Unglaubliche Geschichte vor Gericht

22.07.2008, 17:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Südlohn Keinen Glauben geschenkt hat ein Richter vom Amtsgericht Borken der Geschichte, die ihm jüngst ein wegen schweren Diebstahls Angeklagter "aufgetischt" hat: Der 57-Jährige erhielt eine Freiheitsstrafe in Höhe von zwei Jahren und drei Monaten.

Erst kurz aus Haft

Somit wurde der wohnungslose Mann, der erst im Januar nach sieben Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen worden war, in zwei Fällen des - vollendeten und versuchten - Diebstahls in Südlohn für schuldig befunden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte, als er Anfang Februar nachts mit dem Rad unterwegs war, an einem Betrieb eine Fensterscheibe eingeschlagen hatte. Dann drang er in das Gebäude ein, schlug die Zahlensicherung neben einer Tür mit einem Spaten ab und durchsuchte die Räume. Zwei Schlüssel - darunter ein Fahrzeugschlüssel für einen Kleinlieferwagen im Wert von rund 15 000 Euro - steckte er ein, so die Rekonstruktion des Falls durch die Kriminalpolizei.

Entweder vorher oder nachher sei der Mann mit Hilfe einer Leiter in einen weiteren Betrieb in Südlohn eingestiegen. Allerdings gelang es ihm offenbar nicht, den Tresor zu öffnen, so dass er dort ohne Beute verschwand. Als sich der 57-Jährige daraufhin mit dem Kleinlaster aus dem Staub gemacht hatte, wurde er von einer Polizeitstreife gesehen und angehalten. Er sei im Auftrag der Firma unterwegs und wolle einen Kollegen abholen, log er. Als er jedoch nicht in der Lage war, die Laderampe des Wagens fachgerecht zu öffnen, und eine zum Betrieb geschickte Streife einen Einbruch feststellte, war die Fahrt des Mannes endgültig beendet.

Seltenes Profil

Bei der Polizei und später vor dem Richter sagte er aus, dass er sein Rad auf dem Weg von Enschede nach Borken wegen schlechter Witterung und gesundheitlichen Problemen durch das Gewerbegebiet geschoben habe, wo ihn zwei Männer angesprochen und ihm den Schlüssel für den Kleinlaster gegeben hätten. Nach knapp 800 Metern Fahrt seien ihm Bedenken gekommen und er sei umgekehrt. Vor Ort habe er die Fremden nicht vorgefunden, dafür aber die zerbrochene Scheibe gesehen. Weil er habe nachgucken wollen, ob die Männer im Gebäude sind, sei er dort und in das zweite Gebäude hinein geklettert, um sie zu suchen. Da er sie nicht gefunden hatte, sei er "notgedrungen" wieder mit dem Laster weggefahren.

Der Richter stützte sich bei seinem Urteil vor allem auf den Besitz aller gestohlenen Gegenstände. Darüber hinaus entdeckte die Polizei Fußabdrücke des seltenen Profils seiner Schuhe am Tatort sowie verschiedene Utensilien wie Werkzeuge in der Tasche des Mannes. kh

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