Michael Tenk (42) setzt auf ausgefallene Ideen, wenn es um Marketing geht. Die will er nun auch anderen Bäckern anbieten. © Stephan Rape
Zweites Standbein

Bäckermeister Michael Tenk will mit seinen Marketingideen begeistern

Frische Brötchen sind demnächst nicht mehr das einzige, was aus Michael Tenks Backstube kommt. Er will andere mit seinen Ideen begeistern und bietet Marketingkonzepte für Bäckereien an.

Michael Tenk (42), Bäckermeister aus Südlohn, ist bekannt für Ideen, die für eine normale Backstube ein bisschen aus der Reihe tanzen. Aktuellstes Beispiel: Das Wirtebrot, mit dem er nicht nur die Getränke-Restbestände der örtlichen Gastronomen zu Brot verarbeitet, sondern sie auch unterstützt. Aber auch sein öffentlichkeitswirksamer Kampf für schnelleres Internet im Südlohner Ortskern oder sein Feldzug gegen die Bonpflicht – samt frühmorgendlichem Termin mit CDU-Bundestagsabgeordnetem Johannes Röring in der Backstube – oder seine Vorweihnachtsaktion „Südlohn spendet Licht“ haben ihn bekannt gemacht. Aus seinen Ideen möchte er nun mehr Kapital schlagen.

Mit Marketingideen für andere Bäcker möchte er sich ein zweites Standbein aufbauen. Dazu hat er erstmal die Facebook-Seite Bread-Marketing gestartet, auf der er über seine Konzepte und Ideen berichtet. Werbung direkt vom Bäckermeister, wie er es nennt.

Kontakte zu Kollegen und Medien zahlen sich aus

„Über die Aktion mit den Kassenbons habe ich Kontakte in ganz Deutschland bekommen“, sagt er. Zu Branchenkollegen, zu Verbrauchern, aber auch zu Medien. Radio- und Fernsehsender oder Branchenmedien berichten regelmäßig über den umtriebigen Bäckermeister aus Südlohn.

Und die mediale Präsenz zahlt sich für ihn aus. „Nachdem über meine Wirtebrote im Fernsehen berichtet wurde, sind Kunden sogar aus Ahlen und Seppenrade nach Südlohn gekommen“, erzählt er. Die seien 60 oder 80 Kilometer gefahren, um ein Brot bei ihm zu kaufen. Teilweise sogar mehrfach, weil die Brote am Vormittag schon ausverkauft waren.

Marketing als Hobby neben dem reinen Handwerk

Auch wenn sein Betrieb in Südlohn hervorragend laufe, möchte er sich nicht auf das reine Handwerk beschränken. „Marketing war schon immer mein Hobby“, erklärt er. Die Ideen für seine Aktionen kämen ihm spontan. Mal in der Backstube, mal morgens nach dem Aufstehen. „Die kann ich selbst gar nicht alle umsetzen“, sagt er. Doch offenbar kommen sie gut an. Die Schnecken, die er rund um die Entscheidungen zum schnellen Internet im Ort verkauft habe, hätten ihm mal eben 15 Prozent mehr Umsatz verschafft. „Und wenn ich die Ideen schon habe, warum soll ich damit nicht anderen Anregungen geben“, sagt er.

Auch von Kollegen habe er bisher überwiegend positive Resonanz bekommen. Sein Grundkonzept sei dabei einfach: Statt einfach nur die üblichen Angebot eines Bäckers – wahlweise eine Feierabendtüte mit einer Brötchenauswahl oder spezielle Brotsorten an speziellen Tagen – zu bieten, will er kleine Geschichten erzählen. „Es geht darum, Reichweite zu erzielen. Im Gespräch zu bleiben und vielleicht auch eine positive Wirkung für den ganzen Ort zu erzielen“, sagt er.

Menschen nach dem Lockdown wieder in die Ortskerne ziehen

Denn gerade im Moment sei zu sehen, wie – nicht nur in Südlohn – kaum noch Menschen in den Ortskernen unterwegs sind. „Auch in den größeren Städten ist ja wegen des Lockdowns kaum noch etwas los“, sagt er beim Blick in die Nachbarschaft. Es gehe also auch darum, die Menschen schnell wieder in die Stadt- und Ortskerne zu ziehen, wenn die Geschäfte demnächst wieder öffnen dürfen. Keine leichte Aufgabe: „Die Einkaufsgewohnheiten verändern sich eben rasend schnell“, sagt Michael Tenk.

Heißt das also, dass der Backofen an der Kirchstraße künftig kalt bleibt? Da muss Michael Tenk lachen. „Nein, erst einmal nicht“, sagt er schnell. Er will weiter in der Backstube stehen. Aber: „Ich weiß nicht, was Corona noch alles mit uns macht. Und ich habe schon genug gesunde Läden gesehen, die plötzlich schließen mussten“, sagt er. Was in fünf oder zehn Jahren sei, könne ja sowieso niemand vorhersagen.

Vorerst sollen das Marketingprojekt aber nur nebenher laufen. „Vielleicht wie ein bezahltes Hobby oder zum Aufbessern der Urlaubskasse“, sagt er.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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