Corona hat auch für Bestatter alles auf den Kopf gestellt. Mit den Folgen zu kämpfen haben auch Bernd Schüring (l.), Marion Laumann (2.v.l.), Lisa Häling und Berthold Büsker. © Johannes Schmittmann
Coronavirus

Bestatter und Corona: „Das Abschiednehmen fällt den Trauernden schwerer“

Für den Umgang mit Covid-19-Toten gelten strenge Regeln. Berthold Büsker, Bestatter aus Südlohn, hat sich mittlerweile daran gewöhnt. Nicht nur ihm bereiten aber die Angehörigen Sorgen.

Berthold Büsker ist lange im Geschäft. So schnell bringt den Südlohner Bestatter nichts aus der Ruhe. Daher betont er schon bei der Terminvereinbarung: „Hier im Ort ist die Lage noch vergleichsweise ruhig. Wenn ich mir die größeren Städte anschaue, möchte ich nicht klagen.“ Tatsächlich sind in der Gemeinde Südlohn bisher „erst“ drei Menschen mit oder an Corona gestorben. Zum Vergleich: In Ahaus sind es 41.

Bernd Schüring, mit dem Büsker seit Jahren kooperiert, musste im Ortsteil Oeding sogar noch gar keinen Corona-Toten zu Grabe tragen. Und trotzdem hat sich seit einem Jahr die Arbeit für Bestattungsunternehmen in ganz Deutschland grundlegend geändert. „In fast allen Bereichen“, sagt Bernd Schüring.

Harte Regeln im ersten Lockdown

Es fing an mit dem ersten Lockdown im März 2020. Die Besucherzahl von Trauerfeiern wurde auf ein Minimum begrenzt. „Das war keine einfache Situation. Vor allem nicht für die Angehörigen“, sagt Berthold Büsker.

Weil das Coronavirus zu dieser Zeit noch wenig erforscht war, verhing die Politik außerdem eine Pflicht zur Einäscherung der sterblichen Überreste. Mittlerweile wurde diese Regel aber rückgängig gemacht. Andere gelten bis heute.

„Wenn wir einen Covid-19-Toten abholen, gibt es strenge Vorschriften: Einweganzüge, Mund-Nasen-Bedeckung, Augenschutz“, berichtet der Südlohner Bestatter. Obwohl die Wahrscheinlichkeit, sich an einem Verstorbenen anzustecken, als sehr gering eingestuft wird, geht man hier auf Nummer sicher.

Deshalb war es in der ersten Corona-Phase auch verboten, den Leichnam aufzubahren. „Auch das wurde zurückgenommen. Die Familie kann also – wenn sie möchte – noch einmal Abschied nehmen. Aber natürlich kontaktlos“, sagt Bernd Schüring.

Strenge Regeln für Beerdigungsfeiern

Acht Corona-Bestattungen hat sein Kollege Berthold Büsker mittlerweile durchgeführt. Nicht nur in Südlohn, sondern auch in Vreden, wo er mit „Tenhumberg Bestattung“ kooperiert.

Sorgen bereiten ihm weniger die Auflagen und Pflichten, die er selbst erfüllen muss. Er hat mehr die Angehörigen im Blick. „Das Abschiednehmen fällt ihnen während der Corona-Pandemie deutlich schwerer. Vor allem, weil sich die Beerdigungen so anders gestalten.“

Die Auflagen bei Bestattungen sind hoch. In Zukunft setzt das Südlohner Unternehmen auch auf digitale Lösungen.
Die Auflagen bei Bestattungen sind hoch. In Zukunft setzt das Südlohner Unternehmen auch auf digitale Lösungen. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

Zwar ist es wieder erlaubt, auch in größerem Kreis Trauerfeiern durchzuführen, allerdings unter strengsten Auflagen. „Egal ob am Grab oder in der Kirche: Überall gelten Maskenpflicht und Abstandsregel. Kontaktformulare müssen vorher ausgefüllt werden. Das Händeschütteln zum Beileid bekunden ist verboten“, erklärt Berthold Büsker. Auch das gemeinsame Kaffeetrinken im Anschluss an die Beerdigung fällt weg.

Schwierige Bedingungen für Trauergespräch

„Das ist es, was die Leute glaube ich am meisten vermissen. Sich nachher in lockerer Runde zu unterhalten und vielleicht noch die ein oder andere Anekdote über den Verstorbenen auszutauschen; in alten Zeiten schwelgen“, sagt der Südlohner Bestatter. Ähnliches berichtet seine Mitarbeiterin Lisa Häling. Sie arbeitet auch als Trauerrednerin und trifft sich häufig mit den Angehörigen zum Vorgespräch.

Um das Infektionsrisiko zu minimieren, finden diese Treffen nur noch hinter Plexiglas in den Geschäftsräumen des Bestattungsunternehmens statt. „Dafür haben alle Verständnis, aber es erschwert den Dialog. In den eigenen vier Wänden gibt es viel mehr Anknüpfungspunkte, zum Beispiel greifen einige spontan zum Fotoalbum“, berichtet Lisa Häling. „Die emotionale Ebene ist eine ganz andere.“

Ungewöhnliche Wünsche von Angehörigen

Daraus resultieren Wünsche, die vorher nie an das Bestattungsunternehmen herangetragen wurden. „Ich wurde gefragt, ob die Trauerfeier gefilmt und fotografiert werden darf. Um für die Angehörigen, die zur Sicherheit der Beerdigung ferngeblieben sind, Emotionen einzufangen“, erklärt Marion Laumann. Die Mitarbeiterin von Berthold Büsker hat Verständnis für solche Anfragen. „Das Abschiednehmen ist ein wichtiger Schritt zur Trauerbewältigung.“

Trotz schwieriger Zeiten betont der Südlohner Bestatter das Positive: „Die Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt und der Kirche, das klappt einfach. Das finde ich gerade in der Krise sehr wichtig.“

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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