Versuchte Erpressung mit einem Gewichtsstein für Traktoren

dzAmtsgericht

Der 32-jährige Angeklagte sah bis zuletzt nicht ein, dass es sich bei seiner Tat um eine versuchte Erpressung handelte. Er wollte doch nur seiner Geldforderung Nachdruck verleihen.

Stadtlohn

, 17.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Mehrfach machte der Richter dem 32-jährigen Angeklagten aus Stadtlohn deutlich, dass es sich um eine Straftat, eine versuchte Erpressung, handelte und nicht um einen Dumme-Jungen-Streich. Doch auch nach dem Urteil gegen ihn zeigte sich der Angeklagte uneinsichtig.

Was war geschehen? Der Stadtlohner berichtete am Dienstag vor dem Amtsgericht, dass er über einen Zeitraum von zwei Jahren verschiedene Aktivitäten mit einem Stadtlohner unternommen hatte. Insgesamt habe er diesem in der Zeit etwa 850 bis 950 Euro, „eher noch mehr“, geliehen.

Nachdem das freundschaftliche Verhältnis auf Druck des Vaters seines Freundes beendet wurde, habe er sein Geld zurückgefordert. Der Stadtlohner berichtete dem Richter, dass auch mehrfache Nachfragen nicht gefruchtet hatten und er bis heute kein Geld zurückerhalten habe.

„Haben Sie denn einen Nachweis darüber, dass Sie das Geld ausgeliehen haben“, wollte der Richter von dem Angeklagten wissen. „Das habe ich so eigentlich nicht“, verneinte der Angeklagte. Der ist nach längerer Erkrankung derzeit arbeitslos und lebt von Arbeitslosengeld II. Zuvor hatte er in der Landwirtschaft gearbeitet.

Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, kam der Stadtlohner auf die Idee, das Auto seines Freundes zu blockieren. Mit dem Traktor und einem großen Gewichtsstein fuhr er zu dessen Wohnung, wo er jedoch keinen Wagen vorfand. Also fuhr der 32-Jährige weiter und blockierte mit dem Stein schließlich den Geländewagen des Vaters seines Freundes. Mit dem Stein hinterließ der Angeklagte einen Zettel mit der Nachricht am Auto, sein Geld müsse kommen, sonst bleibe der Stein stehen.

„Ja, ich habe den Stein dahin gestellt“, gab der Stadtlohner die Tat zu. Sein Opfer hatte sofort die Polizei gerufen. Folge: Eine Anklage wegen versuchter Erpressung und auch Sachbeschädigung, weil das Auto beim Abstellen des Steins angeblich Kratzer abbekommen hatte.

„Ich finde es eine Sauerei, dass sie einem Wildfremden einen Stein hinter das Auto legen. Mit den Schulden des Sohnes hat doch der Vater nichts zu tun“, konnte der Richter der Argumentation des Angeklagten zwischendurch nicht folgen. Der hatte zuvor gemeint: „Der Zettel war doch sogar lieb gemeint, damit er nicht gegen den Stein fährt.“

Versuchte Erpressung mit einem Gewichtsstein für Traktoren

So oder ähnlich sah der Traktor-Gewichtstein aus, den der Angeklagte hinter das Auto eines Stadtlohners stellte. © MLZ

Dass der BMW des Opfers Kratzer hatte, stritt der Angeklagte ab. Obwohl Vater und Sohn als Zeugen geladen waren, erschienen diese nicht zum Gerichtstermin. Entsprechend konnten sie auch nicht zur Aufklärung dieses Sachverhalts beitragen. Da dieser Schuldvorwurf somit nicht bestätigt werden konnte, spielte dieser im abschließenden Urteil auch keine Rolle mehr.

Das Nichterscheinen der beiden Zeuge hat aber Folgen: Der Richter belegte Vater und Sohn je mit einem Ordnungsgeld von 200 Euro. Außerdem tragen sie die durch ihr Wegbleiben entstandenen Kosten.

Der bisher nicht vorbestrafte Angeklagte kam mit einer Geldstrafe davon. 30 Tagessätze zu je 15 Euro muss der 32-Jährige neben den Kosten des Verfahrens zahlen.

Als Angeklagter habe er das letzte Wort, darauf wies der Richter den Stadtlohner am Ende des Prozesses hin. „Krieg‘ ich den Stein denn noch wieder?“, wollte der wissen. Das müsse er bei der Polizei erfragen, antwortete der Richter.

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