Eine Senioren-WG für neun Bewohner entsteht in dem Haus Eickhofstraße 26, das künftig „Villa Schwerte" heißt. Die Fassade ist - wie auch bei den drei Hohenlimburger Projekten der Betreiber - champagnergelb gestrichen. © Reinhard Schmitz
Senioren in Schwerte

In dieser WG ist Platz für Rentner: Innovatives Konzept in Schwerte

Zu Hause wird es einsam, aber das Altenheim wirkt zu groß. Der Schwerter Martin Leib (58) hat eine Lösung gefunden. Er baut Wohngemeinschaften nur für Senioren. Eine entsteht in Westhofen.

Hey, Pensionär. Komm, wir ziehen zusammen, in der Villa Schwerte. Eine Wohngemeinschaft (WG) ist längst nicht mehr nur eine Lebensform für Studenten. Was in der Jugend gepasst hat, kommt auch für das Alter in Mode. Etwas ruhiger vielleicht, ohne Partys bis in die Puppen und Chaos in Küche und Bad. Aber mit dem Gemeinschaftserlebnis, das im Alter immer mehr verloren gegangen war, weil die Familie zusammenschrumpfte.

In der WG in Westhofen ist Platz für neun Bewohner

„Man kann mit Gleichgesinnten zusammenleben“, erklärt Martin Leib (58), der für diesen Zweck gerade ein fast 300 Quadratmeter großes Wohnhaus an der Eickhofstraße umbaut. Zusammen mit seiner Frau Barbara Leib hat er die Idee einer Senioren-Wohngemeinschaft entwickelt. „Das ist das Konzept der Zukunft“, ist er überzeugt.

Martin Leib ist es wichtig, den Bewohnern seiner Senioren-WG „Villa Schwerte
Martin Leib ist es wichtig, den Bewohnern seiner Senioren-WG „Villa Schwerte” Zimmer mit Blick in den Garten anbieten zu können. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Eine kleine Gruppe – in Westhofen wird Platz für insgesamt neun Bewohner sein – hat rund um die Uhr die Sicherheit, von einer Pflegekraft betreut zu werden. Darüberhinaus steht eine weitere Kraft für zusätzliche Betreuungsleistungen wie Gedächtnistraining oder Spiele zur Verfügung. Man kocht gemeinsam täglich frische Speisen in der Küche. „Ziel ist es, so lange wie möglich die eigenen Fähigkeiten zu erhalten“, sagt Martin Leib.

Den Pflegedienst kann jeder Bewohner nach freier Wahl bestellen

Wo es nötig ist, wird beim Duschen, Ankleiden oder Essen-Anreichen geholfen.

Für die medizinische Behandlungspflege – vom Medikamente-Stellen bis zum Anziehen von Kompressionsstrümpfen – bestellt jeder Bewohner einen externen Pflegedienst seiner Wahl. „Hausärzte kommen ins Haus“, berichtet Martin Leib. Alle sechs Wochen sei zudem ein Neurologe aus Letmathe vor Ort.

Durch die Fenster ihrer Zimmer blicken die Bewohner der „Villa Schwerte
Durch die Fenster ihrer Zimmer blicken die Bewohner der „Villa Schwerte” direkt auf den Garten mit Teich und Pavillon, den sie natürlich auch nutzen können. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Seit elf Jahren wird dieses Konzept unter dem Namen „Villa Hohenlimburg“ in dem Hagener Vorort umgesetzt, wo Martin Leib mittlerweile drei solcher Senioren-WGs betreibt. Der Schwerter, eigentlich studierter Elektro-Techniker, hatte zuvor als Vertriebsdirektor und Prokurist in mehreren Firmen gelernt, ein Unternehmen zu entwickeln und zu leiten. Seine Frau Barbara Leib kommt aus der Pflege: „Das ist die ideale Kombination.“

Das Objekt in Westhofen überzeugte mit seinem großen Garten

Nach langer Suche haben die beiden endlich auch in ihrer Heimatstadt ein ideales Objekt gefunden. Weil die Besitzerin gestorben war, konnten sie das 1930 gebaute Wohnhaus an der Eickhofstraße 26 übernehmen. Überzeugt hatte es mit seinem großen Garten an der Südseite, zu dem man aus allen acht Zimmern (eines davon ist für ein Ehepaar gedacht) hinausblicken kann. Die grüne Oase mit Teich und Pavillon kann natürlich bei entsprechendem Wetter auch ausgiebig genutzt werden.

Die offizielle Zufahrt zur „Villa Schwerte
Die offizielle Zufahrt zur „Villa Schwerte” an der Eickhofstraße zweigt gegenüber vom Ehrenmal von der Reichshofstraße ab. Bis zur Eröffnung der Senioren-WG soll aber auch eine direkte Zuwegung von der Eickhofstraße aus geschaffen werden. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Mittlerweile ist das Dach neu gedeckt, die Fassade leuchtet – wie bei allen Leib-Senioren-WGs – in Champagnergelb. Innen ist alles barrierefrei umgebaut, für den Weg in die obere Etage wird noch ein Treppenlift montiert. Laminatböden, helle Tapeten und Gardinen komplettieren die im Schnitt rund 20 Quadratmeter großen Zimmer. Eigentlich brauchen die Bewohner nur noch ihre Lieblingsmöbel aufzustellen und Bilder aufzuhängen. „Sie sollen ein eigenes Wohnzimmer haben“, nennt es Martin Leib. Wenn es irgendwann mal nötig werden sollte, wäre aber auch Platz für ein Pflegebett.

Die Pflegedienstleitung übernimmt Sohn Marcel Morawietz

Um die Vorteile einer Senioren-WG genießen zu können, sollten die Bewohner beim Einzug – so Martin Leib – grundsätzlich „auf eigenen Füßen stehen und einigermaßen fit im Kopf“ sein. Noch seien in der Villa Schwerte, die Mitte bis Ende März unter der Leitung seines Sohnes Marcel Morawietz eröffnet werden soll, noch Plätze für sieben Interessenten frei. Um die Belegung macht sich der WG-Gründer keine Sorgen: „Wir haben so viele Anfragen, da könnten wir noch mehr Häuser bauen, und die wären sofort voll.“ Aber die Villa Schwerte solle das letzte neue Objekt bleiben. „Wir wollen die Nähe zu den Bewohnern behalten“, erklärt er: „Der Mensch steht im Vordergrund.“

Kosten und Kontakt
  • Bei den Kosten in der Villa Schwerte kalkuliert Martin Leib mit einem Eigenanteil von rund 1900 Euro je Bewohner.
  • Die Kosten sind seinen Angaben zufolge unabhängig vom jeweiligen individuellen Pflegegrad. Das heißt, sie bleiben immer gleich und verändern sich nicht, wenn der Pflegegrad und damit der Pflegeaufwand steigt.
  • Enthalten sind in dem Betrag laut Martin Leib die Miete mit allen Nebenkosten, Verpflegung, Betreuung und Pflege.
  • Interessenten erreichen den Senioren-WG-Gründer unter Tel. 0172/2558179.

  • Die Villa Schwerte an der Eickhofstraße 26 ist derzeit nur über einen schmalen Zuweg von der Reichshofstraße (schräg gegenüber vom Ehrenmal) zu erreichen. Eine direkte Zufahrt von der Reichshofstraße wird gerade angelegt.
Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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