Den 14 Meter hohen Übungsturm der Feuerwehr sehen Anwohner mit Unmut. Sie wollen eine optische Umgestaltung. © Markus Gehring
Feuerwehrturm

Übungsturm bleibt für Nachbarn ein 14 Meter hohes Ärgernis aus Beton

Vor zwei Jahren wurde die neue Feuerwache Stadtlohn eingeweiht. Genauso lange schwelt der Streit um den Übungsturm. Jetzt ist er neu aufgeflammt. Die Nachbarn ärgern sich über den Sichtbeton.

Für die Feuerwehr ist er unverzichtbar bei Abseil- und Anleiterübungen. Für Rolf Neißer und Andreas Hilbert ist er ein 14 Meter hohes Ärgernis, betongrau und beim Blick aus dem Wohnzimmerfenster stets vor den Augen. Vor zwei Jahren wurden der neue Übungsturm und die Feuerwache am Steinkamp eingeweiht. Genauso lange schwelt der Unmut der Nachbarn. Jetzt haben sie sich in der Einwohnerfragestunde des Rates erneut zu Wort gemeldet.

„Das wird einfach ausgesessen.“

Ihr Verdacht: Die schon vor zwei Jahren in Aussicht gestellte „optische Gestaltung“ des Turms werde auf die lange Bank geschoben. „Das wird einfach ausgesessen in der Hoffnung, dass sich die Anwohner irgendwann damit abfinden. Das wollen wir aber nicht“, sagt Andreas Hilbert.

Außerdem kritisieren Rolf Neißer und Andreas Hilbert, dass die als Sichtschutz angepflanzten Bäume zu klein seien. „Zwölf Bäumchen mit daumendicken Stämmchen – das bringt doch nichts.“ Und Rolf Neißer sagt über den Ahornbaum, der in seiner Sichtachse zum Feuerwehrturm gepflanzt wurde: „Bis der groß ist, bin ich längst tot.“

Rolf Neisser ärgert sich in seinem Wohnzimmer über den Blick auf den Betonturm der Feuerwehr.
Rolf Neisser ärgert sich in seinem Wohnzimmer über den Blick auf den Betonturm der Feuerwehr. © Markus Gehring © Markus Gehring

Bürgermeister Berthold Dittmann erklärte zur Anfrage in der jüngsten Ratssitzung: Für die Feuerwehr selbst erfüllt der Turm in seiner jetzigen Ausgestaltung alle funktionalen Erfordernisse. Vor allem Abseil- und Anleiterübungen verbieten es, dass der Turm zum Beispiel mit Grün umrankt wird.“

Architekt: Betonturm passt zum Gesamtensemble

Und was ist mit einem Anstrich? Rolf Neißer schlägt dunkelrot oder dunkelblau vor. Dann würde der Turm seiner Ansicht nach „nicht so ins Auge fallen“. Andreas Hilbert hat noch einen anderen Vorschlag: „Der Turm fällt so auf, weil er so hell ist. Man könnte ihn mit einer Verblenderoptik folieren, sodass er sich besser an das Gebäude anpasst.“

Eine Begrünung des Turmes würde Abseil- und Anleiterübungen behindern.
Eine Begrünung des Turmes würde Abseil- und Anleiterübungen behindern. © Markus Gehring © Markus Gehring

Damit dürfte der Architekt Maik Horst ganz und gar nicht einverstanden sein. Auch seine Stellungnahme verlas der Bürgermeister in der Ratssitzung: „Es ist festzuhalten, dass sich der Übungsturm seit jeher als Sichtbetonelement architektonisch als Teil des städtebaulichen Gesamtensembles über die Sichtbeton-Fassadenelemente der Gebäude des Rettungsdienstes und des Feuerwehrgerätehauses (Eingangsbereiche, Torzwischenbereiche) in seiner Materialität mit diesen verbindet.“

