Anwohner haben Angst vor zu schnellen Autos und fordern mehr Kontrollen

dzRamsdorfer Straße

Eigentlich dürften alle Autofahrer auf der Ramsdorfer Straße höchstens 50 fahren. Doch die Anwohner können eine andere Geschichte erzählen: Kaum jemand halte sich an das Tempolimit.

Südlohn

, 12.06.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Anwohner an der Ramsdorfer Straße haben Angst: Angst vor schnellen Autos, die vor allem morgens und nachmittags an ihren Häusern entlang donnern. Das Südlohner Ortsschild steht von der L525 kommend noch vor dem ersten Haus. Ab da gilt eigentlich eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Doch niemand halte sich daran. Darüber sind sich einige Anwohner, die sich an diesem Nachmittag versammelt haben, einig.

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Namentlich genannt werden wollen sie nicht, weil sie Angst vor Drohungen haben. „Ein Bekannter hat mir schon gesagt, dass er mir den Zaun kaputt macht, falls ich mich weiter für die Geschwindigkeitsmessungen einsetze“, sagt einer. Wie wahrscheinlich das sei, mag er dann aber doch nicht beurteilen.

Tägliches Problem mit Rasern vor der Haustür

Das Problem mit den Rasern sehe er jeden Tag. Autos, die in Richtung Ortskern unterwegs seien, würden erst unmittelbar vor dem Kreisverkehr bremsen. In die andere Richtung würden Autofahrer direkt nach dem Kreisverkehr mächtig beschleunigen. „50 fährt hier niemand“, sagt er Anwohner. Besonders schlimm sei es morgens zwischen 6 und 9 Uhr und dann wieder nachmittags von 15 bis 17 Uhr. Also im typischen Berufsverkehr.

Milla, Malte (beide 4) und Noah (8, v.l.) wohnen an der Ramsdorfer Straße. Mit ihren Fahrrädern dürfen sie aber nur unter Aufsicht an der Straße entlang fahren. Viele Autos dort sollen viel zu schnell unterwegs sein.

Milla, Malte (beide 4) und Noah (8, v.l.) wohnen an der Ramsdorfer Straße. Mit ihren Fahrrädern dürfen sie aber nur unter Aufsicht an der Straße entlang fahren. Viele Autos dort sollen viel zu schnell unterwegs sein. © Stephan Teine

„Uns war ja von Anfang an klar, dass wir hier nicht in einer Tempo-30-Zone wohnen“, erklärt eine Frau, die ihr Haus an der Ramsdorfer Straße erst vor einigen Jahren bezogen hat. Und natürlich sei sie auch dafür verantwortlich, dass ihre Kinder nicht direkt an der Straße spielen. Dennoch ist ihr wichtig, dass die Autos dort das Tempolimit einhalten. „Damit sie im Ernstfall noch rechtzeitig reagieren können“, erklärt sie.

Rennstrecke seit die Straße saniert wurde

Richtig schlimm sei es geworden, nachdem die Straße vor etwa drei Jahren saniert wurde. Dabei wurde sie etwas breiter. Durch den Radweg, der entlang der Häuser verläuft, wirke sie noch breiter. Ein Grünstreifen oder zumindest schwarz-weiße Leitpfosten fehlen. „Das ist für viele Autofahrer eine richtige Rennstrecke“, erklärt einer der Anwohner.

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Mit einer Unterschriftenliste hat er sich an den Kreis Borken gewandt, damit zumindest die Geschwindigkeitsmessungen wieder regelmäßig auf der Ramsdorfer Straße durchgeführt wird. Langfristig wünscht er sich, dass vom Kreis beispielsweise schwarz-weiße Leitpfosten aufgestellt werden. So würde die Straße in seinen Augen zumindest optisch etwas schmaler.

Weniger Messungen wegen Personal- und Technikproblem

Das bestätigt Ellen Bulten, Pressesprecherin des Kreises Borken, auf Nachfrage. Das Problem sei bekannt. Im vergangenen Jahr sei dort häufig die Geschwindigkeit gemessen worden, erklärt sie weiter. „Dieses Jahr haben wir leider sowohl einen personellen Engpass als auch ein technisches Problem“, erläutert sie. Ein Messfahrzeug stand nicht mehr zur Verfügung. Die Messstelle soll aber bald wieder in den regelmäßigen Plan aufgenommen werden. Wann genau, stehe noch nicht fest.

Auch für die von den Anwohnern gewünschten Leitpfosten sieht es nicht gut aus. „Die werden normalerweise innerorts nicht aufgestellt“, erklärt Ellen Bulten. Davon abgesehen hätten sie aber auch nur einen sehr überschaubaren Effekt auf die gefahrene Geschwindigkeit. „Das zeigen Messungen an anderen Stellen“, macht sie deutlich.

Mit der Gemeinde Südlohn habe der Kreis vorläufig darüber gesprochen, dass zumindest eine der Anzeigetafeln dort aufzuhängen. „Das würde zumindest einen kleinen Effekt haben und die Autofahrer sensibilisieren, dort langsamer zu fahren“, sagt Ellen Bulten. Wann das so weit ist, mag sie aber nicht beurteilen.

Eine provisorische Lösung, wie sie Anwohner an anderen Straßen gefunden haben,

stößt an der Ramsdorfer Straße auf wenig Gegenliebe: Spielzeug als Warnung vor zu schnellem Fahren wollen sie nicht an die Straße stellen.

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