Stadtlohner hatte auf dem Handy kinderpornografische Videos gespeichert

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Szenen des Schreckens hatte ein 35-jähriger Stadtlohner auf seinem Handy gespeichert. Die Videos zeigten Vergewaltigungen von Kindern. Vor Gericht versuchte sich der Angeklagte in Ausflüchten.

Stadtlohn

, 07.06.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nur schwer zu ertragen war am Freitagmorgen die Verlesung der Anklageschrift, als ein Stadtlohner als Angeklagter vor dem Amtsgericht in Ahaus stand. Dem 35-Jährigen wurde vorgeworfen, Kinderpornografie besessen und verbreitet zu haben.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft schildert die Szenen des Grauens, die die Polizei auf dem Handy des Mannes gefunden hat. Videos zeigen, wie Kinder sexuell misshandelt und unter Schmerzensschreien vergewaltigt werden. Einige der Kinder waren nicht einmal zehn Jahre alt. Ein Video zeigte die Misshandlung eines etwa ein Jahr alten Kindes.

Ermittler fanden 37 kinderpornografische Videos auf dem Handy des Angeklagten

Weil von seiner IP-Adresse auf Facebook kinderpornografisches Material mit anderen per Messenger geteilt worden war, geriet der Stadtlohner, der als Schweißer arbeitet, ins Visier der Fahnder. Sein Handy wurde beschlagnahmt. Die Ermittler fanden darauf 37 Videos und viele weitere Bilder mit kinderpornografischem Inhalt.

Vor Gericht räumte der 35-Jährige den Besitz der kinderpornografischen Filme ein. Sie seien ihm von einem ihm unbekannten Mann zugeschickt worden. Er wisse auch nicht warum. Er habe nie darum gebeten. Und er habe die Filme nicht weiter verbreitet. Er habe sie nur von einem defekten Handy auf sein eigenes Zweithandy geschickt.

Angeklagter: „Ich wollte keine schlechten Dinge tun“

Der Angeklagte bestritt auch energisch, pädophil zu sein. Er selbst sei in seiner Kindheit Opfer eines Vergewaltigungsversuchs gewesen und habe die Angst erlebt. Und er sei auch psychisch krank und leide an Depressionen. Aber er habe nie selbst die Absicht gehabt, „schlechte Dinge“ zu tun.

Der Richter entgegnete: „Der Besitz der Videos ist schon ein schlechtes Ding.“ Warum er die Bilder denn nicht gelöscht habe, sondern sie sogar auf ein anderes Handy übertragen habe. Der Stadtlohner räumte ein, dass es ein Fehler gewesen sei, die Dateien nicht direkt zu löschen. Aber er habe sich ja auch viele der Videos gar nicht angeschaut. „Das war das erste und letzte Mal, dass ich solche Bilder hatte“, beteuerte der 35-Jährige.

Richter wirft dem Angeklagten Lügen vor

„Haben Sie denn das Video gesehen, auf dem ein Kind vergewaltigt wird, während es vor Schmerzen schreit?“, wollte der Richter wissen. Die Antwort des Angeklagten: „Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Ich schwöre bei Gott.“ Dabei blieb er auch auf mehrfaches Nachfragen des Richters. Dem platzte fast der Kragen: „Erzählen Sie keinen Quatsch. Ich glaube, Sie lügen. Niemand, der diese Bilder gesehen hat, vergisst das so einfach wieder. Man findet sie abstoßend – oder man hat Interesse daran.“

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Der Richter vermisste beim Angeklagten tiefere Einsicht in seine Fehler und ein vollumfängliches Geständnis. „Sie eiern um Ihre Fehler herum“, sagte der Richter zum Angeklagten. Und er fügte hinzu: „Wir haben ein großes Problem, weil Sie nicht einsehen wollen, dass Sie ein großes Problem haben.“

Neue Verhandlung im September

Der Richter wollte aber vor seinem Urteil mehr Klarheit. Wann und wie wurden die Dateien gespeichert? Wie oft wurden die Filme angeschaut? Nähere Erkenntnisse erhofft sich der Richter von der Vernehmung des Polizeibeamten, der gegen den 35-Jährigen ermittelt hat. Der Beamte war am Freitag aber nicht als Zeuge geladen. Darum hat der Richter nun einen neuen Hauptverhandlungstermin angesetzt, der voraussichtlich im September stattfinden wird.

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