SVS-Versorgungsbetriebe und Stadtwerke Ahaus wollen enger kooperieren

dzKommunale Energieversorgung

SVS und Stadtwerke Ahaus loten zurzeit neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit aus. Ende 2019 sollen die Räte in Ahaus, Stadtlohn, Vreden und Südlohn entscheiden, wohin die Reise gehen soll.

Stadtlohn, Ahaus

, 23.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Die SVS-Versorgungsbetriebe und die Stadtwerke Ahaus beliefern in Stadtlohn, Südlohn, Vreden und Ahaus rund 92.000 Menschen mit Strom, Wasser, Gas oder Wärme. Die beiden kommunalen Unternehmen sind bislang eigenständig und unabhängig voneinander tätig. Die Stadtwerke in Ahaus. Und die SVS in Stadtlohn, Vreden und Südlohn. Jetzt gehen beide Unternehmen aufeinander zu. Das Ende der Annäherung ist offen. Eine Fusion ist nicht ausgeschlossen. Hier sind Fragen und Antworten zum Thema.

? Was wird derzeit geplant?

Konkretes ist noch nicht bekannt. Es gebe auch noch keine konkreten Pläne, sagen der SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß und Stadtwerke-Geschäftsführer Karl-Heinz Siekhaus. Im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigen beide aber: „Wir beschäftigen uns zurzeit intensiv mit der komplexen Frage, wie und auf welchen Ebenen die Zusammenarbeit intensiviert werden kann.“ Die Gesellschafter und Aufsichtsräte der beiden Unternehmen hätten grünes Licht für solche Überlegungen gegeben, sagen die beiden Geschäftsführer. Sie betonen aber: Entschieden sei noch nichts.

? Warum wollen die SVS-Versorgungsbetriebe und die Stadtwerke Ahaus enger kooperieren?

„Weil sich in der Energiewelt einiges verändern wird und weil wir beste Erfahrungen mit Kooperationen gemacht haben“, sagt Thomas Spieß. Er verweist darauf, dass die Zusammenarbeit auf bestimmten Geschäftsfeldern seit zwei, drei Jahren geübte Praxis sei. Gemeinsam haben SVS und Stadtwerke zum Beispiel ein Tochterunternehmen gegründet, das Photovoltaikanalagen auf öffentlichen Gebäuden betreibt. In einem weiteren gemeinsamen Tochterunternehmen arbeiten SVS und Stadtwerke in Fragen des Netzbetriebes zusammen.
Spieß: „Auf die kommunalen Versorger kommen immer neue Anforderungen zu, zum Beispiel von der Bundesnetzagentur, durch Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz, durch den Ausbau der E-Mobilität und der Speichertechnik.“ Es sei sinnvoll, in all diesen Fragen die Kräfte zu bündeln und die Expertise in beiden Unternehmen gemeinsam zu nutzen, so Karl-Heinz Siekhaus. „Zusammen haben wir einfach eine stärkere Position, zum Beispiel gegenüber Dienstleistern bei der Energiebeschaffung. Die Erfahrungen der letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass es hervorragend funktioniert. Das war die Initialzündung für die jetzt anstehenden Überlegungen“, sagt Thomas Spieß.

? Sollen durch Synergien auch Arbeitsplätze eingespart werden?
Mit einem klaren „Nein!“ antworten die Geschäftsführer Thomas Spieß und Karl-Heinz Siekhaus auf diese Frage. 86 Mitarbeiter zählen die Stadtwerke Ahaus, 84 die SVS-Versorgungsbetriebe. Die engere Kooperation, so die beiden Geschäftsführer, soll die kommunalen Versorger fit für neue Herausforderungen machen. „Dafür brauchen wir alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir wollen die Dinge mit unserer ganzen Mannschaft vorantreiben“, sagt Thomas Spieß. Karl-Heinz Siekhaus: „Wir beteiligen unsere Mitarbeiter frühzeitig und intensiv an diesem Prozess. Keiner muss sich Sorgen machen. Es wird keinen Personalabbau geben.“ Im Gegenteil, so Thomas Spieß: „Im Verbund als größerer Arbeitgeber stärken wir unsere Position auf dem Arbeitsmarkt. Es ist ja schwer, Fachkräfte zu bekommen.“

? Ist auch eine echte Fusion der kommunalen Versorger denkbar?

Ja. Zumindest wollen die beiden Geschäftsführer auch die Option nicht ausschließen, dass beide Unternehmen zu einem verschmelzen. „Wir führen eine ganz offene Diskussion“, sagt Karl-Heinz Siekhaus. Thomas Spieß ergänzt: „Wir werden unterschiedliche Kooperationsmodelle erarbeiten und den Gesellschaftern und Räten zur Entscheidung vorlegen.“ Thomas Siekhaus sagt aber auch: „Wir haben die Erfahrung gemacht: Je intensiver die Zusammenarbeit, desto größer der Erfolg.“

? Schluckt der Größere den Kleineren?

„Es gibt keinen Größeren oder Kleineren“, sagt Thomas Spieß. Karl-Heinz Siekhaus betont: „Wir sprechen kollegial und auf Augenhöhe miteinander.“ Die beiden Geschäftsführer nennen Zahlen, die belegen, dass es sich um zwei etwa gleich große Unternehmen handelt: Die SVS-Versorgungsbetriebe setzen 65 Millionen Euro im Jahr um, bei den Stadtwerken Ahaus sind es 58 Millionen. Auch die Gewinne im unteren einstelligen Millionenbereich seien vergleichbar. Im Versorgungsgebiet der SVS leben rund 52.000 Menschen, in dem der Stadtwerke sind es 40.000. Das Stromnetz der SVS ist 1363 Kilometer lang, das der Stadtwerke 1050. Das Gasnetz der SVS misst 301 Kilometer, das der Stadtwerke 203, das Wassernetz der SVS 464 Kilometer, das der Stadtwerke 298.

? Treiben wirtschaftliche Sorgen die Versorger zur Zusammenarbeit?

Nein. Beide Geschäftsführer betonen, dass ihre Unternehmen kerngesund sind. Siekhaus: „Sowohl die SVS wie auch die Stadtwerke kommen alleine blendend zurecht.“ Jedenfalls in der Gegenwart. Um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen sei es aber sinnvoll, gemeinsam „kräftiger und nachhaltiger“ zu werden. Thomas Spieß: „Wir sind zwei starke Unternehmen, die agieren können und nicht reagieren müssen.“

? Wem gehören die kommunalen Versorger eigentlich?

Die SVS-Versorgungsbetriebe gehören mehrheitlich den drei Kommunen Stadtlohn (28,7%), Vreden (28,7%) und Südlohn (12,6%). Die RWE-Tochter Innogy hält 30 Prozent der Anteile.
Hauptgesellschafter der Stadtwerke Ahaus ist die stadteigene Ahauser Energie- und Dienstleistungsgesellschaft (AED). Auf diesem Weg hält die Stadt Ahaus 64 Prozent der Gesellschaftsanteile. Mitgesellschafter ist die RWE-Tochter Innogy (36%)

? Wie geht es nun weiter?

„Ziel ist, dass wir bis zum Ende dieses Jahres entscheidungsreife Vorschläge vorlegen“, sagt Karl-Heinz Siekhaus. Damit werden sich dann die Aufsichtsräte der beiden Versorgungsunternehmen befassen. Am Ende aber sei die Entscheidung eine politische, die in den Räten der vier beteiligten Kommunen Ahaus, Stadtlohn, Vreden und Südlohn getroffen werde.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt