Stadtlohner Musikern brechen Aufträge weg: „Es sind harte Zeiten für die Branche.“

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Das Coronavirus sorgt für die Absage vieler Veranstaltungen. Das trifft auch Stadtlohner Musiker wie zum Beispiel DJ Scheffwell und die Band „Der Kaiserkeller“. Nun ist Geduld gefragt.

Stadtlohn

, 18.03.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für den Stadtlohner DJ „Scheffwell“ kannte die Karriere bisher nur einen Verlauf: steil bergauf. Für Nico Scheffler - wie der 20-Jährige mit bürgerlichem Namen heißt - ging gerade erst der ganz große Traum in Erfüllung. Sein Song „Love is right“ wurde vom niederländischen Top-DJ Hardwell unter in dessen Label aufgenommen. Doch die Corona-Krise verpasst Scheffwell nun einen ersten herben Dämpfer.

„Die Absage vom Karpaten Zeltfestival erreichte mich als erstes. Da ahnte ich schon, dass das erst der Anfang sein würde“, sagt Nico Scheffler im Gespräch mit der Redaktion am Dienstagmittag. Seine Ahnung sollte ihn nicht täuschen. Auch die geplanten Auftritte in der Stadthalle Stadtlohn und im Rio Palace Gescher wurden kurzfristig von den Veranstaltern abgesagt.

Wer kommt für Verluste auf?

„Das Geld war fest eingeplant und sollte in die Sänger für meinen nächsten Song investiert werden. Man fragt sich schon, ob jemand für die Verluste aufkommen wird“, berichtet der 20-Jährige, der hauptberuflich eine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann absolviert. Es seien nun sehr schwierige Zeiten für die gesamte Branche.

„Ich habe mit einigen Kollegen gesprochen. Besonders hart trifft es die, die kein anderes Einkommen haben“, so Scheffler. Er erwartet nun von der Regierung, dass sie genau diesen Künstlern finanziell unter die Arme greife: „Gerade bei kleinen Unternehmen und Veranstaltungen wird das nötig sein. Sonst stehen sie vor dem Aus.“

Keinen großen Grund zur Sorge

Grund zur großen Sorge sieht er bei sich selbst hingegen nicht: „Es gibt Stellen im Leben, da muss man etwas kürzer treten. Ich habe ja ein gesichertes Einkommen.“ Nun hofft Nico Scheffeler, dass die Corona-Krise möglichst schnell vorbei ist. Denn in diesem Jahr stehen für Scheffwell noch einige große Auftritte an.

Im Mai ist er für ein Festival in Kroatien gebucht, im August soll er beim Dodgeball-Beach-Cup für Stimmung sorgen. „Das Schlimmste ist momentan die Ungewissheit“, sagt der 20-Jährige. Mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: „Jetzt habe ich immerhin deutlich mehr Zeit, für meine Abschlussprüfung zu lernen.“

Dirk Schlattmann: „Situation noch nie erlebt.“

Die Ungewissheit ist es auch, die Dirk Schlattmann nervt. Das Stadtlohner Urgestein macht seit über drei Jahrzehnten Musik. Eine vergleichbare Situation wie aktuell hat allerdings auch er noch nicht erlebt. Auftritte mit seiner Band „Der Kaiserkeller“ wurden in Stadtlohn und Bocholt bereits gecancelt, andere stehen auf der Kippe. „Man plant lange Zeit im Voraus. Diese Absagen sind natürlich ärgerlich“, sagt Schlattmann.

Dirk Schlattmann hat bereits zahlreiche Songs aufgenommen.

Dirk Schlattmann hat bereits zahlreiche Songs aufgenommen. Aktuell muss er mit seiner Band allerdings zwangspausieren. © privat (Dirk Schlattmann)

Allerdings verweist auch er auf deutlich schlimmere Schicksale in der Musikszene: „Wir sind Hobbymusiker und semiprofessionell unterwegs. Andere sind auf jeden Auftritt angewiesen. Die trifft es richtig hart, wenn vier, fünf Konzerte abgesagt werden.“ Dirk Schlattmann hofft darauf, dass seine Beatles-Cover-Band und er zumindest noch einen großen Auftritt in diesem Jahr haben.

„Ein Freund der Band feiert im Juli auf Korfu seinen 65. Geburtstag. Das wäre schon klasse, wenn das was wird“, so der Stadtlohner. Doch bis dahin hält er es wie sein gut 20 Jahre jüngerer Kollege Nico Scheffler. Beide betonen unabhängig voneinander: „Die Gesundheit geht aktuell vor.“

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