Platz für neue Wohnhäuser: Im Bereich der Kreuzwegstraße und des Hagenkamps wird schon das Baufeld für die ersten Wohnhäuser vorbereitet. Der Rat hat am Mittwoch den Bebauungsplan für diesen Teilbereich verabschiedet. © Markus Gehring
Bahnallee

Zu viele Wohnungen in Stadtlohn? FDP-Vorstoß löst Empörung aus

Weniger Wohnungen auf dem alten Spahngelände? Stattdessen mehr Raum für Kleingewerbe? Dieser Vorschlag der FDP stieß bei den anderen Parteien auf ein klares Nein. Die SPD fand scharfe Worte.

Auf massiven Widerstand der anderen Fraktionen ist ein Antrag der FDP gestoßen, auf dem ehemaligen Spahngelände an der Bahnallee weniger Wohnungen als geplant zu errichten. Stattdessen sollte nach den Vorstellungen der FDP „eine größere Fläche für wohnverträgliches Gewerbe, Handwerk und/oder Verwaltungsgebäude“ bereitgestellt werden.

Im Bereich des ehemaligen Spahn-Parkplatzes entstehen in nächster Zeit drei Mehrfamilienhäuser und vier Einfamilienhäuser. Über 150 weitere Wohnungen auf dem Spahn-Areal sollen nach und nach folgen.
Im Bereich des ehemaligen Spahn-Parkplatzes entstehen in nächster Zeit drei Mehrfamilienhäuser und vier Einfamilienhäuser. Über 150 weitere Wohnungen auf dem Spahn-Areal sollen nach und nach folgen. © Markus Gehring © Markus Gehring

Carsten Hamann (FDP) begründete den FDP-Vorstoß am Dienstagabend im Stadtentwicklungsausschuss. „Wir hatten in den letzten Jahren in Stadtlohn eine gute Entwicklung im Wohnungsbau. Es sind über 100 Wohnungen im Jahr errichtet worden. Wir brauchen keinen Wohnungsbau über den Bedarf.“ Darum sollten auf dem Spahnareal nur Einfamilienhäuser und Kleingewerbe zugelassen werden, aber kein verdichteter Wohnungsbau. Hamann: „Auf den Wartelisten der Stadt stehen 250 Familien und 80 Gewerbebetriebe.“

„Populismus ohne Sinn und Verstand“

Otger Harks reagierte heftig: „Einen Wohnungsüberschuss kann ich nicht sehen, im Gegenteil. Wir haben mit Zustimmung der FDP die Gewerbefläche in Wohnbauland umgewandelt. Man hält uns doch für verrückt, wenn wir dort jetzt wieder Gewerbe ansiedeln wollen. Es wäre eine Schande, das zu tun. Das lehnen wir komplett ab.“

Mit den zweieinhalb Hektar des Spahngeländes lasse sich der Mangel an Gewerbeflächen ohnehin nicht beheben. An anderer Stelle seien ja neue Gewerbeflächen in Arbeit. Das innenstadtnahe Areal an der Bahnallee sei aber ideal für den Wohnungsbau. Der FDP warf Harks „Populismus ohne Sinn und Verstand“ vor.

„Meilenweit von ausgeglichenem Wohnungsmarkt entfernt“

„Mein Fazit ist das gleiche“, erklärte Helmut Stowermann (CDU) in moderaterem Ton. Die FDP berufe sich bei ihren Berechnungen auf veraltete Daten aus dem Jahr 2017. „Ich habe mit Maklern gesprochen und auf Immobilien-Vermittlungen im Internet nachgeschaut. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage liegt bei 1:10. Wir sind meilenweit von einem ausgeglichenen Wohnungsmarkt entfernt.“ Stowermann sprach sich dafür aus, das Areal wie geplant tranchenweise weiterzuentwickeln.

Christian Nienhuis (Grüne) unterstrich dies: „Neue Wohnungen werden dringend gebraucht, große und kleine Wohnungen.“ Günter Hovestadt (UWG) konnte ebenfalls keinen Wohnungsüberschuss erkennen. „Wir wollen uns aber nicht völlig dem FDP-Vorschlag verschließen. Es gibt Beratungsbedarf.“ Matthias Tenhumberg (SPD) erinnerte daran, dass in dem geplanten „Allgemeinen Wohngebiet“ ohnehin Praxen, Büros und nichtstörendes Handwerk möglich seien.

Erschließungskonzept mit großer Mehrheit beschlossen

Mit großer Mehrheit beschloss der Stadtentwicklungsausschuss auch das Erschließungskonzept für das neue Wohngebiet an der Bahnallee. Parallel zur Kreuzstraße sollen die beiden vorhandenen Straßenzüge Hagenkamp und Kreuzwegstraße, die bislang in einer Sackgasse münden, bis zur Bahnallee weitergeführt werden. Nur die FDP stimmte dagegen.

Dieses Erschließungskonzept für das neue Wohnbaugebiet an der Bahnallee hat der Stadtentwicklungsausschuss am Dienstag mit großer Mehrheit gebilligt.
Dieses Erschließungskonzept für das neue Wohnbaugebiet an der Bahnallee hat der Stadtentwicklungsausschuss am Dienstag mit großer Mehrheit gebilligt. © Grothues, Stefan © Grothues, Stefan

Matthias Tenhumberg (SPD) lobte: „Da ist viel Intelligenz und Sachverstand reingeflossen. Die Bauverwaltung hat einen tollen Job gemacht.“ Damit stärkte er dem Fachbereich Planen und Bauen demonstrativ den Rücken. Die FDP hatte zu Wochenbeginn der Verwaltung vorgeworfen, mit Schotterstraßen voreilig Fakten geschaffen zu haben und die Bürger nicht ausreichend zu beteiligen.

Die Baustraßen aus dem Recyclingschotter der Spahn-Fabrikhallen hatten am Wochenende die FDP irritiert. Die Baustraßen mit Anbindung an die Bahnallee halten den Baustellenverkehr von der Kreuzwegstraße fern.
Die Baustraßen aus dem Recyclingschotter der Spahn-Fabrikhallen hatten am Wochenende die FDP irritiert. Die Baustraßen mit Anbindung an die Bahnallee halten den Baustellenverkehr von der Kreuzwegstraße fern. © Markus Gehring © Markus Gehring

„Das Primat der Entscheidung liegt bei der Politik. Wir müssen doch erst eine Gesprächsbasis ermitteln“, so Matthias Tenhumberg. Das sah auch Helmut Stowermann so: „Wir müssen den Bürgern etwas zeigen und dann gucken, was die Bürger dazu sagen. Die Vorgehensweise der Verwaltung war genau richtig.“

Falschen Alarmismus in den sozialen Medien warf Otger Harks den Liberalen vor. „Sie hätten ja wissen können, warum die Schotterstraßen angelegt wurden. Das stand in den Vorlagen, denen Sie im August selbst zugestimmt haben.“ Die Zuwegungen seien angelegt worden, damit der Baustellenverkehr zu den ersten Baustellen im Bereich Kreuzwegstraße/Hagenkamp über die Bahnallee erfolgen könne.

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Stefan Grothues

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