Krankenhausflur in Stadtlohn: Spätestens bis Ende 2024 soll hier der Krankenhausbetrieb komplett eingestellt werden. © Sinneswerk - Fotografie & Grafik
Gesundheitspolitik

Unverständnis, Trauer, aber auch Optimismus nach Krankenhausschließung

Enttäuscht waren sie alle. Die Schließung des Stadtlohner Krankenhauses hat Stadtlohns Politiker überrascht oder gar geschockt. Einig sind sie sich in der Bewertung aber nicht.

„Persönlich bin ich stark enttäuscht und sehr traurig über diese Entwicklung, habe ich doch meine ersten Jahre im Arbeitsleben im Krankenhaus Maria Hilf verbracht“, erklärte Bürgermeister Berthold Dittmann (parteilos) am Donnerstag, nachdem das Klinikum Westmünsterland bekanntgegeben hatte, die Krankenhäuser in Stadtlohn und Vreden bis zum Jahr 2025 schließen zu wollen. Künftig sollen für den Nordkreis alle stationären Leistungsbereiche am Ahauser Krankenhaus gebündelt werden.

Bürgermeister Berthold Dittmann möchte mit den Bürgern ins Gespräch kommen.
Bürgermeister Berthold Dittmann möchte mit den Bürgern ins Gespräch kommen. © Stadt Stadtlohn

Seine persönliche Betroffenheit will der Stadtlohner Bürgermeister, der als junger Mann im Krankenhaus Maria-Hilf eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolvierte, aber nicht zum Maßstab machen. „Auf der rationalen Ebene und mit Blick auf die Region habe ich Verständnis für diesen Schritt“, sagte Berthold Dittmann im Gespräch mit der Redaktion.

Alles in allem sei der Schritt wohl ein unvermeidbarer Schritt gewesen. Der Kostendruck der Krankenkassen sowie der Wille der Landesregierung zur Verdichtung der stationären Krankenhausstruktur, so Berthold Dittmann, seien offensichtliche und wesentliche Gründe für diese Entscheidung des Klinikums.

„Als Westmünsterländer müssten wir uns insgesamt auf eine starke Förderung von über 60 Millionen Euro vom Land für unsere Krankenhausinfrastruktur freuen. Hier in Stadtlohn überwiegen jedoch Trauer und Enttäuschung wegen der Schließung unseres Krankenhauses“, erklärt der Bürgermeister.

Dr. Markus Könning, CDU-Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes
Dr. Markus Könning, CDU-Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes © Thomas Geling

Ähnlich äußert sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Markus Könning auf Anfrage. „Es gibt zwei Blickwinkel. Für Stadtlohn ist das schade und unschön, weil Arbeitsplätze verlagert werden. Für die Region ist es aber der einzige Weg, die Versorgungssicherheit mittelfristig zu erhalten. Unter dem Strich stärkt die Entscheidung die Region.“ Er blicke nun positiv in die Zukunft. Das für den Gesundheitscampus in Stadtlohn geplante Modellprojekt Telemedizin eröffne neue Potenziale für Start-Ups und andere Neuansiedlungen.

Erwin Plate (UWG) zeigt dagegen keinerlei Verständnis für die Schließung des Stadtlohner Krankenhauses. „Da wird was von oben diktiert, und wir Stadtlohner sind die Bauernopfer“, erklärte er im Gespräch mit der Redaktion. „Es ist einfach nur traurig, dass das Geld im Mittelpunkt steht und nicht der Mensch.“

Der UWG-Fraktionsvorsitzende Erwin Plate
Der UWG-Fraktionsvorsitzende Erwin Plate © privat

Seine Kritik richtet Erwin Plate weniger an das Klinikum Westmünsterland als an die Landesregierung. „Minister Laumann hat den Weg ja vorgezeichnet: Die Großen schlucken die Kleinen.“ Das, so Plate, sei seine persönliche Meinung. In der Fraktion sei das noch nicht besprochen worden.

Als „nicht so erfreulich“ bezeichnete Dr. Albert Daniels (FDP) die Entscheidung des Klinikums. „Aber jetzt, wo ich zwei Nächte darüber geschlafen habe, sehe ich eher die Chancen, die diese Entscheidung eröffnet.“

Dr. Albert Daniels, Fraktionsvorsitzender der FDP im Stadtlohner Rat
Dr. Albert Daniels, Fraktionsvorsitzender der FDP im Stadtlohner Rat © privat

Daniels: „Dass es so kommen würde, musste ja jedem schon lange klar sein. Drei mittelmäßige Krankenhäuser bringen uns ja nicht weiter. Ein starkes Krankenhaus in Ahaus kann aber eine kompetente Versorgung auch für die Zukunft sichern.“ Und die Krankenhäuser in Ahaus und in Borken seien ja für die Stadtlohner gut erreichbar.“

Richard Henrichs (Grüne) sprach von einer „dicken Überraschung“ und „großer Enttäuschung“. Künftig fehle die Grundversorgung vor Ort. „Für mich ist es aber noch zu früh für eine endgültige Bewertung. Ich möchte erst noch mehr Gespräche führen.“

Richard Henrichs, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtlohner Rat © privat

Er habe aber den Eindruck, dass in dieser Frage eine „Salamitaktik“ angewendet worden sei. „Zuerst die Fusion mit dem Klinikum, dann die Verlegung der Geburtsstation – und jetzt ziehen alle anderen Abteilungen weg. Aus Stadtlohner Sicht ist das sehr, sehr problematisch.“

Otger Harks (SPD) lenkt hingegen den Blick auf den Kreis. „Wir müssen weg vom Kirchturmdenken. Wir sind eine Region. Und für die Region war das die richtige Entscheidung, eine gute Patientenversorgung langfristig zu sichern.“ Obwohl für ihn klar gewesen sei, dass Veränderungen anstünden, sei er am Mittwochabend aber dennoch „geschockt“ gewesen, so Otger Harks. Er sagt aber auch: „Der Entscheidungsweg des Klinikums ist sehr gut nachvollziehbar.“

Otger Harks, Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtlohner Rat
Otger Harks, Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtlohner Rat © privat

Eine Frage, so Harks weiter, sei ihm aber schon am Mittwochabend sehr wichtig gewesen. „Die Notarztversorgung muss in Stadtlohn bleiben.“ Das wird auch so sein. Am Freitag bestätigte Kreissprecherin Ellen Bulten auf Nachfrage: „Die Schließung der Krankenhäuser ändert nichts an der Notarztversorgung. Der Standort in Stadtlohn bleibt erhalten.“

Einig waren sich alle Fraktionsvorsitzenden, die am Mittwochabend vorab informiert worden waren, dass es nun noch einigen Gesprächsbedarf gibt, um den Prozess zu begleiten: die Parkplatzsituation am Ahauser Krankenhaus, eine mögliche direkte Anbindung vom Düwing Dyk, Bus- und Radwegeverbindungen wurden als Beispiele schon genannt. Geklärt werden müsse auch, so Erwin Plate, wie die Akutversorgung bei kleineren Verletzungen vor Ort in Stadtlohn geregelt werden könne. Plate: „Die Telemedizin klebt mir kein Pflaster auf den blutenden Arm.“

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Stefan Grothues

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