Vermeintliches „Bombenpaket“ enthielt nur eine Dose Mezzomix

dzGerichtsprozess

Mit einer vermeintlichen Bombe hat ein 57-Jähriger vor einem Jahr Mitarbeiter im Stadtlohner Rathaus bedroht. Jetzt wurde er vor dem Amtsgericht freigesprochen – wegen Unzurechnungsfähigkeit.

Stadtlohn

, 08.06.2020, 17:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Rathausmitarbeiterin war die Geschichte, die sich am Nachmittag des 8. Juli 2019 abgespielt hat, beileibe kein Spaß: Ein 57 Jahre alter Stadtlohner betrat mit einem Paket das Rathaus und behauptete, dass sich darin eine tickende Bombe befinde.

Am Montag musste sich der Mann deswegen vor dem Ahauser Amtsgericht verantworten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft wog schwer. Dem Mann wurde vorgeworfen, die öffentliches Sicherheit durch die Androhung eines gemeingefährlichen Verbrechens bedroht zu haben.

Eine tatsächliche Gefahr ging von dem Paket aber nicht aus. Als Mitarbeiter des Ordnungsamts das Paket untersucht hatten und es öffneten, fanden sie darin eine Mezzomix-Getränkedose.

Angeklagter beschädigte auch drei Geldautomaten

Dem 57-Jährigen wurde außerdem zur Last gelegt, in der Nacht zum 9. Juli drei Geldautomaten beschädigt zu haben. Weil er Gegenstände in die Kartenschlitze schob, entstand ein Sachschaden von weit über 1000 Euro.

Am erste Prozesstag, der im September 2019 stattfand, hatte der Angeklagte erklärt, er habe spontan „mal eine Sicherheitskontrolle“ durchführen wollen.

Nach eigenen Angaben habe er sich zum Tatzeitpunkt in einer „manischen Phase“ befunden. Seit 22 Jahren ist er wegen verschiedener psychischer Krankheiten auf Medikamente angewiesen. Zur Tatzeit habe er an einer Umstellung bei den Medikamenten gelitten. Aus diesem Grund hatte der Richter im September das Verfahren ausgesetzt, um die die Schulfähigkeit des Angeklagten begutachten zu lassen.

Gutachter: Vollständig schuldunfähig

Am Montag nun las der Richter aus dem zwischenzeitlich erstellten psychiatrischen Gutachten vor, das keine Zweifel offen ließ: Aufgrund einer psychotischen Erkrankung sei die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des Angeklagten stark beeinträchtigt. Der Gutachter bescheinigte dem Mann eine „vollständige Schuldunfähigkeit“.

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Weil von ihm aber keine erhöhte Gefahr für die Allgemeinheit ausgehe und er medikamentös gut eingestellt werden könne, sei die Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung aber nicht notwendig.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zog die Konsequenz aus dem Gutachten und forderte einen Freispruch. So lautete am Ende auch das Urteil des Richters.

Freispruch ist kein Freibrief

Der Angeklagte selbst zeigte sich einsichtig: „Das darf man nicht machen. Es tut mir sehr leid, was ich da getan habe.“ Der Richter mahnte: „Der Freispruch ist kein Freibrief. Wenn Sie weiterhin solche Dummheiten machen, dann werden wie für unbegrenzte Zeit von der Bildfläche verschwinden.“

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