„Seniorenbegleiter“-Kurs bringt drei junge Menschen zu ihrem Traumjob

Bianca Benning, Johannes van Almsick und Michelle sind über den Kurs "Seniorenbegleiter" zu ihrer Ausbildung gekommen. Gerade haben sie ihre Abschlussprüfung zur examinierten Altenpflegekraft absolviert. © Christiane Nitsche-Costa, Pflege
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Wenn Michelle Beuth von ihrem Job erzählt, klingt sie wie ein alter Hase. Dabei hat die 21-Jährige gerade erst ihre Abschlussprüfung zur examinierten Altenpflegekraft absolviert. Doch Michelle Beuth, Bianca Benning (20) und Johannes van Almsick (21) haben bereits mehr Erfahrung als viele ihrer Klassenkameraden in der Pflegeschule – sie waren Teilnehmer des ersten Kurses für „Junge Seniorenbegleiter“, der 2017 im St. Josef Senioren- und Pflegezentrum (SPZ) in Stadtlohn angeboten wurde.

Danach war für jeden der drei klar: Das wird mein Traumjob. Inzwischen ist es soweit, die Prüfungen laufen. Alle drei beenden zurzeit ihre Ausbildung im St. Josef SPZ. „Es ist wirklich interessant zu sehen, was bei diesen Kursen hängenbleibt“, sagt Einrichtungsleiter Ludwig Wübbelt.

Selbst mal im Rollstuhl durch die Stadt geschoben werden

Was auf den ersten Blick für den Betrachter vielleicht nach einem spaßigen Ausflug mit einer Schar kichernder und feixender 14- und 15-Jähriger aussieht, löst in den Schülern oft nachhaltige Eindrücke aus. Beispiel: Selbst mal im Rollstuhl durch die Stadt geschoben werden, oder im „Age Man“ am eigenen Leib die Einschränkungen erleben, die das Alter mit sich bringt. „Ich weiß noch gut, wie das war beim Ausflug mit den Rollstühlen“, erinnert sich etwa Johannes van Almsick. „Da lernt man etwas, was man so im Alltag nie kennenlernt.“

Er sei damals zunächst noch unsicher gewesen, was er später machen wolle. Bloß, dass es etwas mit Menschen sein solle, habe er gewusst. „Ich wollte mir erstmal mehr Wissen aneignen“, erzählt er. „Dann war ich total begeistert von dem Kurs.“ Kinaesthetik, Aromapflege – eine ganz neue Welt eröffnete sich ihm. „Wie man alten Leuten etwas Gutes tun kann“ – das habe ihn fasziniert. Johannes van Almsick entschloss sich zu einem Jahrespraktikum und anschließend für die Ausbildung.

Er würde jedem empfehlen, der sich für die Pflegeausbildung interessiert, zuvor diesen Kurs zu absolvieren. „Da hat man schon ganz viel Erfahrung gesammelt und gute Kontakte geknüpft.“

Offener und selbstbewusster geworden

Bianca Benning kann das nur bestätigen. „Dabei sind auch Freundschaften entstanden“, sagt sie. Für manchen ist der Kurs auch eine Gelegenheit, aus der eigenen Blase zu kommen. Denn hier kommen Schüler aus dem Gymnasium, von der Real- und der Hauptschule zusammen. Das Eis sei schnell gebrochen, finden alle. Bianca Benning hat zudem die Erfahrung gemacht, offener und selbstbewusster geworden zu sein. „Ich war damals zuerst schüchtern“, erinnert sie sich.

Vom ersten Tag an habe sie sich im St. Josef Senioren- und Pflegezentrum aber am richtigen Platz gefühlt. „Es war direkt eins“, sagt sie. Auch sie absolvierte ein Jahrespraktikum und setzte noch ein Bufdi-Jahr obendrauf, bevor sie in die Ausbildung ging.

Michelle Beuth hat auch im Umgang mit den Senioren festgestellt, dass der Kurs hilft, die Scheu abzubauen. „Ich fand es zuerst schwer herauszufinden, wie ich mit den älteren Menschen umgehe“, sagt sie. „Es sind ja Respektpersonen.“ Sie habe gelernt, den alten Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, mit einer neuen, anderen Art von Respekt. „So bin ich dann selbstbewusst und sicher in die Ausbildung gegangen.“

Kurs mit einem intensiven Praxisteil

Ludwig Wübbelt nickt. „In der Altenpflege geht es ganz viel um Beziehung, um Bindung“, erklärt er. Die rein körperliche Pflege sei eben nur ein Teil dessen, was Altenpflege leiste. Auch dies vermittle der Kurs. Nicht zuletzt darum gebe es einen intensiven Praxisteil. „Über die Seniorenbegleiter wird die Beziehung angebahnt.“

Schülerfortbildung „Jugend aktiv – junge Seniorenbegleiter“

  • 39 Unterrichtsstunden vor Ort, verteilt auf sechs Samstage im Spätsommer sowie ein anschließendes Praktikum von 20 Stunden mit Einsätzen im Alltag des St. Josef SPZs umfasst der Kurs, der von Erster Hilfe über Demenz und typische Alterserkrankungen bis zum Umgang mit Trauer auf alle Bereiche eingeht, die in der Arbeit und Begegnung mit alten Menschen wichtig sind.
  • Fachreferenten aus dem Pflegenetz Westmünsterland, von der Pflegeschule Ahaus und vom Ambulanten Hospizdienst Regenbogen leiten die Kurseinheiten. 2017 startete das Angebot, 2019 folgte ein zweiter Kurs.
  • Nach einer coronabedingten Pause soll er ab 26. August wieder stattfinden. Die Übergabe der Zertifikate findet am 4. November statt.
  • Integriert im Programm ist auch der Bereich der Nachbarschaftshilfe, so dass diese Qualifizierung auch vom Kreis Borken anerkannt wird. Somit können anschließend entsprechende Betreuungsleistungen gegen Vorlage des Zertifikats bei der Pflegekasse abgerechnet werden.
  • Info und Anmeldung: Ludwig Wübbelt, 02563 912-7710