Stadtlohner Randalierer drohte, den Bürgermeister zu töten und Rathaus zu sprengen

dzGerichtsprozess

Im Prozess gegen den 50-jährigen Stadtlohner, der unter anderem im Rathaus und an einer Buchhandlung randalierte, kommen immer neue Details ans Licht. Die Anschuldigungen wiegen schwer.

Stadtlohn

, 09.01.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Tag zwei im Prozess gegen den 50-jährigen Stadtlohner, der im Jahr 2018 erst im Rathaus randalierte, dann mit einem Taubenzüchter aneinander geriet und schließlich eine Buchhandlung auseinandernahm.

Nachdem sich das Landgericht Münster am vergangenen Dienstag mit dem Lebenslauf des Angeklagten und seinen Ausführungen zu den drei Anklagepunkten beschäftigt hatte, wurden am Donnerstagvormittag weitere Zeugen vernommen.

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Bei deren Vernehmung kamen weitere Details ans Licht, die den 50-Jährigen teils schwer belasten. Mehrere Male wichen die Zeugenaussagen gravierend von den Darstellungen des Angeklagten ab. Beispiel: Die Geschehnisse vom 22. Juni 2018, wo es zu einem handfesten Streit zwischen dem 50-Jährigen und einem Stadtlohner Taubenzüchter (73) gekommen war.

Taubenzüchter berichtet von aggressiven Faustschlägen

Während der Angeklagte – der damals in einer Obdachlosen-Notunterkunft in direkter Nachbarschaft zu den Taubenzüchtern wohnte – zum Prozessauftakt versichert hatte, in Notwehr gehandelt zu haben, stellten am Donnerstag gleich drei Zeugen die Situation vollkommen anders dar.

„Er hat ohne ersichtlichen Grund eine Bank umgeschmissen, die ich gerade erst wieder aufgestellt hatte. Da habe ich ihn gefragt, was das solle. Das war wohl ein Fehler“, berichtete der Taubenzüchter. Denn als Antwort habe er ohne Vorwarnung mehrere Faustschläge ins Gesicht kassiert, sodass er nur noch zurückweichen konnte.

Stadtlohner Randalierer drohte, den Bürgermeister zu töten und Rathaus zu sprengen

Die Notunterkunft, in der der Stadtlohner untergebracht war, grenzt direkt an das Vereinsheim des Taubenzüchtervereins. © Markus Gehring

„Meine Brille ist mir sofort von der Nase geflogen. Ich war geschockt und wie gelähmt. Deshalb habe ich nicht einmal versucht, mich zu wehren“, so der 73-Jährige weiter. Fotos belegen seine Gesichtsverletzungen. Die Krönung sei für den Taubenzüchter gewesen, dass der 50-Jährige ihm ganz zum Schluss erst den Mittelfinger und dann das nackte Hinterteil gezeigt habe.

37-jährige Zeugin will helfen, wird dann aber selbst zum Opfer

Eine 37-jährige Stadtlohnerin hatte das Geschehen damals aus ihrem Auto zufällig beobachtet und war dem Mann zur Hilfe geeilt. Sie konnte die Version des Taubenzüchters bestätigen: „Der Angeklagte war extrem aggressiv. Es war überall Blut. Als ich ihn aufgeforderte, von dem Mann abzulassen, schlug er mir mit voller Wucht ins Gesicht.“

Anschließend habe sie unter Schock gestanden, am ganzen Körper gezittert und sei nicht einmal mehr in der Lage gewesen, die Polizei zu rufen. Auf Nachfrage des Richters erklärte sie: „Der Mann wirkte so, als habe er eine psychische Erkrankung oder sei auf Entzug. Ich glaube nicht, dass er wusste, was er tut.“

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Ähnlich sah es der Südlohner, der den Angeklagten festgesetzt und in die Hände der Polizei übergeben hatte. „Er machte einen verwirrten Eindruck. Und auch, als die Beamten ihn in Gewahrsam genommen hatten, hörten seine merkwürdigen Äußerungen nicht auf. Er sprach davon, den Bürgermeister umzubringen und das Rathaus sprengen zu wollen.“

Der Angeklagte hörte den Zeugen aufmerksam zu und bestätigte dem Gericht, dass diese Versionen der Wahrheit entsprechen könnten: „Ich kann mich an die Dinge nicht mehr genau erinnern.“

Ehepaar und Buchhändlerin unter Schock

Noch emotionaler wurde es im zweiten Teil des Prozesstages. Hier traten als erstes sein Schwager und dessen Frau in den Zeugenstand. Thema war ein Vorfall aus dem November 2018. Vorwurf: Der 50-Jährige soll seiner Schwippschwägerin bei einem Spaziergang mit ihren Hunden aufgelauert und mit einem Hammer bedroht haben. Ein Vorfall, der die 52-Jährige auch ein gutes Jahr später noch sichtbar aufwühlte.

„Ich kenne ihn seit 30 Jahren und weiß, dass er schon als Teenager zu Ausrastern neigte. An diesem Tag stand er plötzlich vor mir und meinen Hunden, hat mich wüst beschimpft und schließlich einen Hammer gezogen“, berichtete sie unter Tränen im Gericht. Er habe ihr gedroht, sie und ihre Hunde „kaputtzuhauen“.

Nach ihrer panischen Flucht habe der Angeklagte die beiden zurückgelassenen Labradore mehrfach getreten. „Die Hündin musste noch am selben Tag eingeschläfert werden“, berichtete sie. Sie selbst habe Todesangst gehabt und sich nach diesem Tag kaum noch vor die Haustür getraut. „Ich musste mir psychologische Hilfe suchen und konnte über Wochen nicht schlafen. Es wurde erst besser, als ich wusste, dass er zwangseingewiesen wurde.“

Schwager entwaffnet den Hammer-Randalierer

Die 52-Jährige war an diesem Tag nicht die einzige, die zu Schaden kam. Denn nach dem Streit mit seiner Schwippschwägerin richtete sich die Wut des Stadtlohners gegen eine benachbarte Buchhandlung. Mit seinem Hammer schlug er drei von vier Schaufenstern und die Eingangstür ein. Anschließend randalierte er auch im Geschäft.

Die Inhaberin des Buchladens war zunächst erbost; geriet beim Blick auf den Hammer aber ebenfalls in Panik: „Er folgte mir ins Geschäft und ging mit erhobenem Hammer auf mich zu. Ich war wie erstarrt und hatte Glück, dass plötzlich ein Regal umkippte und er sich umdrehte. Nur so konnte ich flüchten.“ Neben Angstzuständen blieb für die Buchhändlerin auch ein Sachschaden von rund 10.000 Euro.

Am Ende war es sein eigener Schwager – der Mann der 52-Jährigen – der den Angeklagten an diesem Tag entwaffnen konnte. „Ich hatte nur ein Ziel: Ihm den Hammer wegzunehmen. Denn ich habe bei meiner Frau und der Buchhändlerin die blanke Angst um Leib und Leben in den Augen gesehen“, erklärte er vor dem Landgericht.

Mehrere Mal richtete der 50-jährige Stadtlohner am Donnerstag Entschuldigungen an die Zeugen. Bis auf die 37-Jährige, die den Schlag ins Gesicht kassiert hatte, nahm sie keiner an.

Info:

Am Dienstag, 14. Januar, um 9 Uhr wird der Prozess am Landgericht Münster fortgesetzt. Der Saal steht noch nicht fest. Geplant ist, dass an diesem Tag das Urteil gefällt wird.
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