Wegen Corona: Stadtlohns Citymanager befürchtet weitere Schließungen

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Giampietro Salerno ist Stadtlohns Citymanager. Eigentlich ist das Leerstands-Management sein Hauptaufgabenfeld. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich sein Aufgabenfeld aber verschoben.

Stadtlohn

, 16.04.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mai 2019: Stadtlohns Citymanager Giampietro Salerno sitzt mit Denise Schwinning im „Back König“ an der Eschstraße. Gemeinsam ziehen sie acht Wochen nach der Neueröffnung ein erstes, durchweg positives Fazit. Ein Jahr später muss die SB-Bäckerei wieder schließen. Grund ist die Corona-Krise. Im Gespräch mit der Redaktion erzählt Salerno, was seine Befürchtungen sind und worin er eine Chance sieht.

Herr Salerno, dass die Corona-Krise die Wirtschaft auch in Stadtlohn hart trifft, war von Anfang an klar. Wie haben Sie auf die Mitteilung, dass nun mit dem Back König der erste Betrieb schließen muss, reagiert?

Es ist natürlich eine traurige Nachricht, die ich auch persönlich sehr bedauere. Aber es ist uns ja schon seit Wochen bewusst, dass die Corona-Maßnahmen und die daraus resultierenden Einschränkungen für den Handel extreme Folgen haben. Fehlende Einnahmen können in manchen Fällen innerhalb kürzester Zeit für Engpässe bei der Liquidität sorgen. Gerade, wenn wie im Fall des Back Königs, noch keine großen Reserven aufgebaut werden konnten. Dass es da zu Existenzsorgen kommt, ist klar.

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Glauben Sie, dass der Back König nur der Anfang ist?

Die Befürchtung ist ehrlich gesagt da, dass uns links und rechts der ein oder andere Betrieb wegbricht. Gerade im Bereich der Gastronomie, Hotellerie und Reisebranche sind die Umsatzeinbußen enorm. Natürlich habe ich aber die große Hoffnung, dass die Unternehmen die Krise überstehen. Wir müssen nun alles dafür tun, dass der Schaden so gering wie möglich ausfällt.

Wie sieht das Krisenmanagement der Stadt konkret aus?

Die Verwaltungsspitze, das Stadtmarketing und ich stehen in engem Austausch. Wir beraten, welche Möglichkeiten der Hilfe wir anbieten können.

Welche Art von Hilfe könnte das sein?

Finanzielle Hilfe ist schwierig, denn die Corona-Krise trifft auch die Stadt Stadtlohn hart. Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer werden wesentlich geringer ausfallen. Aber es gibt ja viele Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung: Zum Beispiel Soforthilfen oder KFW-Kredite. Wie bieten an, beratend zur Seite zu stehen. Wer Hilfe braucht, kann sich an uns wenden.

Erst ein Jahr ist es her, dass Giampietro Salerno Denise Schwinning zur Neueröffnung des Back Königs gratulierte. Wegen der Corona-Krise musste der Betrieb nun schon wieder schließen.

Erst ein Jahr ist es her, dass Giampietro Salerno Denise Schwinning zur Neueröffnung des Back Königs gratulierte. Wegen der Corona-Krise musste der Betrieb nun schon wieder schließen. © Stefan Grothues

Gehen Sie auch aktiv auf Unternehmen zu?

Wir können nicht jeden anrufen und fragen: Hast du Hilfe nötig? Aber wo wir wissen, dass es zu einer Schieflage kommen könnte oder schon gekommen ist, suchen wir auch von uns aus die Initiative.

Wie hat sich ihre Rolle als Citymanager in der Krise verändert?

Die Ziele haben sich innerhalb kürzester Zeit komplett geändert. Das Leerstands-Management, das vorher zu meinem Hauptaufgabenfeld gehörte, ist komplett an die Seite gerückt. Jetzt geht es aktuell eher darum, den Bestand von kleinen und großen Betrieben zu schützen.

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Was ist aus Ihrer Sicht die größte Schwierigkeit?

Keiner von uns hat Erfahrungen mit einer vergleichbaren Situation. Niemand kann aktuell sagen: Damals haben wir Folgendes getan, deshalb lasst es uns diesmal genauso machen. Jede Stunde kann es zu einer neuen Herausforderung kommen. Und wie es nun in den nächsten Wochen und Monaten weitergeht, kann keiner vorhersagen. Es braucht derzeit mehr denn je große Flexibilität.

Sehen Sie auch eine Chance in der Corona-Krise?

Absolut. Man sieht ja, dass an vielen Stellen tolle Ideen entwickelt werden, um auf kreative Weise den Betrieb am Laufen zu halten. Diese Impulse machen auch anderen Unternehmen Mut. Genau solche Dinge braucht es, um eine Krise zu überstehen.

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