Turm ist keine Leinwand oder Litfaßsäule

Maik Horst verweist auf sein Urheberrecht und betont, etwaige Maßnahmen seien detailliert mit ihm abzustimmen. Eine „zeitgeistige Gestaltung“ mit farbigen Bildern oder Malaktionen, die der Erste Beigeordnete und Feuerwehrchef Günter Wewers vor zwei Jahren ins Gespräch gebracht hatte, lehnt Horst aus architektonischen Gründen ab. „Der Übungsturm ist keine Leinwand und keine Litfaßsäule. Er ist ein Funktionsgebäude, der in baulichem Zusammenhang mit seinen zugehörigen Gebäuden steht“, betont der Architekt.

Für den Architekten Maik Horst passt sich der Betonturm in das gestalterische Gesamtkonzept ein.
Für den Architekten Maik Horst passt sich der Betonturm in das gestalterische Gesamtkonzept ein. © Markus Gehring © Markus Gehring

Derartige Gestaltungen überholten sich nach Horsts Einschätzung schon nach einigen Jahren. Es müssten dann immer neue Ansätze gefunden werden. Zudem würden Anstriche und Bemalungen durch die Übungstätigkeiten an der Fassade rasch unansehnlich.

Abwarten, bis die Bäume gewachsen sind

Maik Horst empfiehlt, weiter abzuwarten, bis sich die Grünanlagen weiterentwickelt hätten. Die Baumstandorte seien auf die Gebäude abgestimmt und mit den Anwohnern besprochen. „Hinsichtlich des Baumwachstums sind mindestens zwei bis vier Jahre vonnöten, um eine erste Beurteilung vorzunehmen.“

Der Ahornbaum ist noch zu klein, als dass er ein wirksamer Sichtschutz sein könnte.
Der Ahornbaum ist noch zu klein, als dass er ein wirksamer Sichtschutz sein könnte. © Markus Gehring © Markus Gehring

Diese Ansicht vertritt auch Bürgermeister Berthold Dittmann: „Die Verwaltung empfiehlt daher, wie vom Architekten vorgeschlagen, in dieser Hinsicht die Vegetationsentwicklung der nächsten drei bis vier Jahre abzuwarten.“

Anpflanzung eines größeren Baums hätte 10.000 Euro gekostet

Bei dem 2020 als Sichtschutz zwischen dem Wohnhaus Neißer und dem Feuerwehrturm gepflanzten Baum handelt es sich um einen fünf Meter hohen Ahorn mit einem Stammumfang von über 20 Zentimetern und einer Ballengröße von einem Meter. „Jeder größere Baum hätte mit speziellem Gerät geliefert und gepflanzt werden müssen, weil das manuell nicht mehr machbar gewesen wäre“, so Bürgermeister Berthold Dittmann.

„Einen Baum in gewünschter Größe direkt zu pflanzen, wäre mit rund 10.000 Euro ungleich teurer gewesen, ohne einen entsprechend schnelleren Erfolg zu haben“, so der Bürgermeister weiter. Die Anpflanzung eines höheren Baums wäre auch nicht zweckmäßig gewesen, weil jeder Großbaum mindestens fünf Jahre lang keinen Zuwachs hat und zusätzlich eine aufwendige Entwicklungs- und Anwachspflege nötig sei. Auch der 2020 gepflanzte Baum werde spätestens nach fünf Jahren den Ansprüchen des Sichtschutzes erfüllen.

Bürgermeister trifft sich jetzt mit den Nachbarn

Einen Ratsbeschluss hat es in dieser Frage nicht gegeben. Das ist im Rahmen einer Einwohnerfragestunde auch nicht vorgesehen. Der Bürgermeister hat für die kommende Woche einen Besuch bei den Nachbarn vereinbart, um sich vor Ort noch einmal ein genaues Bild zu machen. Andreas Hilbert hofft zumindest noch auf kleinere Zusagen: „Eine Begrünung des Turms im Erdgeschossbereich würde auch schon eine Verbesserung bringen.“

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Stefan Grothues

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