Fenster und Türen sind verbrettert oder eingeschlagen: Zum Horrorhaus verwahrlost das leerstehende Gebäude an der Ostberger Straße unterhalb des Verkehrskreisels der K20. Auch die Garagen sind aufgebrochen und durchwühlt. © Reinhard Schmitz
Wohnen in Schwerte

Haus auf der Schwerterheide verwahrlost – doch es gibt einen Interessenten

Die „Bronx von Schwerte“ am Senningsweg ist abgerissen. Doch an anderer Stelle, auf der Heide neben der A1, verfällt ein anderes Haus. Es gibt jemanden, der es kaufen möchte.

Fenster und Türen im Erdgeschoss sind mit Holzplatten vernagelt. Doch das schützt das einsame Haus an der Ostberger Straße nicht. Vandalen haben sich Zugang verschafft, Teile des kunstvoll gedrechselten Treppengeländers fliegen schon im Freien herum. Überall sieht es verwahrlost aus. Auch die Tore der zugehörigen Reihengaragen sind aufgebrochen, das Innere durchwühlt. An einer Stelle scheint sogar schon gezündelt worden zu sein.

In dem Haus wohnten einmal „sehr zufriedene Menschen“

Noch vor wenigen Jahren muss man gut gewohnt haben in dem gelben Gebäude, das etwas versteckt unterhalb des Kreisverkehrs mit der K20/Am Eckey liegt – eingekeilt von der Autobahn A1 und dem Gewerbegebiet Binnerheide. „Es war vermietet an sehr zufriedene Menschen“, erinnert sich der Unternehmer Karl-Willi Demgen, der gleich nebenan seine Werkzeugbau-Firma aufgebaut hat.

Der damalige Eigentümer habe in Süddeutschland und in der Schweiz gewohnt und nie die Miete erhöht für die drei oder vier Parteien, die dort wohnten: „Jeder hatte einen Garten hinter dem Haus.“

Die verbretterte Tür ist bereits aufgebrochen worden, davor liegt jede Menge Gerümpel.
Die verbretterte Tür ist bereits aufgebrochen worden, davor liegt jede Menge Gerümpel. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Manchmal, wenn der Eigentümer nach Schwerte kam und etwas reparieren wollte, lieh er sich bei Werkzeugbau Demgen auch schon mal ein Werkzeug aus. Irgendwann erhielt das Haus auch mal eine frische Fassadenfarbe. Auf dem Dach stehen Antennenschüsseln für Satellitenempfang. Aber dann zogen die Mieter aus. Der letzte vor ein oder zwei Jahren, wie Karl-Willi Demgen weiß. Ihm selbst sei das Objekt mehrfach angeboten worden, aber er hatte kein Interesse, da er es in dieser Größe für seinen Betrieb nicht gebrauchen konnte.

Kreis Unna bestätigt Gespräche mit dem Hauseigentümer

Anders ist das wohl beim Kreis Unna, der eine Machbarkeitsstudie zur Verlängerung der K20 in Richtung Geisecke in Auftrag gegeben hatte. Die Trasse würde genau an der Stelle vom Kreisel abzweigen, wo jetzt noch das Haus steht. „Wir sind in positivem Kontakt mit dem Eigentümer“, erklärt Kreis-Pressesprecher Volker Meier auf Anfrage.

Gekauft sei das Gebäude, das leer stehe, aber noch nicht. Gerüchten zufolge, die auf Schwerterheide kursieren, soll es mittlerweile einem rührigen Schwerter Investor gehören.

Die Garagen stehen sperrangelweit offen und sind total durchwühlt.
Die Garagen stehen sperrangelweit offen und sind total durchwühlt. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Bereits vor zehn Jahren muss der Kreis versucht haben, seine Angel nach dem Wohnhaus auf der Straßentrasse auszuwerfen. Da sei man an den damaligen Eigentümer herangetreten, erinnert sich der langjährige SPD-Kreistagsabgeordnete Bernd Engelhard: „Aber er wollte nicht verkaufen.“

Ziel der Politiker war es, dort zunächst einmal einen direkten Durchstich vom Kreisel zu dem benachbarten Gelände der Snackfabrik Ültje anzulegen. Die würden 80 bis 90 Prozent aller Lkw ansteuern, die zum Gewerbegebiet Binnerheide fahren. Bislang müssen sie immer noch einen Umweg über die Ostberger Straße und eine enge Einbiegung nehmen. Um die zumindest zu entschärfen, wurde dort vor einigen Jahren eine Mittelinsel samt Laterne entfernt.

Das leerstehende Gebäude war einmal ein beliebtes Wohnhaus.
Das leerstehende Gebäude war einmal ein beliebtes Wohnhaus. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Doch die neue Zufahrt zu Ültje sollte nur ein erster Schritt zu einer größeren Lösung der Verkehrsprobleme in Schwerte sein. Auf Initiative der damaligen SPD-Kreistagsabgeordneten wurde eine Machbarkeitsstudie für die Weiterführung dieses Stichs in Richtung Geisecke in Auftrag gegeben.

In der letzten Kreistagssitzung vor den Kommunalwahlen 2020 wurden drei Varianten für die Trassenführung vorgestellt. SPD und CDU sprachen sich für diejenige aus, die das Gehrenbachtal mit einer Brücke überqueren und dann nach einer Verschwenkung gegenüber vom Mazda-Autohaus in die Schützenstraße einmünden soll.

Die Grünen indes wollten den Verkehr weiter über die Ostberger Straße und Schützenstraße durch Wohngebiete rollen lassen. Die dritte Alternative – parallel zur Autobahn bis zur Sölder Straße – schied aus.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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