Stadtlohner in Neuseeland: Quarantäne zehrt auch im Paradies an den Nerven

dzCoronavirus in Neuseeland

Lia Heijnk aus Stadtlohn und ihr Freund Linus Moersener aus Gescher bereisen Neuseeland in Corona-Zeiten. Auch weitere Stadtlohner harren in Strandnähe in Quarantäne aus.

von Jürgen Schroer

Stadtlohn

, 20.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein knappes Jahr durch Neuseeland reisen, mit Jobs auf Plantagen die Reisekasse aufbessern, interessante Menschen kennenlernen und atemberaubende Landschaften sehen: So sieht ein traumhaftes Working-Holiday-Jahr aus. Monatelang haben die Stadtlohnerin Lia Heijnk, ihr Freund Linus Moersener aus Gescher und weitere Bekannte aus Stadtlohn genau das erlebt. Dann kam Corona. „Jetzt sind wir seit über fünf Wochen auf einem Campingplatz bei Greymouth isoliert und gehen einmal die Woche einkaufen“, berichtet der 19-jährige Linus Moersener. Auch wenn diese Art „Quarantäne“ in Strandnähe viele angenehme Seiten habe, zehre die Ungewissheit an den Nerven.

Geplanter Rückflug wurde annulliert

Der ursprüngliche Rückflug nach Deutschland wurde annulliert. Am 13. Juli, so die aktuelle Planung, will zumindest Linus von Auckland zurück nach Frankfurt fliegen. Bis dahin, so hoffen beide, möchten sie wieder reisen und arbeiten dürfen und noch einiges von der Südinsel Neuseelands sehen.

Stadtlohner und Gescheraner in Neuseeland (von links): Lia Heijnk, Michael Engelmann, Lennart Meinert, Linus Moersener, vorne: Vincent Hötzel.

Stadtlohner und Gescheraner in Neuseeland (von links): Lia Heijnk, Michael Engelmann, Lennart Meinert, Linus Moersener, vorne: Vincent Hötzel. © privat

Im September 2019 hat das Abenteuer Neuseeland für die jungen Leute begonnen. Die Gescheraner Linus Moersener und Michael Engelmann sind in Auckland auf der Nordinsel gestartet, zunächst als Tramper, dann mit einem gekauften Auto. Zwei Wochen arbeiteten sie auf einer Kiwi-Plantage. Ende Oktober holten sie Lia Heijnk vom Flughafen in Auckland ab und genossen erholsame Tage im schönen Küstenort Piha. Bei einer Working-Phase auf einem abgelegenen Hof lernten die Reisenden Dawid (21) aus Dresden kennen.

Gruppe reiste spontan von Campingplatz zu Campingplatz

Zu viert reiste die Gruppe anschließend weiter durch den Norden, erlebte im neuseeländischen Sommer schöne Strände, abgelegene Orte, Cape Reinga (nördlichster Punkt Neuseelands), riesige Sanddünen, eine Fahrt mit dem Auto auf dem berühmten Ninety Mile Beach. Linus Moersener: „Wir haben uns immer einen Campingplatz rausgesucht und sind so lange geblieben, bis wir weiterziehen wollten.“

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Mitte Dezember wurde es dann Zeit, wieder ein bisschen Geld zu verdienen. Lia und Linus haben auf einer Süßkartoffel-Farm Unkraut gerupft, Michael und Dawid jobbten wieder auf der Kiwi-Plantage. Weihnachten feierten die Deutschen im Hostel mit einigen Leuten aus Frankreich, Japan und Irland – im neuseeländischen Sommer.

Anfang 2020 lief die Reise noch wie geplant

Auch im Januar lief alles nach Plan. In Auckland holten Linus, Lia und Michael Vincent Hötzel (19, Stadtlohn) und Michaels Cousine Josi Schwarz vom Flughafen ab und erkundeten das Land gemeinsam mit einem Camping-Van. Viele Sehenswürdigkeiten, wunderschöne Landschaften und Erlebnisse haben sich den jungen Leuten ins Gedächtnis gebrannt, vom ersten Surfen über eine Wanderung auf dem Vulkanberg Taranaki bis zum Hot Water Beach, ein Strand mit heißen Quellen: „Da kann man sich bei Ebbe einen eigenen Whirlpool schaufeln, ein echtes Highlight“, berichtet Linus. Mit der Fähre ging es Anfang März auf die Südinsel, wo Lennart Meinert (19, Stadtlohn) angereist kam.

Stadtlohner Reisebüro organisiert Rückflug

Dann tauchte Corona am Horizont auf. Der für Anfang April geplante Rückflug von Lennart Meinert und Vincent Hötzel wurde abgesagt. Über ein Stadtlohner Reisebüro konnten die beiden einen Heimflug via Auckland und San Francisco organisieren.

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Wenige Tage später kam die Nachricht, dass auch Neuseeland in den Lockdown geht. Linus, Lia und Michael entschieden sich gegen eine kurzfristige Rückreise – das wäre mit hohen Verlusten verbunden gewesen, weil sich der Camping-Van in diesen Zeiten nur schlecht verkaufen lässt. Michael Engelmann fuhr nach Wanaka zu einem Hostel, Linus und Lia sind seitdem auf einem Campingplatz bei Greymouth. Linus Moersener: „Die Zeit schlagen wir tot mit Schnitzen, Malen, Gitarre und Ukulele spielen, Serien schauen, ab und zu am Strand spazieren oder joggen gehen, abends ein Feuer am Strand. Angenehmer könnte Quarantäne kaum sein, aber so langsam reicht es dann auch...“

Hoffnung auf Rückkehr zum „Working Holiday“ besteht noch

Mit seinen drastischen Maßnahmen möchte Neuseeland das Coronavirus eliminieren und ist dabei auf einem guten Weg. „Ende April ist das Land von Alarmstufe vier auf Stufe drei gegangen und erste Geschäfte dürfen wieder öffnen“, berichtet Linus. Er hofft, dass die Maßnahmen bald weiter gelockert werden und „Working Holiday“ wieder möglich wird. „Eigentlich schätzen wir uns mit unserer Situation vergleichsweise glücklich ein. Der größte Kummer ist die Ungewissheit“, sagt Linus Moersener , der ab August eine Tischler-Ausbildung machen möchte.

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