Zu viele Kunststoffe: Auch die Stadtlohner müssen ihren Bioabfall besser sortieren

dzProblem am Kompostwerk

Der Bioabfall im ganzen Kreis enthält zu viele Stoffe, die nicht in die Biotonne gehören. Auch die Stadtlohner sollen den Müll besser als bisher sortieren. Sonst kann es teuer werden.

Stadtlohn

, 09.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Plastik gehört nicht in die Biotonne. Und trotzdem landen im Kompostwerk zu viele Kunststoffe. Auf dieses Problem weist eine Ausstellung im Stadtlohner Rathaus hin.

? Wo liegt überhaupt das Problem?

Der Anteil der Stoffe, die sich im Kompostwerk nicht zersetzen, ist zu hoch. Die Sortierung ist aufwendig und teuer. Gleichzeitig senken die Fremdstoffe die Qualität des Komposts. Ein Beispiel: Einwohner sammeln ihren Biomüll in der Küche erst in Plastiktüten und werfen die dann komplett in die Biomülltonne. Das Plastik zersetzt sich im Kompostwerk nicht und muss aufwendig aussortiert werden.

? Aber es gibt doch kompostierbare Plastiktüten für Biomüll. Helfen die nicht?

Nein. Wie Simone Werk von der Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland (EGW) erklärt, haben auch die kompostierbaren Tüten einen großen Kunststoffanteil. Außerdem beziehe sich die Kompostierbarkeit nur auf eine EU-Norm und einen Laborversuch: „In der Realität zersetzen sich diese Tüten nicht schnell genug“, sagt sie. Im Kompostwerk werden sie deswegen dennoch als Störstoffe aussortiert. Und selbst wenn sich die Beutel zersetzen würden, hätte die EGW damit noch ein Problem: „Durch die Zersetzung entsteht Mikroplastik“, sagt Simone Werk. Das würde dann im Kompost ebenfalls stören und die Umwelt schädigen.

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? Was passiert denn überhaupt mit dem Biomüll aus dem Kompostwerk?

Aus dem Bioabfall ensteht hochwertiger Kompost, der auch verschiedene Vorgaben und Gütezeichen erfüllt. Nach dem neuen Düngemittelrecht muss der Anteil der Störstoffe noch weiter verringert werden. Anteile, die nicht verrotten, müssen aussortiert und schließlich verbrannt werden. Je höher der Anteil dieser Fremdstoffe ist, desto aufwendiger ist die Kompostierung. Das wiederum schlägt sich auf die Kosten für die Entsorgung nieder.

? Welche Beutel sind unbedenklich?

Losgelöst von Din-Normen hat die EGW-Pressesprecherin einen einfachen Tipp:„Alles was ich einfach mit den Händen zerreißen kann, ist unbedenklich“, sagt Simone Werk. Beutel, die sich erst dehnen, enthielten immer eine Art von Kunststoff. Die EGW bietet dazu auch Bioabfall-Beutel aus Papier an. Die kosten 2,50 Euro für 50 Stück und sind an den Wertstoffhöfen erhältlich. Alle Stadtlohner können sich auch kostenlos zehn Beutel am Rathaus abholen, um die Tüten zu testen. „Wir wollen damit nicht in Konkurrenz zum Einzelhandel treten, sondern einfach eine günstige Lösung anbieten“, erklärt Simone Werk.

? Was gehört in den Biomüll?

Küchenabfälle wie Speisereste (roh oder gekocht), Kaffeefilter, Topf- oder Schnittblumen und Gartenabfälle wie Rasen-, Baum-, Strauch- oder Heckenschnitt, Fallobst, Blumen- und Pflanzenreste.

? Was hat in den Biotonnen nichts verloren?

Plastikbeutel, Verpackungen oder verpackte Lebensmittel, Bioplastikprodukte, Windeln oder Hygieneartikel, Katzenstreu, Knochen, Pappe oder Pizzakartons, Flüssigkeiten.

