Alle Grundschulklassen in Stadtlohn werden ab Januar mit diesen Luftreinigungsgeräten ausgestattet. Dieses Bild entstand beim Probelauf in der Gescher-Dyk-Schule. © Manuel Kuschel
Coronavirus

Stadtlohn übernimmt Vorreiterrolle und stattet Schulen mit Luftreinigern aus

Die Entscheidung ist gefallen, die Bestellung ist raus: Alle 33 Stadtlohner Grundschulklassen werden mit Luftreinigungsgeräten ausgestattet, die Coronaviren aus der Luft filtern können.

Oliver Puthen freut sich. Eine gute Nachricht hat den Schulleiter der Gescher-Dyk-Schule am Dienstag (29. Dezember) erreicht: Die Stadt Stadtlohn nimmt viel Geld in die Hand und stattet alle 33 Klassenräume in den vier Grundschulen der Stadt mit Luftreinigungsgeräten aus. Sie sollen in der Lage sein, Aerosole und Coronaviren aus der Atemluft zu filtern.

Lob vom Schulleiter: Flott gehandelt

„Auch meine Schulleiterkolleginnen der anderen drei Grundschulen sind glücklich über die Entscheidung der Stadt“, berichtet Oliver Puthen. Er fügt hinzu: „Was ich klasse finde: Der Schulträger hat flott gehandelt und nicht lange gezaudert. Er hat eine Entscheidung getroffen, wie Schule sicherer und zum Wohle der Kinder gestaltet werden kann.“

Oliver Puthen, Leiter der Gescher-Dyk-Schule, freut sich über die Ausstattung der Grundschulen mit Luftreinigungsgeräten.
Oliver Puthen, Leiter der Gescher-Dyk-Schule, freut sich über die Ausstattung der Grundschulen mit Luftreinigungsgeräten. © Markus Gehring © Markus Gehring

Die Entscheidung haben sich die Stadtlohner Politiker aber nicht leicht gemacht, sagt Bürgermeister Berthold Dittmann. Er verweist darauf, dass die Bürgermeisterkonferenz im Kreis Borken bei diesem Thema sehr zurückhaltend reagiert habe und auch Fachleute den Nutzen der Geräte unterschiedlich bewerten.

Andere Städte warten noch ab

„Wir wollen natürlich keinen Aktionismus. Und wir wollen verantwortlich mit unseren finanziellen Mitteln umgehen“, sagt Berthold Dittmann. Letztlich böten die Luftreiniger aber die Chance, den Unterricht in den Grundschulen sicherer zu gestalten. Das wolle sich die Stadt auch etwas kosten lassen. Im Gespräch mit seinen Bürgermeisterkolleginnen und -kollegen, die noch abwarten wollen, hat er auf den demokratisch gefassten Beschluss des Stadtlohner Rates verwiesen. „Daran bin ich gebunden“, so Dittmann.

Bereits im November hatten UWG, FDP, Grüne und SPD gemeinsam einen Antrag eingebracht, 300.000 Euro für die Anschaffung von von mobilen Luftreinigungsgeräten bereitzustellen. Diesem Antrag stimmte am Ende auch die CDU zu. Diese Entscheidung war aber noch mit einem Prüfauftrag an die Verwaltung verbunden.

Diesem Prüfauftrag kam die Verwaltung unter anderem mit zwei Testläufen in der Gescher-Dyk-Schule sowie im Geschwister-Scholl-Gymnasium nach. Dabei machten sich auch Vertreter der Ratsfraktionen ein Bild von den Geräten im Format eines großen Kühlschranks.

„Wenn keiner spricht, dann hört man ein leises gleichförmiges Summen“, so beschreibt Schulleiter Oliver Puthen die Praxiserfahrung, die er mit seinen Kolleginnen teilt. Sein Fazit: „Die Geräuschentwicklung ist akzeptabel und stört den normalen Unterrichtsbetrieb nicht. Das nehmen wir für den zusätzlichen Schutz gerne in Kauf.“ Diese Einschätzung teile er auch mit den anderen Grundschulleiter-Kolleginnen in Stadtlohn. Beim Test am Gymnasium sei das Betriebsgeräusch mit ein wenig mehr Skepsis beurteilt worden, sagt der Bürgermeister.

„Mehr Sicherheit und warme Klassenräume“

Oliver Puthens Fazit aber lautet: „Die Geräusche sind weniger belastend als das Tragen der Masken, die wir den Schülern zumuten müssen. Die Masken werden wir auch weiterhin tragen. Und es wird auch weiterhin stoßgelüftet. Aber mit den Luftreinigern können wir in der kalten Jahreszeit die Temperatur in den Klassen besser halten und gleichzeitig mehr Sicherheit schaffen.“

40 Geräte hat die Stadt bestellt. „Sie sollen noch im Januar geliefert werden“, sagt Bürgermeister Dittmann. Kostenpunkt: knapp 100.000 Euro. Dazu kommen noch erhebliche Kosten im laufenden Betrieb, ganz abgesehen von den Stromkosten. Berthold Dittmann: „Wir müssen jährlich pro Gerät mit 500 bis 1000 Euro für Wartungsarbeiten und den Filteraustausch rechnen.“ Die Stadt will beim Land einen Förderantrag stellen. Die Erfolgsaussichten schätzt der Berthold Dittmann als nicht sehr hoch ein.

Entscheidung für weiterführende Schulen steht noch aus

Und was ist mit den weiterführenden Schulen in Stadtlohn? Bürgermeister Dittmann: „Wenn wir alle Klassen- und Fachräume in Stadtlohn mit Luftreinigern ausstatten, dann bräuchten wir insgesamt rund 150 Geräte. Diese Investition ist durch den Ratsbeschluss nicht gedeckt.“ Es sei aber ein „guter Weg“ mit den Grundschulen zu beginnen und dort Erfahrungen zu sammeln. Dittmann: „Wir werden das evaluieren und dann weitere Entscheidungen treffen.“

Auch Oliver Puthen hält es für sinnvoll, in den Grundschulen zu starten. „Für weiterführende Schulen ist es einfacher, Distanzunterricht zu organisieren.“ Außerdem könnten mit älteren Schülern Disziplin und Distanz besser eingehalten werden als in der Grundschule.“

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Stefan Grothues

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