtkamp noch keine großen Beschwerden von den Verwerten erhalten.

Jetzt lesen

Dass die Billigware zunimmt, wurde noch nicht als großes Problem eingeordnet. „Ein überschaubarer Anteil“ sei es, so Simone Werk. Die Erlöse seien gleichbleibend. „Wir haben noch keine Rückmeldung bekommen, dass die Ware nicht angenommen werde“, sagt auch Edith Holtkamp.

Hauptprobleme seien nach wie vor die Zweckentfremdung von Altkleidercontainern als Müllschlucker und auch Vandalismus. Die EGW müsse nun neue Container in Auftrag geben, weil die Reserve wegen vielfältiger Zerstörungswut aufgebraucht sei, erzählt Simone Werk. Seit 2014 sammelt die EGW für die Kommunen Altkleider, die Erlöse gehen dann an die jeweiligen Kommunen und fließen dort als Einnahme in die Müllgebührenkalkulationen.

Billigkleidung für Altkleider-Verwerter am Ende nur Müll - das gehört nicht in Container

Jede Menge Mülltüten vorm Container: Dieses Bild bietet sich den Ehrenamtlichen der KAB immer wieder. © Bernd Schlusemann (A)

Von Müll im Altkleidercontainer könnte Franz-Josef Schulten auch ein Lied singen. Das Problem bleibt allen, die Altkleidercontainer aufstellen. Und sowohl Erika Matschke als auch Franz-Josef Schulen als auch Simone Werk und Edith Holtkamp appellieren an das Bewusstsein der Verbraucher und Nutzer: Kleider nicht als Wegwerfware zu sehen – und Altkleidercontainer nicht als Müllschlucker.

Lesen Sie jetzt