Dr. Carsten Düerkop, seit April 2020 Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Westmünsterland, zog am Freitag in einer Videopressekonferenz ein positives Fazit zum abgelaufenen Geschäftsjahr. © Thomas Borgert
Jahresbilanz

VR-Bank Westmünsterland fürchtet keine Pleitewelle im zweiten Coronajahr

Die Corona-Pandemie hat den Geschäftserfolg der VR-Bank Westmünsterland kaum geschmälert. Die Banker loben die robuste Wirtschaft im Westmünsterland. Eine Pleitewelle fürchten sie 2021 nicht.

„Ganz ehrlich: Dieses Ergebnis hätte ich mir zu Beginn der Pandemie nicht vorstellen können.“ Dr. Carsten Düerkop, seit April 2020 Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Westmünsterland, hat am Freitag die Geschäftszahlen des abgelaufenen Jahres vorgestellt. „Wir sind mit dem Ergebnis gut zufrieden“ lautete sein Gesamturteil.

In einer Videopressekonferenz sprachen Düerkop und seine Vorstandskollegen Matthias Entrup und Berthold te Vrügt auch über die Wirtschaftsaussichten der Region im zweiten Coronajahr, über Ideen zum Klimaschutz und über die Zukunft des Bargelds.

Die wichtigsten Zahlen:

  • Die Bilanzsumme der VR-Bank Westmünsterland hat 2020 erstmals die Drei-Milliarden-Euro-Marke übersprungen, ein Plus von fast 9 Prozent.
  • Das Kundengeschäftsvolumen, also die Summe aller Anlagen und Kredite der Kunden, stieg um 400 Millionen Euro auf 6 Milliarden Euro.
  • Die Mitgliederzahl steigt um fast 1300 Neumitglieder auf über 48.000.

Robuste Unternehmen: Corona bringt die Wirtschaft in Münsterland nach Einschätzung der Banker nicht ins Wanken. „Ich mache mir keine großen Sorgen“, sagte Matthias Entrup. „Die Unternehmen sind substanzstark, die Wirtschaft ist sehr vielfältig.“ Für 2021 erwartet Carsten Düerkop eine nachhaltige Erholung: „Mittelfristig wird in unserer Region eher der Fachkräftemangel als die Arbeitslosigkeit ein Problem sein.“

Und die Lockdown-Opfer? Dass Einzelhandel und Gastronomie in besonderem Maße unter den Coronafolgen leiden, spürt auch die VR-Bank. Kredite im niedrigen zweistelligen Millionenbereich mussten gestundet werden. Matthias Entrup: „Für uns ist das aber eher ein kleineres Thema. Die größeren Unternehmen kommen eher gut durch die Krise.“

Die Sparkonten werden dicker: In Coronazeiten steigt die Sparquote, haben die Banker beobachtet. Sie sehen zwei Ursachen: Die eingeschränkten Einkaufsmöglichkeiten und Sicherheitsdenken in Krisenzeiten. Die VR-Bank Westmünsterland verzeichnet Kundenanlagen in Höhe von 3,1 Mrd. Euro. „Unsere Mitglieder und Kunden investierten weiterhin kräftig in Wertpapiere und Fondsanlagen“, sagte Vorstand Berthold te Vrügt.

Sparbuch als Vermögensvernichtungssystem: Für die normalen Kunden seien Negativzinsen auch 2021 kein Thema, sagt Carsten Düerkop. Die VR-Bank sehe Negativzinsen für Neukunden vor, die nur online Geld parken wollen und sonst keine Geschäftsbeziehungen zur Bank pflegten. Düerkop aber mahnt: „Auch ein normales Sparbuch ist bei Niedrigzins und Inflation ein Vermögensvernichtungssystem.“ Berthold te Vrügt rät zu einer guten Mischung von Wertpapieren und Fondsanlagen.

