Hund, Fahrrad und ein Unfall: Offene Fragen zu Vorfall in Unterführung

dzGerichtsprozess

Die Unterführung des Gescher Dyk in Stadtlohn war am 1. Juni Schauplatz eines Unfalls zwischen einer Radlerin und einer Hundehalterin. Beide Frauen erlitten Verletzungen. Doch wer war schuld?

Stadtlohn

, 23.09.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nein, sie habe nichts falsch gemacht und ihren deutschen Boxer in der Unterführung des Gescher Dyk an der kurzen Leine gehabt. Dann sei ihr unvermittelt eine Radfahrerin in den Rücken gefahren. So die Schilderungen einer Stadtlohner Rentnerin. Ein gerufener Krankenwagen und Mittelhandbruch waren die Folgen des Unfalls. Zumindest das war vor dem Amtsgericht Ahaus unstrittig.

Ansonsten blieb vieles vage und widersprüchlich mit Blick auf den 1. Juni um kurz vor 20 Uhr in der Unterführung des Gescher Dyk. Die geschädigte Stadtlohnerin war nach eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt mit einer Bekannten, ebenfalls mit Hund, gerade dabei, die Unterführung zu durchqueren. „Ich habe dabei meinen Hund immer rechts von mir an der kurzen Leine“, sagte die Frau aus.

Widersprüchliche Aussagen in Sachen Platz

Das sah die wegen fahrlässiger Körperverletzung Angeklagte (56), ebenfalls aus Stadtlohn, ganz anders. Sie schilderte, dass die Rentnerin im Gegensatz zu anderen Frau mit Hund trotz Klingelns nicht wirklich viel Platz gemacht habe. „Da war mal eine kleine Lücke zwischen Wand und Hund. Da wollte ich dann durchfahren“, erklärte sie dem Richter.

Doch das ging schief. Es kam zum Zusammenstoß. Beide Frauen stützten und verletzten sich dabei unterschiedlich schwer. Das alles war unstrittig. Nicht aber, wer denn nun schuld an dem Unfall war. „Hätten Sie denn nicht bremsen oder absteigen können?“, wollte der Richter von der Angeklagten wissen. „Das habe ich versucht, es ging aber nicht mehr“, entgegnete diese.

Beide Beteiligten erlitten beim Unfall Verletzungen

Eine Aussage, die dem Richter wenig glaubhaft vorkam. „Waren Sie denn da so schnell unterwegs?“, hakte er nach. „Ich weiß es nicht mehr genau. Es ging alles so schnell.“ Eine für den Richter wenig hilfreiche Antwort. Doch auch die Geschädigte konnte letztlich wenig zur Aufklärung des Unfallgeschehens beitragen. „Ich habe nicht gesehen, was hinter mir genau passiert ist. Ich habe nur diesen Stoß im Rücken verspürt und bin gestürzt.“

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Angesichts der Tatsache, dass beide Unfallbeteiligten (leichte) Verletzungen erlitten hatten und die Schuldfrage kaum zu klären war, schlug der Richter angesichts dieser Umstände vor, das Verfahren ohne Auslagenerstattung einzustellen. Dem stimmten Staatsanwältin und Verteidiger letztlich zu.

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Zwei weitere geladene Zeugen mussten somit nicht mehr angehört werden. Sowohl die Angeklagte als auch die Geschädigte nahmen den Ausgang des Verfahrens ohne äußerliche Regung zur Kenntnis.

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