Polizei

Reemtsma-Entführer nach Geldtransport-Überfällen verhaftet

Überraschende Wendung nach drei Überfällen auf Geldtransporter in Köln und Frankfurt: Bei dem gefassten Verdächtigen handelt es sich offenbar um Reemtsma-Entführer Thomas Drach.
Polizisten und Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma stehen neben einem Geldtransporter am Köln/Bonner Flughafen, nachdem dieser im Jahr 2019 überfallen worden war. © picture alliance/dpa

Bei einem nach mehreren Geldtransporter-Überfällen verhafteten 60-Jährigen handelt es sich nach dpa-Informationen um den verurteilten Reemtsma-Entführer Thomas Drach. Zuvor hatte „bild.de“ berichtet. Dem 60-Jährigen werden nun gemeinschaftlicher schwerer Raub in drei Fällen und ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen.

Ohne einen Namen zu nennen, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft in Köln, die niederländische Polizei habe am Dienstagmorgen einen vom Amtsgericht Köln erlassenen Europäischen Haftbefehl gegen einen 60-jährigen Deutschen vollstreckt. Er sei dringend verdächtig, an Überfällen in Köln im März 2018, am Flughafen Köln/Bonn im März 2019 und in Frankfurt am Main im November 2019 beteiligt gewesen zu sein.

Die Ermittler erklärten, dem aus dem Rheinland stammenden Beschuldigten, der in Deutschland keinen festen Wohnsitz habe und nach dem europaweit gefahndet worden sei, solle der Europäische Haftbefehl in den Niederlanden verkündet werden. „Die Staatsanwaltschaft hat die anschließende Auslieferung des 60-Jährigen nach Deutschland bereits beantragt“, erklärten die Ermittler.

Hamburger Millionär im Jahr 1996 entführt

Mit der Entführung von Jan Philipp Reemtsma im Jahr 1996 hatten die Geiselnehmer einen Millionen-D-Mark-Betrag erpresst. 1998 wurde der Drahtzieher der Entführer, Thomas Drach, in Argentinien gefasst und Ende 2000 in Hamburg zu vierzehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Polizist nach einem Überfall in Lebensgefahr

Bei dem Überfall am Flughafen in Köln-Bonn im Jahr 2019 soll der 60-Jährige ein Maschinengewehr benutzt haben. In dem ausgebrannten Autowrack in Köln-Porz hatten Ermittler ein Sturmgewehr entdeckt, bei dem es sich laut Staatsanwaltschaft um die Tatwaffe handelt. Damals war ein Geldbote durch Schüsse schwer verletzt worden, kurzzeitig schwebte er nach Angaben der Polizei von damals auch in Lebensgefahr.

Auch bei dem Überfall vor einem Möbelhaus in Frankfurt war ein Geldbote durch Schüsse schwer verletzt worden. Die Polizei in Köln und Frankfurt hatten mit einem Großaufgebot nach den Tätern gefahndet. Der Raubüberfall in Köln-Godorf wurde im November 2018 auch in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ gezeigt, im August 2020 lief dort auch der Fall aus Frankfurt. Die Ermittler aus Frankfurt zeigten damals auch Bilder des mutmaßlichen Täters – in weißem Kapuzenpulli und schwarzer Jogginghose – und des Fluchtfahrzeugs.

Vermutungen zu Zusammenhang mit RAF bestätigen sich nicht

Die Polizei vermutete schon länger einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen. Der Raubüberfall im März 2018 in Köln-Godorf habe vor einem Möbelhaus stattgefunden, genau wie der in Frankfurt 2019. Zudem teilten die Ermittler nach dem Überfall am Flughafen Köln mit, dass der Geldtransporter zu demselben Unternehmen gehöre, das bereits in Köln-Godorf überfallen worden sei.

Vermutungen, dass Mitglieder der ehemaligen Rote Armee Fraktion an den Taten beteiligt gewesen sein könnten, bestätigten sich laut Mitteilung in den Ermittlungen nicht. Gegen den 60-jährigen Deutschen hatte die Staatsanwaltschaft Köln einen europäischen Haftbefehl erlassen. Die Auslieferung des Mannes nach Deutschland sei bereits beantragt. Angaben zu möglichen weiteren Tätern machte die Staatsanwaltschaft am Dienstag nicht.

dpa

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