Zu viele Kunststoffe: Auch die Stadtlohner müssen ihren Bioabfall besser sortieren

Klaus Gevers, Steueramt Stadtlohn, Abfallberater Dr. Uwe Spieckermann, Simone Werk und Bürgermeister Helmut Könning (v.l.) hoffen, dass durch die Ausstellung viele Stadtlohner dazu angeregt werden, ihren Müll genauer zu sortieren. © Stephan Teine


? Was ist mit Kaffeekapseln oder -pads?

Die stellen die EGW seit einigen Jahren vor ernste Probleme, weil sie sich immer weiter verbreiten. Im Gegensatz zu üblichen Kaffeefiltern sind sie aber kein Bioabfall. Problem: In vielen Modellen werden Kunststoffe oder auch Metalle verarbeitet, die sich im Kompostwerk nicht zersetzen.

? Gibt es einen einfachen Weg, die einen von den anderen zu unterscheiden?

„Alles was man mit den Händen einfach zerreißen kann, ohne auf einen Widerstand zu stoßen, zersetzt sich auch im Kompostwerk“, erklärt Simone Werk. Solche einfachen Kaffeepads sind in der Regel aus Zellstoff. Alle anderen Kaffeepads oder -kapseln gehören demnach in den Restmüll.

? Und Grünschnitt aus dem Garten?

Auch der gehört in den Bioabfall und wird im Kompostwerk sogar benötigt. Der reine Haushaltsbioabfall enthält nicht genügend feste Stoffe, die aber für die Kompostierung benötigt werden. Grünschnitt wird im Kompostwerk weiter zerkleinert und unterstützt die Verarbeitung zu Kompost.

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? Wenn im Kompostwerk doch sowieso sortiert wird, wo liegt das Problem mit Fremdstoffen?
Je geringer der Anteil von Fremdstoffen im Bioabfall ist, desto schneller und günstiger ist die Kompostierung möglich. „Jeder aussortierte Fremdstoff schlägt sich am Ende auf die Abfallgebühren nieder“, erklärt Simone Werk. Je genauer die Einwohner ihren Müll vorsortieren, desto stabiler könne die Abfallgebühr gehalten werden.

? Gibt es Daten, wie gut der Biomüll aktuell in Stadtlohn sortiert ist?

Noch nicht. Die EGW arbeitet aber gerade daran, Daten für die einzelnen Gemeinden zu erheben. Das soll in den nächsten zwei Jahren passieren.

? Werden die Tonnen demnächst kontrolliert?

Auch das könnte demnächst auf die Einwohner zukommen. Wenn der Anteil der Störstoffe im Bioabfall nicht abnimmt, würde die EGW dann Kontrolleure auf den Weg schicken, die auf den Inhalt der Tonnen vor der Abfuhr achten. „Im Moment sind wir aber noch nicht soweit“, erklärt Simone Werk. Aktuell versucht die EGW mit Aufklärungsarbeit und Informationen, die Menschen dazu zu bewegen, ihren Müll besser zu sortieren.

? Wer beantwortet Fragen rund um das Thema Müll?

Alle Fragen rund um die Abfallentsorgung beantwortet die EGW online oder auch telefonisch, Tel. (02542) 9290. Im Stadtlohner Rathaus beantwortet Abfallberater Dr. Uwe Spickermann alle Fragen der Stadtlohner. Den aktuellen Abfallkalender der Stadt Stadtlohn gibt es auf der Internetseite der Stadt.

? Warum gibt es jetzt eine Ausstellung zu dem Thema?

Die Wanderausstellung rund um den Bioabfall hat die EGW organisiert, um zunächst in den Rathäusern der angeschlossenen Kommunen auf das Thema aufmerksam zu machen. Sie ist nun für zwei Wochen im ersten Obergeschoss des Stadtlohner Rathauses zu sehen.

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