Das Fach Sozialwissenschaften wird in Nordrhein-Westfalen abgelöst. Das sorgt für Diskussionen. © dpa
Borken

Diskussionen: Schulfach „Wirtschaft/Politik“ ersetzt Sozialwissenschaften

Das Fach Sozialwissenschaften soll an den Schulen in Nordrhein-Westfalen ersetzt werden. In Borken wird stattdessen bereits „Wirtschaft/Politik“ errichtet. Die Details im Überblick.

Die Schüler der sechsten Klasse der Jodocus-Nünning-Gesamtschule in Borken haben das neue Fach bereits, die anderen Stufen werden folgen. Die Rede ist von „Wirtschaft/Politik“. Das neue Unterrichtsfach soll das Fach Sozialwissenschaften ablösen, wenn es nach der Landesregierung geht. Laut Lehramtsverordnung des Landes soll auch der entsprechende Studiengang für angehende Lehrer seine Ausrichtung ändern.

Wie unterscheiden sich die beiden Fächer?

Im Fach Sozialwissenschaften gibt es drei Bereiche, die abgedeckt werden, erklärt Katrin Müller-Wedeking, die Sozialwissenschaften an der Jodocus-Nünning-Gesamtschule unterrichtet. Soziologie, Politik und Wirtschaft beinhaltet das Fach. Der Teilbereich Soziologie würde also unter dem Fach-Wechsel leiden.

„Ich mache mir da viele Gedanken zu“, sagt die Lehrerin. Schließlich liege der besondere Mehrwert des Faches darin, dass es interdisziplinär sei. Eine Problemstellung könne aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln angeschaut werden. Doch die wirtschaftliche und politische Sicht der Dinge führe ohnehin oft automatisch zu einer gesellschaftlichen Perspektive, berichtet Müller-Wedeking, die deshalb glaubt, dass die Soziologie nur aus dem Namen, nicht aber aus dem Lehrstoff verschwinde. Das betont auch die Landesregierung. Sie spricht davon, dass alle drei Teilbereiche weiter gelehrt werden sollen – allerdings mit einer neuen Gewichtung, die vermehrt auf Politik und Wirtschaft achtet.

Petition gegen Fachwechsel mit viel Unterstützung

Schüler bräuchten ein Fach, in dem sie aktuelle Nachrichten erörtern könnten, meint Müller-Wedeking. Das Fach Sozialwissenschaften habe in seiner Kombination die Möglichkeit geboten, Dinge greifbar zu machen, sagt die Lehrerin. „Ich finde es schade, dass die Soziologie rausgenommen wird.“

Dass sie mit dieser Meinung nicht allein ist, zeigt eine Online-Petition. Die Forderung „Sowi bleibt“ haben knapp 40.000 Menschen unterschrieben. Zentrales Argument: Um Schüler zu mündigen Bürgern zu bilden, sei die Mischung aus den drei Bereichen wichtig. Das sieht auch Müller-Wedeking so. Wichtig sei es, dass die Schüler als Erwachsene in der Lage seien, Geschehnisse zu hinterfragen, ob politisch, wirtschaftlich oder eben soziologisch.

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