Über 1800 Mal wurde der Fahndungsaufruf von Alexander Tenbrink innerhalb von 24 Stunden weiterverbreitet. Die Polizei sieht solche privaten Initiativen durchaus kritisch. © Stephan Rape
Autodiebstahl

Stadtlohner Autohändler sucht Betrüger mit privatem Fahndungsaufruf

Bei einer Probefahrt ist ein Käufer samt Auto am Dienstag verschwunden. Beim Händler hatte er sich mit gefälschten Dokumenten ausgewiesen. Der sucht nun auf eigene Faust nach dem Täter.

Alexander Tenbrink ist Opfer eines professionellen Betrügers geworden: Von einer Probefahrt mit einem gebrauchten VW Touareg kam der am Dienstag nicht mehr zurück. Der Mann ist verschwunden. Die Dokumente, mit denen er sich ausgewiesen hatte, waren gefälscht.

Telefonisch hatte sich der Interessent angemeldet und einen Termin für die Probefahrt vereinbart. Auch entsprechende Dokumente konnte er da vorlegen. „Nicht nur den Personalausweis, sondern auch Krankenkassen- und Bankkarte mit seinem Namen“, erklärt Alexander Tenbrink.

Wie üblich habe er auch online noch kurz nach der Person gesucht. „Ich habe ihn als Lohnunternehmer gefunden. So hatte er sich mir vorgestellt“, sagt er weiter. Daher ging er davon aus, dass alles schon seine Richtigkeit haben würde. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Sebastian Brammen führt er die TB Automobile GbR und handelt an der Boschstraße 25 mit Gebrauchtwagen.

Autokäufer soll mehrfach vorbestraft sein

Das böse Erwachen kam kurze Zeit später, als weder das Auto noch der Interessent zurückkamen. Alexander Tenbrink schaltete die Polizei ein. Und recherchierte nochmal online: Dabei stieß er auf einen Mann, der bundesweit seit Jahren Schlagzeilen macht, mehrfach wegen Betrugs und ähnlicher Delikte im Gefängnis saß und auch schon per „Aktenzeichen XY“ im Fernsehen gesucht wurde.

„Das war definitiv der Mann, der bei mir war“, sagt Alexander Tenbrink. Per Facebook hat er einen eigenen Fahndungsaufruf gestartet. Mit einem Bild des Mannes sucht er Hinweise und will auch andere vor Betrugsversuchen warnen. Über 1800 Mal wurde der Beitrag bis Mittwochmittag geteilt. „Bei mir haben sich schon viele andere Geschädigte gemeldet“, sagt Alexander Tenbrink.

Auch die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Sie prüft nun zuerst, ob es sich bei dem Verdächtigen tatsächlich um den mehrfach vorbestraften Mann handelt. „Das gehört zur laufenden Ermittlung“, sagt Dietmar Brüning von der Pressestelle der Polizei im Kreis Borken. Tatsächlich sei dieser Mann hinlänglich für gleichgelagerte Delikte bekannt.

Polizei rät dringend von privaten Fahndungsaufrufen ab

Alexander Tenbrink formuliert es deutlicher: „Das ist ein Berufsbetrüger“, sagt er. Seine Eigeninitiative sieht die Polizei zwiegespalten: „Wir raten Geschädigten immer, keine Fahndungsaufrufe zu veröffentlichen“, erklärt Dietmar Brüning. Das sei zwar nicht per se verboten. Gegen eine Täterbeschreibung etwa spreche erst einmal nichts.

Mit einem Foto nach einem Verdächtigen zu suchen, überschreite aber schon eine Grenze. „Das ist dünnes Eis“, sagt Dietmar Brüning. Etwa weil damit das Persönlichkeitsrecht des Gesuchten verletzt werde.

Ein bei Facebook veröffentlichtes und weiterverbreitetes Foto könne ja nie wieder gelöscht werden. Dagegen könne der Gesuchte später sogar klagen – und Schadenersatz fordern. Und noch grundsätzlicher: „Eine Fahndung ist unsere Aufgabe.“

Täterbeschreibung

Gesucht wird ein schwarzer VW Touareg mit dem Kennzeichen AH-TB 2020

Außerdem der Mann, der den Wagen gestohlen hat:

  • ca. 45- 50 Jahre alt,
  • ca. 180- 185 cm groß,
  • dunkle kurze Haare, normale Statur,
  • bekleidet war er mit einer schwarzen Jeans und einem schwarzen Pulli

Das Risiko geht Alexander Tenbrink ein, er hat sogar eine Belohnung für Hinweise ausgesetzt. Es gehe ihm gar nicht um den finanziellen Schaden. Bei dem 15 Jahre alten Auto sei der zu verschmerzen und auch versichert.

„Aber ich will, dass die Polizei den Typen kriegt und dass so etwas nicht nochmal passiert“, macht er deutlich. Für ihn ist klar, dass er die Sicherheitsmaßnahmen in Zukunft noch erhöhen will. Wie genau das aussehen soll, weiß er aktuell noch nicht. „Ich werde mir irgendwas einfallen lassen“, sagt er.

Und wenn Alexander Tenbrink bei der Probefahrt mit dem Mann im Auto mitgefahren wäre? „Darüber habe ich mich erst auch geärgert“, sagt er. Doch andere Geschädigte hätten ihn davor gewarnt.

Demnach habe der Täter in der Vergangenheit die Beifahrer aus dem Fahrzeug getrieben. Teils sogar mit Gewalt. „Ich bin also ganz froh, dass ich nicht mitgefahren bin“, so der Stadtlohner.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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