Kreditgeschäft bleibt Wachstumsmotor: Hohe Zuwächse verzeichnete die VR-Bank im Kreditgeschäft. Dank kräftiger Investitionen der Kunden ist das gesamte Kreditvolumen nach Abzug der Tilgungen um 6,7 Prozent auf 2,83 Milliarden Euro angestiegen. Matthias Entrup. „2020 wurden neue Darlehen in Höhe von 725 Millionen Euro zugesagt.“ Die Baufinanzierung nahm um 18 Prozent zu. Carsten Düerkop: „Es gibt nach wie vor einen hohen Bedarf an Wohnraum.“

Bargeld lacht seltener: Geldmünzen und -scheine verlieren seit langem an Bedeutung. Im Coronajahr aber hat die Entwicklung einen Sprung gemacht. Düerkop: „Wir sind heute schon da, wo wir uns eigentlich erst in fünf Jahren gewähnt hätten.“ Ob beim Bäcker oder im Textilgeschäft – der Anteil der Barzahlungen ist auf 60 Prozent gesunken.

Die Bank will CO2-neutral werden: Die VR-Bank will sich gegen den Klimawandel stark machen. Matthias Entrup: „Der Kipp-Punkt ist überschritten. Die Unternehmen haben den Umstellungsprozess längst begonnen.“ Die VR-Bank will gezielt helfen, die Umstellung zu finanzieren.

Berthold te Vrügt, Vorstandsmitglied der VR-Bank Westmünsterland, erläuterte in der Videopressekonferenz die Nachhaltigkeitsbemühungen der VR-Bank Westmünsterland.
Berthold te Vrügt, Vorstandsmitglied der VR-Bank Westmünsterland © Thomas Borgert © Thomas Borgert

Auch die Anlagefonds der Bank sollen nachhaltig werden. „Die VR-Bank Westmünsterland selbst strebt die CO2-Neutralität in fünf Jahren an“, sagt Berthold te Vrügt. Mitarbeiter hätten schon 450 Vorschläge und Ideen gesammelt. Ein erster Erfolg: Ein Drittel des Papierverbrauchs konnte eingespart werden.

Mitarbeiter im „Homebanking“: Rund 370 Mitarbeiter zählt die VR-Bank. Viele von ihnen arbeiten inzwischen coronabedingt im Homeoffice. Carsten Düerkop: „Die Quote liegt bei etwa 50 Prozent der Arbeitsplätze, bei denen das möglich ist. Düerkop: „Wir finden das gut und fördern das. Auf der anderen Seiten wollen wir den persönlichen Service auch aufrechterhalten.“

Filialen bleiben: Die VR-Bank Westmünsterland betreibt zum Stichtag 20 Geschäftsstellen, drei Selbstbedienungsstandorte sowie 47 Geldautomaten. „Daran wollen wir 2021 auch nichts ändern. Wir wollen die engen Beziehungen zu unseren Mitgliedern und Kunden in der Region weiter pflegen“, so Matthias Entrup.

Matthias Entrup, Vorstandsmitglieder der VR-Bank Westmünsterland
Matthias Entrup, Vorstandsmitglieder der VR-Bank Westmünsterland © Thomas Borgert © Thomas Borgert

Eine halbe Million fürs Gemeinwohl: Die VR-Bank Westmünsterland hat auch 2020 zahlreiche regionale Initiativen, Vereine sowie soziale und gemeinnützige Einrichtungen finanziell unterstützt. Insgesamt mehr als eine halbe Millionen Euro hat die VR-Bank im vergangenen Jahr an Fördersummen vergeben. Darüber hinaus hat die Bank vor Weihnachten ein Budget in Höhe von 50 Mal 1000 Euro als „Coronahilfe“ zur Verfügung gestellt.

Noch mehr Zahlen: Die VR-Bank Westmünsterland erreichte im Geschäftsjahr 2020 ein Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit vor Bewertung in Höhe von 18,2 Millionen Euro. Das Zinsergebnis mit über 44 Millionen Euro und der Ergebnisbeitrag aus Provisionen mit 19 Mio. Euro bewegten sich operativ auf Vorjahresniveau. Die Städte und Gemeinden in der Region können sich über Steuerzahlungen in Höhe von rund 4 Millionen Euro freuen. Über die Auszahlung einer Dividende an die Mitglieder entscheidet die Vertreterversammlung im Sommer.

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Stefan Grothues

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