Stadtlohner ließ Goldbarren in Omas Wohnung liefern

25-Jähriger steht vor Gericht

Da staunte die heute 89-jährige Seniorin aus Stadtlohn nicht schlecht, als Sie plötzlich von einem Handy-Anbieter Rechnungen über Mobiltelefone und nicht unerhebliche Telefonkosten erhielt. Ihr 25-jähriges Enkelkind hatte die Sachen auf Omas Rechnung bestellt – und nicht nur das.

STADTLOHN/BORKEN

, 22.05.2017, 12:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

So musste sich der arbeitslose Abiturient gestern vor dem Borkener Amtsgericht auch wegen verschiedener Bestellungen im Internet verantworten. Die hatte er unter falschen Namen gemacht und die Rechnungen nicht bezahlt.

In einem Fall – so der Vorwurf der Staatsanwältin - ließ sich der Stadtlohner unter falschem Namen einen Goldbarren zur Wohnung seiner Oma liefern. Das Namensschild an der Klingel soll der Angeklagte vorher überklebt haben. Unter dem falschen Namen nahm er dann die 700 Euro teure Gold-Lieferung an. Für fast 800 Euro hat der Stadtlohner außerdem bei einem Internet-Warenhaus etwas unter falschem Namen bestellt und nicht bezahlt.

Gewerbsmäßig gehandelt

Insgesamt fünf Fälle von Computerbetrug wurden am Montag in Borken verhandelt. Die Staatsanwältin wirft dem Angeklagten gewerbsmäßiges Handeln zur Bestreitung des Lebensunerhalts vor. Im Verlauf der Verhandlung wurde dabei deutlich, dass gegen den Angeklagten weitere Verfahren bei anderen Gerichten anhängig sind. Der Angeklagte wollte sich gestern zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft nicht äußern. Seine 89-jährige Großmutter hatte, im Fall der auf ihren Namen bestellen Telefone, Strafanzeige erstattet.

Großmutter tauschte Schlösser

Das war aber wohl nur die Spitze des Eisberges, wie am Montag vor Gericht deutlich wurde. Ein Schwager der Zeugin schilderte, dass der Angeklagte ein Hausverbot erhalten hatte, nachdem Geld aus einem Portemonnaie verschwunden war. Auch die Schlösser zur Wohnung der Seniorin seien ausgetauscht worden.

Die Großmutter habe „immer die Hand über den Angeklagten gehalten“, schilderte der 85-jährige Zeuge. „Das ist aus dem Ruder gelaufen“, meinte der Mann im Prozess weiter. Beispielsweise habe der Angeklagte „für eine halbe Fußballmannschaft“ Bekleidung und Fußballschuhe bestellt, die Rechnung sei an die 89-jährige Großmutter gegangen. Hatte der Vorsitzende Richter gehofft, durch möglich Aussagen des Angeklagten, das Verfahren abkürzen zu können, so wurde er enttäuscht. Der 25-Jährige machte von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Für einen weiteren Gerichtstermin wird der Richter nun Zeugen laden. Dabei will der Richter auch prüfen, ob sich das Verfahren mit weiteren anhängigen Verfahren gegen den Stadtlohner verbinden lässt.

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