Im vergangenen Jahr hatte die Östliche Nachbarschaft noch Sup Peiter im Katholischen Gemeindehaus St. Petrus feiern können - Ende Februar, kurz vor dem ersten Corona-Lockdown. © Bernd Paulitschke (A)
Corona in Schwerte

Westhofener Männer brechen Tradition: Nicht einmal „Sup Peiter to go“

Gegen die Rinderwahn-Krise 1990 hatten die Westhofener Nachbarn noch ein Rezept gefunden. Aber vor Corona schützt keine Menge Bier. Nach der Absage von Sup Peiter hat man andere Hoffnungen.

Jahrhunderte alt sind die Ursprünge von Sup Peiter. Sie gehen zurück auf das Jahr 1641, als die Westhofener erstmals einen eigenen Bürgermeister und Stadtrat wählten. Seit 1950 wurde der höchste Feiertag der Westhofener Männerwelt ununterbrochen am Samstag nach dem 22. Februar gefeiert. Nicht einmal von der Rinderwahn-Krise im Jahre 1990 ließen sich die Nachbarschaften den Spaß verderben – und kochten den gewohnten Pfefferpotthast-Schmaus ausnahmsweise mal eben mit Sauenfleisch als „Schweinepfeffer“.

Hygienebestimmungen erlauben keine Sup-Peiter-Feier

Doch gegen Corona ist kein Bier und kein noch so heißes Feuer in den Kanonenöfen gewachsen. „Sup-Peiter 2021 fällt leider aus“, teilt Frank Wecke, Schreiber der Niedersten Nachbarschaft, mit. Die für den 27. Februar geplanten Feiern der drei Westhofener Nachbarschafen Oastenpote, Westeneicken und Niederste fielen wegen der aktuellen Corona-Maßnahmen aus. Auch auf das zugehörige Ausrufen, bei dem Männer eine Woche vor dem Treffen mit Trommeln und Tröten durch die Straßen des Ortsteils ziehen, muss deshalb verzichtet werden.

Im vergangenen Jahr hatten die Nachbarn vom Westeneicken beim Sup Peiter noch über Corona gescherzt und dem Totenschädel ihres verblichenen Amtmanns Uffelmann auf dem Richtertisch eine Mund-Nasen-Maske verpasst.
Im vergangenen Jahr hatten die Nachbarn vom Westeneicken beim Sup Peiter noch über Corona gescherzt und dem Totenschädel ihres verblichenen Amtmanns Uffelmann auf dem Richtertisch eine Mund-Nasen-Maske verpasst. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

„Eine Durchführung ist wegen der aktuellen Hygienebestimmungen des Landes NRW nicht möglich“, erklärt Frank Wecke. Eng zusammen hocken normalerweise die Feiernden bei ihren Feiern, die nach Nachbarschaften getrennt im katholischen und evangelischen Gemeindehaus sowie im ehemaligen Haus Breer stattfinden. Am Kanonenofen vor dem Richtertisch, wo die humorigen Verhandlungen um „Vergehen“ wie Hochzeit oder Hausanstreichen über die Bühne gehen, wird es meistens noch kuscheliger. Das gehört einfach zur Atmosphäre des Traditionsfestes dazu. Genauso wie das Bier, das als einziges Getränk (außer Wasser für Autofahrer) getrunken werden darf – das aber bis zum Abwinken.

Auch ein „Sup Peiter to go“ soll es nicht als Ersatz geben

Noch vor einigen Wochen war in Westhofen von Überlegungen zu hören, in Coronazeiten einen Ersatz zu schaffen. Ähnlich wie in Restaurants war ein „Sup Peiter to go“ im Gespräch, bei dem wenigstens der Pfefferpotthast-Schmaus zu den Männern nach Hause gebracht werden sollte. Doch die Idee wurde schließlich verworfen, um jegliche Ansteckungsgefährdung auszuschließen – zumal unter den Nachbarn immer auch zahlreiche im Seniorenalter sind.

Die lautstarke Bekanntmachung eine Woche vor Sup Peiter fällt in Westhofen diesmal ebenfalls aus.
Die lautstarke Bekanntmachung eine Woche vor Sup Peiter fällt in Westhofen diesmal ebenfalls aus. © Reinhard Schmitz (A) © Reinhard Schmitz (A)

So ganz sang- und klanglos soll Sup Peiter 2021 aber doch nicht vorbeigehen. In Nachbarschaften wird darüber nachgedacht, völlig kontaktlos zumindest einen schriftlichen Gruß oder eine Art Zeitung in den Briefkästen zu verteilen. Ansonsten bleibt die Hoffnung auf die weiteren Veranstaltungen des Jahres wie beispielsweise den Schnadegang. Sollten die wieder möglich sein, würden die Termine rechtzeitig bekannt gegeben, sagt Frank Wecke.

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Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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