Am Thema Bäume scheiden sich die Geister

Beschädigtes Pflaster

Bäume können für Probleme sorgen. Im Bauausschuss haben sie nicht zum ersten Mal kontroverse Diskussionen ausgelöst. Was zum Beispiel soll rund ums Rathaus geschehen?

SÜDLOHN

, 28.09.2017, 18:51 Uhr / Lesedauer: 3 min
Am Thema Bäume scheiden sich die Geister

Laubdach und Rathausdach: An anderen Ende des Baums haben die Wurzeln das Pflaster am Rathaus der Gemeinde Südlohn angehoben. Die Frage nach der Fällung der Bäume hängt von dem Konzept für das Umfeld ab.

Am Ende stand der Beschluss, mit dem Beschluss zu warten. Bis dahin erlebten die Zuhörer eine Debatte, die die unterschiedlichen Sichtweisen rund um das Thema Straßenbaum deutlich aufzeigte. Die Diskussion entzündete sich an der Frage, was mit dem Gehweg am Rathaus passieren soll. Das Problem tritt an der westlichen Seite des Gebäudes sichtbar zutage: Die Wurzeln der amerikanischen Eichen haben die Platten des Gehwegs so stark angehoben, dass sich dies zum Problem entwickelt. Die Gemeinde sieht die Verkehrssicherheit gefährdet. Dieser Abschnitt drohte nicht zum ersten Mal, eine Stolperfalle zu werden: Der Bauhof hatte die Wurzeln deshalb schon einmal überpflastert.

Eine Lösung, die Bestand hat, soll her

Jetzt sollte das Problem eine Lösung bekommen, die Bestand hat. Erstmals hatte sich der Bauausschuss im März mit der Frage befasst. Am Mittwoch stellte die Verwaltung die beiden Alternativen vor, die die Politik seinerzeit gefordert hatte. Variante eins sieht einen Erhalt der Bäume vor. Das Niveau des Bürgersteiges müsste dazu um zehn Zentimeter höher liegen als heute, damit sich die Wurzeln erneut überpflastern lassen. Kostenpunkt: 84 600 Euro. Die Verwaltung machte keinen Hehl daraus, dass sie dabei viele Nachteile sieht: Die Wurzeln würden das Pflaster bereits in wenigen Jahren wieder hochdrücken, das Pflaster an der Rinne liege auch nach der Sanierung auf Wurzeln, Eicheln stellten für Menschen mit Handicap eine Unfallgefahr dar, und der Gehweg erhalte optisch unschöne „Anrampungen“.

Die Variante zwei sieht anders aus: Neun Bäume müssten weichen, neues Pflaster und neue, pfahlwurzelnde Bäume die Situation verbessern. Geschätzte Kosten dieser Lösung: 99 900 Euro. Schnell verdeutlichten sich in der Sitzung die Frontlinien, die es in dieser Frage in der Südlohner Politik gibt. „Wir sollten die Bäume stehen lassen. Wir müssen Platz schaffen für Bäume, nicht umgekehrt“, sagte Siegfried Reckers (SPD). Er regte an, auf einige Stellplätze zu verzichten und die verbliebenen quer zu stellen. „Wir sehen das genauso“, schloss sich Franz-Josef Rickers (Grüne) an. Der Gehweg sollte bei den Bäumen eine wassergebundene Decke bekommen.

 „Die Bäume müssen weg"

Andreas Peek (CDU) sah das ganz anders: „Die Bäume müssen weg, damit wir eine tragfähige Lösung bekommen.“ Ein Verzicht auf Parkplätze sei gerade am Rathaus nicht sinnvoll. Jörg Battefeld (UWG) zeigte sich überrascht von der Vorlage der Verwaltung: „Damit sind wir genauso weit wie im März. Ich hatte mehr Optionen erwartet.“ Baumatsleiter Dirk Vahlmann entgegnete: „Wir sehen aber keine zusätzlichen Möglichkeiten.“ Ein Querstellen der Parkflächen löse das Problem mit dem Gehweg nicht, auf dem es um die Verkehrssicherheit besonders für ältere Menschen gehe.

„Jeder Bürger muss das Rathaus ungefährdet betreten können“, unterstützte Alois Kahmen (CDU) die Position der Verwaltung. Der Fehler der Vergangenheit sei es gewesen, die falschen Bäume zu pflanzen. Kahmen ordnete die Frage der Bäume am Rathaus in einen größeren Zusammenhang ein: Ein Beschluss dazu sollte erst erfolgen, wenn das Integrierte Handlungskonzept für den Ortskern stehe: „Sonst droht die Gefahr einer Fehlinvestition.“ Dieser Gedanke überzeugte. Der Ausschuss sprach sich vorsorglich dafür aus, 100 000 Euro als Verpflichtungsermächtigung in den Haushalt einzuplanen – damit im Jahr 2019 entsprechende Mittel bereitstehen.

Schadhafte Stellen an verschiedenen Straßen

Das Thema Bäume sollte den Ausschuss damit aber nicht zum letzten Mal an diesem Abend beschäftigen. Schäden durch Wurzeln, das war auch ein Punkt bei den Planungen des Bauamtes für das nächste Jahr. Die Verwaltung hatte in ihrer Sitzungsvorlage neben dem „Brennpunkt Rathaus“ noch weitere entsprechende Stellen aufgeführt: auf der Eichendorffstraße, der Kirchstraße, dem Marktplatz, dem Nordwall, der Lindenstraße und der Fürst-zu-Salm-Horstmar-Straße. Alois Kahmen reagierte ungehalten: „Es muss eine Selbstverständlichkeit sein, Mängel zu erkenn und zu beheben. Absackungen gehören ausgeglichen.“ Der Christdemokrat wurde noch deutlicher, als es um mögliche Fällungen ging: „Ich will hier nicht über jeden einzelnen Baum entscheiden müssen. Da setze ich doch auf den Sachverstand der Verwaltung.“

„Der Bauhof will ja etwas tun. Aber er braucht eine Entscheidung. Es geht um gesunde Bäume“, erklärte Bauamtsleiter Dirk Vahlmann. Franz-Josef Rickers sprach sich dagegen aus, auf Beratungen über Einzelfälle zu verzichten: „Das mag ja angehen, wenn es um kranke Bäume geht, aber nicht bei gesunden.“ Sonst gebe es bald keine Bäume mehr im innerörtlichen Bereich. „Jeder gesunde Baum ist erhaltenswert“, pflichtete Siegfried Reckers bei. Die Position Kahmens fand indes in Jörg Battefeld einen Befürworter: „Wir sollten nicht über jede Kleinigkeit reden.“ Die Fachleute seien dafür da, zudem gehe es um die Sicherungspflicht. Der Weg war damit frei für eine Mehrheit, die Alois Kahmens Antrag stützte: So soll die Verwaltung künftig nur noch in besonders problematischen Fällen oder bei ganzen Straßenzügen mit dem Thema Bäume in den Ausschuss gehen.

 

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt