Wird die Bahnallee in Stadtlohn zur Fußgänger- und Fahrradallee?

dzStadtplanung

Stadtvillen, grüne Innenhöfe, ein Wasserspielplatz und eine Bahnallee weitgehend ohne Autoverkehr – der Entwurf des Rahmenplans für das neue Wohnquartier sorgte für Überraschungen.

Stadtlohn

, 04.05.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schöne neue Wohnwelt an der Bahnallee: Dort, wo jetzt noch die Industriebrachen Spahn und Lichtgitter das Bild bestimmen, sollen neue grüne Wohnquartiere entstehen. Planerinnen der landeseigenen Stadtplanungsgesellschaft NRW.Urban haben in der jüngsten Sitzung des Planungs- und Bauausschusses den Entwurf eines städtebaulichen Rahmenplans vorgelegt, der die Leitideen für die künftige Bebauung festlegen soll.

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Es geht um über vier Hektar Fläche, die sich zu weiten Teilen im Eigentum der Stadt Stadtlohn befinden, erklärte Fachbereichsleiter Mathias Pennekamp, bevor die Planerinnen Martina Lüggert und Lisa Schäfer ihre Ideen vorstellten.

Begrünte Innenhöfe, gemeinschaftliche Stellplatzanlagen, dreigeschossige Bebauung entlang der Bahnallee und zweigeschossige Bebauung im Anschluss zur bestehenden Wohnbebauung sehen die Planerinnen in zwei verschiedenen Varianten vor.

Die Variante A des städtebaulichen Rahmenplans für neue Wohnquartiere an der Bahnallee.

Die Variante A des städtebaulichen Rahmenplans für neue Wohnquartiere an der Bahnallee. © NRW.Urban

In der Variante A sind 33 Einfamilienhäuser und 18 bis 29 Mehrfamilienhäuser mit bis zu 300 Wohneinheiten vorgesehen.

Die Variante B des städtebaulichen Rahmenplans für neue Wohnquartiere an der Bahnallee.

Die Variante B des städtebaulichen Rahmenplans für neue Wohnquartiere an der Bahnallee. © NRW.Urban

In der noch weiter verdichteten Variante B sind nur 17 Einfamilienhäuser, dafür aber 29 Mehrfamilienhäuser sowie zusätzlich neun Stadtvillen mit 40 Wohneinheiten geplant. In der Variante B könnten insgesamt rund 350 Wohneinheiten geschaffen werden.

Hochwertige Achse Bahnallee soll autofrei bleiben

Beiden Varianten sei eine „hochwertige Achse“ entlang der Bahnallee gemein. Die Bahnallee selbst soll zwischen den Einmündungen Kreuzstraße und Koppelingstiege nur noch für den Radfahrer und Fußgänger geöffnet sein, nicht aber für Autofahrer. Die neuen Wohnbaugrundstücke werden über die Klosterstraße, Kreuzwegstraße, Kreuzstraße und Koppelingstiege erschlossen.

Diese Idee sorgte bei den Politikern für genauso viel Überraschung wie auch der Vorschlag, über eine offene Entwässerung nachzudenken und einen Wasserspielplatz an der Bahnallee in Waldnähe zu bauen. Das Echo auf die „zeitgemäße radfahrerfreundliche Planung“ (Pennekamp) war aber nicht nur positiv.

„Interessanter Blick von außen“

Cäcilia Völker (CDU) sprach von einem „interessanten Blick von außen“ und von „guten Lösungsvorschlägen, die wir jetzt noch genauer untersuchen müssen“.

Otger Harks (SPD) hob hervor, dass der geplante Geschosswohnungsbau in Stadtlohn dringend benötigt werde. Er lobte das Konzept der Innenhöfe und sagte: „Den Rückbau der Bahnallee für Fahrradfahrer und Fußgänger kann ich mir sehr gut vorstellen.“

Bedenken zur Verkehrsverlagerung

Heinrich Ellers (CDU) dagegen hatte in diesem Punkt Bedenken: „Die Bahnallee wird von den Autofahrern gut angenommen. Wird sie für den Autoverkehr gesperrt, werden wir die Klosterstraße und die Kreuzstraße mit mehr Verkehr belasten. Das kann ich mir nicht so gut vorstellen.“

Erwin Plate (UWG) sah in den Überlegungen einen „guten Mix und einen guten Übergang vom Gewerbe zum Wohnen.“

Dr. Albert Daniels (FDP) lobte die Pläne als „erste Inspiration“. Daniels: „Es ist aber noch unklar, ob das alles schlüssig ist. Das ist ja eigentlich ein Riesending. Ich frage mich, ob der Bedarf für die vielen Wohnungen überhaupt da ist.“

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Dafür sprächen die Ergebnisse der Pestel-Studie, die im letzten Jahr auch im Stadtlohner Rat vorgestellt wurde, so Planerin Lisa Schäfer. Otger Harks sah das genauso: „Wir haben laut Pestel-Studie in den vergangenen Jahren Einwohner an die Nachbargemeinden verloren, weil es hier an Wohnungen mangelt. Wir brauchen dringend kleine Wohnungen für junge Leute und barrierefreie Wohnungen für Senioren.“

Die Vorstellung der Entwürfe im Bauausschuss war nur ein erster Aufschlag. Jetzt wollen sich die Politiker in den Fraktionen intensiv mit den vorgeschlagenen Planungen auseinandersetzen. Neben der Verabschiedung des Rahmenplans gibt es noch eine ganze Reihe von weiteren Verfahrensfragen.

Pennekamp: Investorenwettbewerbe sind wünschenswert

Nach Angaben von Fachbereichsleiter Mathias Pennekamp hat bereits ein Gespräch mit der Bezirksregierung Münster über die weiteren planungsrechtlich notwendigen Schritte stattgefunden. Ein erstes Verfahren zur Umwandlung der Fläche kann voraussichtlich in diesem Jahr abgeschlossen werden. Im Anschluss können im Rahmen der Bauleitplanung der Flächennutzungsplan geändert

und Bebauungspläne aufgestellt werden.

Pennekamp: „Um eine möglichst qualitätsvolle Umsetzung der städtebaulichen Ideen und Zielvorstellungen des Rahmenplans zu erreichen, ist es wünschenswert, für einzelne Teilbereiche Investorenwettbewerbe durchzuführen.“

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