Mal- und Zeichenbücher belegten im Corona-Jahr die Spitzenplätze bei den Sachbüchern. Insgesamt entwickelten sich die Ausleihzahlen im Pandemiejahr aber wenig erfreulich, so Büchereileiterin Daniela Kies. © Bücherei St. Otger
Büchereistatistik

Stadtlohner Leser verlegen sich im Corona-Jahr auf leichte Kost und meiden Krimis

Viel Zeit zum Lesen: Das Corona-Jahr hätte ein gutes Jahr für die Bücherei St. Otger sein können. Die Ausleihzahlen gingen aber deutlich zurück. Krimis und Reiseführer waren weniger gefragt.

Nervenzehrend war das Jahr 2020 und voller Probleme. „Da wollten viele Leserinnen und Leser offenbar lieber etwas Entspannendes, wenn sie zum Buch greifen“, vermutet Daniela Kies. Was genau die über 50.000 Büchereibesucher bei der Wahl ihres Lesestoffs bewegt hat, weiß die Leiterin der Bücherei St. Otger natürlich nicht. Aber sie kennt die Ausleihzahlen und die sprechen eine eindeutige Sprache.

„In früheren Jahren waren immer Krimis auf den vorderen Plätzen der Statistik zu finden“, sagt Daniela Kies. 2020 war das anders. „Das hat mich schon überrascht“, sagt die Büchereileiterin und fügt nachdenklich hinzu. „Das Corona-Jahr hat an sich schon wohl für Spannung genug gesorgt.“

Schmetterlingszimmer und der andere Himmel

Drei Frauenromane führen die Ausleihliste an und waren das ganze Jahr über immer wieder ausgeliehen. Schon die Titel verheißen Entspannung: Das Schmetterlingszimmer (von Lucinda Riley), Der andere Himmel (Renate Ahrens) und der Duft der weiten Welt (Fenja Lüders) „Es handelt sich eher um leichte Romane“, sagt Daniela Kies. Sie kann die Literaturauswahl nachvollziehen. „Probleme hatten die meisten im Corona-Jahr ja schon so genug.

Exakt 50.938 Besucher erfasste die automatische Zählanlage im Jahr 2020. Eine stolze Zahl. Doch für Daniela Kies ist diese Zahl kein Anlass zur Freude. Im Jahr zuvor fanden rund 12.000 Menschen mehr den Weg in die Bücherei. Und selbst die 63.000 Besucher des Jahres 2019 waren kein Bestwert, weil die Bücherei in dem Jahr wegen einer technischen Umstellung drei Wochen lang geschlossen war.

Gute Zahlen nur im Januar und Februar

2020 kam alles noch viel schlimmer. „Der Start ins Jahr war sehr erfreulich. Im Januar und Februar konnten wir noch ein dickes Plus verzeichnen“, sagt Daniela Kies. Dann kam der erste Corona-Lockdown, die Zahlen brachen ein. Sieben Wochen war die Bücherei im März und April geschlossen, eine weitere im Dezember.

Und gab es dann keinen Ansturm auf den Lesestoff, wo doch die Menschen pandemiebedingt mehr ans Haus gebunden sind? „Leider nein“, sagt Daniela Kies und nennt die Zahlen. Die Zahl der Bibliotheksnutzer, also die Stadtlohner, die mindestens einmal eine Ausleihe getätigt haben, sank 2020 unter die 2000er-Marke. 2019 wurden noch knapp 2200 Nutzer gezählt, im Corona-Jahr 2020 waren es nur noch 1949.

97.000 Ausleihen im Jahr 2020

Gut 97.000 Ausleihen listet die Jahresstatistik 2020 auf, darunter 32.000 Kinder- und Jugendbücher, 15.600 Romane und 15.900 Tonträger. Unterm Strich verzeichnet die Büchereileiterin ein Ausleihe-Minus von 17,3 Prozent. Dagegen verzeichnete die digitale Ausleihe vor allem im Frühjahr ein deutliches Plus. 11.200 Bücher wurden 2020 über Bibload entliehen, im Jahr zuvor waren es deutlich weniger als 10.000.

Bei den Sachbüchern ist das Minus noch größer als in der Belletristik. Mit 9178 Ausleihen sank die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um fast 25 Prozent. „Hier kommen zwei Entwicklungen zusammen“, sagt Daniela Kies. „Seit Jahren sind bestimmte Sachbuchbereiche tot, weil viele Fragen im Internet aktueller und schneller nachzulesen sind.“

Reiseführer nur fürs Münsterland gefragt

Aber es gibt auch bei den Sachbüchern einen Corona-Effekt: Reiseführer in alle Welt waren 2020 anders als in den Jahren zuvor gar nicht gefragt. Aber: Die Bücher „Glücksorte im Münsterland“, „Wandern im Münsterland“ und andere Ausflugstipps waren in der Bücherei gut nachgefragt.

Die drei Spitzenplätze im Sachbuchbereich aber belegten Mal- und Zeichenbücher. „Im Lockdown hat man ja mehr Zeit für solche Dinge“, sagt Daniela Kies. Danach folgt ein „Lokalmatador“: Das Buch „Ausgeheuchelt“ von Pfarrer Stefan Jürgens gehört zu den meist ausgeliehenen Sachbüchern in Stadtlohn.

Weniger Kinder finden den Weg in die Bücherei

Und was ist mit Spielen? Waren die kein Renner in Zeiten des Zuhausebleibens? „Leider auch nicht“, sagt Daniela Kies. Das Minus von 16,8 Prozent passt sich dem allgemeinen Nachfragerückgang an.

Was Daniela Kies aber am meisten Sorgen bereitet, ist der Rückgang bei den Nachwuchslesern. „2020 hatten wir sehr wenige Nutzer unter zwölf Jahren, nämlich 530. Im Jahr zuvor waren es noch 650.“ Auch hier sieht die Büchereileiterin verschiedene Ursachen. Coronabedingt mussten fast alle Klassenführungen abgesagt werden. „Das ist das A und O unserer Arbeit, dass wir die Kinder über die Schulen erreichen. Die Kinder kommen nicht mehr von allein in die Bücherei.“

Das galt auch schon in der Zeit vor Corona. Kies: „Die Kinder haben Nachmittagsunterricht und einfach weniger Zeit. Ich habe den Eindruck, dass der Druck in der Schule zunimmt. Da bleibt das Bücherlesen einfach zum Vergnügen zu oft auf der Strecke.“

Darum wollen Daniela Kies und ihr Team in diesem Jahr wieder mit dem Sommerleseclub und anderen Veranstaltungen ab Mai Lust aufs Lesen machen. Und was lasen die Kinder, die 2020 in die Bücherei kamen? Daniela Kies: „Da gibt es seit Jahren wenig Veränderung: Gregs Tagebuch von Jeff Kinney belegt sämtliche Spitzenplätze. Harry Potter ist auch noch immer beliebt.“

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Stefan Grothues

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