Alte Badeanstalt im Schulgebäude ist durch den Umbau „einfach verschwunden“

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Die alten Dusch- und Baderäume in der Südlohner Grundschule sind dem Abbruchhammer zum Opfer gefallen. Die Reaktion reicht von einem wütendem Aufschrei bis zum Schulterzucken.

Südlohn

, 04.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Als 1931 in Südlohn die neue Volksschule eingeweiht wurde, hatten die damaligen Bauherren auch an die Hygiene gedacht: Weil viele Häuser im Ort noch keinen eigenen Wasseranschluss hatten, wurde dort im Keller eine Badeanstalt eingerichtet. So zumindest nennt Archivar Ulrich Söbbing in seinem Buch „Südlohn und Oeding – Zwei Dörfer, eine Gemeinde“ die Einrichtung. Eine große Gemeinschaftsdusche sowie mehrere Einzelzellen mit Duschen und Badewannen wurden dort eingerichtet. Für 50 Pfennig konnte man dort ein Bad nehmen, eine Dusche kostete zwischen 12 und 15 Pfennig. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Einrichtung noch einmal großen Zulauf: Wegen der großen Zerstörungen nach den Bombardierungen nutzten viele Südlohner das öffentliche Bad.

Alte Badeanstalt im Schulgebäude ist durch den Umbau „einfach verschwunden“

Auf der linken Seite gab es separate Duschen. Rechts waren Badewannen eingebaut. Zwischen 12 und 50 Pfennige mussten die Südlohner bezahlen, um im Keller der Schule zu duschen oder zu baden. © Archiv

Diese Sanitäranlagen sind im Zuge des jetzigen Schulneubaus verschwunden. Je nachdem, mit wem man spricht, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion oder in aller Öffentlichkeit.

SPD: Kulturgut ist verloren gegangen

Für SPD-Ratsherr Siegfried Reckers ist es ein höchst fragwürdiger Schritt gewesen. Noch dazu einer, der so mit der Politik nicht abgesprochen war. „Dafür hätte es keine Mehrheit gegeben“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Aus den Zeichnungen, die den Ratsmitgliedern vorgelegt wurden, sei das auch nicht hervorgegangen. Er spricht von einer Art „Südlohner Kulturgut“, das verloren gegangen sei. „Wenn man dort hineingegangen ist, fühlte man sich richtig in die damalige Zeit zurückversetzt“, so Reckers weiter.

CDU entschied sich schweren Herzens gegen die Badeanstalt

Im Rat gegenüber, bei der CDU-Fraktion, sieht man das anders. Michael Schichel (CDU) kannte den betroffenen Keller und die entsprechenden Pläne, sagt er. „Wir haben das ja nicht im Geheimen beschlossen“, erklärt er auf Nachfrage. Doch für den Umbau der Räume sprachen für ihn ganz klare Gründe: Für den Schulneubau wurde auf einen Keller verzichtet. „Das wäre noch einmal eine sechsstellige Summe gewesen“, erklärt er. Dennoch war klar, dass zusätzliche Lagerräume geschaffen werden mussten. Etwa für ein Stuhllager. Auch Technik sollte im Keller des Bestandsgebäudes untergebracht werden. „Es war klar, dass das unter die Erde muss“, sagt er. Außerdem sei der bestehende Keller mit den sanitären Einrichtungen marode gewesen.

Blick in die Zukunft

Einfach habe sich seine Partei die Frage aber nicht gemacht. „Wir haben uns schweren Herzens im Rat dazu entschlossen, die alte Waschstelle aufzugeben und den Keller umzubauen“, erklärt er. „Wir wollten den Blick in die Zukunft richten und sehen das Geld so besser angelegt“, sagt er. Außerdem sei von niemandem an seine Partei herangetragen worden. Tatsächlich sind sowohl der Südlohner Heimatverein als auch Gemeindearchivar Ulrich Söbbing recht einsilbig, wenn es um die alten Anlagen geht. Das sei nie ein besonderes Thema gewesen, heißt es.

Fotos wurden vor dem Umbau nicht mehr gemacht

Der Umbau ist geschehen. Die Sanitäranlagen verloren. Ein zusätzliches Ärgernis: Fotos wurden vor dem Umbau nicht mehr gemacht. „Da muss ich mir wohl einen kleinen Schuh anziehen“, sagt Bürgermeister Christian Vedder. An einen Fotografen habe er vor dem Umbau schlicht nicht mehr gedacht. Er hat Verständnis für die Südlohner, die noch einen Bezug zu den Anlagen im Keller der Schule hatten oder sie erhalten wollten.

Klar ist aber auch: „Unter Denkmalschutz standen sie nicht.“ Auch Bauamtsleiter Dirk Vahlmann oder Archivar Ulrich Söbbing hatten vor dem Abriss der Waschgelegenheiten keine Aufnahmen mehr gemacht. „Im Fokus der Planungen standen immer die bestmögliche Pädagogik und der Kostenrahmen“, blickt Christian Vedder auf die lange Planungsphase zurück. Vielleicht sei dieses Detail dabei übersehen worden. Klar ist für ihn aber, dass der Abriss der Sanitäreinrichtungen nicht überraschend kam: „Das hat immer so in den Planungen gestanden“, erklärt er.

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