Schulsozialarbeit gehört zum Schulkontext dazu – auch an Grundschulen

dzSchulen in Stadtlohn

Seit drei Jahren ist Svenja Rawert als Schulsozialarbeiterin an den Stadtlohner Grundschulen tätig. Nun soll es Verstärkung geben. „Das ist absolut sinnvoll", freut sich die Sozialpädagogin.

Stadtlohn

, 28.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Beratung und Betreuung von Kindern wird immer vielschichtiger – ebenso wie das Themenfeld, auch an Grundschulen. Als Stichworte dienen allein der Inklusions- und Integrationsgedanke. Um diese Aufgaben sicherstellen zu können, wird die Arbeit heute zunehmend multiprofessionell ausgeführt. Ein wesentlicher Baustein ist die Schulsozialarbeit – und die Stadt Stadtlohn will diese Arbeit an den vier Grundschulen ausbauen. Eine zweite Vollzeitstelle soll geschaffen werden.

Die aktuelle Schulsozialarbeiterin Svenja Rawert begrüßt diese Entwicklung, man habe „viel dafür gekämpft“: „Dann bestehen ganz andere Möglichkeiten, Schulsozialarbeit umzusetzen. An einem neuen Konzept arbeite ich derzeit, es könnte bestenfalls zum neuen Schuljahr – dann vielleicht schon mit der zweiten Kraft – umgesetzt werden.“

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Aktuell ist die Sozialpädagogin (B.A.) jeweils einen Tag an jeder Grundschule tätig, am Mittwoch folgen Angebote am Jugendwerk wie ein Kids-Treff. „Für die Kinder und Eltern sowie auch Lehrer wäre ich dann anders greifbar, die Arbeit zusammen liefe noch vertrauter. Jede Schule ist – wie jedes Kind auch – individuell anders. Da muss man sich drauf einlassen können“, erklärt sie den Bedarf.

Anbindung ans Jugendwerk sinnvoll

Für die Schulsozialarbeiterin ist diese Aufgabe eine Herzensangelegenheit. Schon in den Anfangsjahren des Stadtlohner Jugendwerks hatte sie als Praktikantin eine Basis aufgebaut, nach dem Studium war sie als Schulsozialarbeiterin in Südlohn tätig – dort an der Roncallischule. Als der Hauptschulstandort geschlossen wurde, hatte sich parallel die Chance in Stadtlohn ergeben – die Schulsozialarbeit für die Grundschulen wechselte vom JFB zum Jugendwerk.

„Für mich hat sich ein Kreis geschlossen, Eva Vehring als pädagogische Leiterin hat meine Laufbahn schließlich entscheidend mitgeprägt“, so die Stadtlohnerin. Die Anbindung an das Jugendwerk sei nicht nur wegen der räumlichen Möglichkeit zur Organisation von außerschulischen Angeboten sinnvoll. Auch das Feedback und die Kompetenz im Team seien eine große Hilfe.

Sozialtraining und Präventionsprojekte

Schwerpunkte der Schulsozialarbeit bilden neben der Beratung und Begleitung im Schulalltag die Teilnahme an Konferenzen, Krisenteam-Sitzungen oder auch Gesprächen mit externen Hilfen – ebenso bei Bedarf die Vermittlung und Begleitung zu außerschulischen Institutionen wie Beratungsstellen, Jugendamt oder auch Schulpsychologen. Angewiesen sei sie dabei auf die Initiative von Lehrern und Eltern. „An der weiterführenden Schule kommen Schüler mit Sorgen oder Problemen selbst auf mich zu, das ist bei Grundschülern anders.“

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Gerade deshalb starte sie in der ersten Klasse mit niederschwelligen Angeboten, um „Vertrauen zu schaffen“ und die „Beziehung zu stärken“. „Mit dem Sozialtraining sollen die Kinder gut an der Schule ankommen“, erklärt sie. Und so werde auch schnell das Eis gebrochen, sie werde als Teil der Schule wahrgenommen: „Es ist eine schöne Arbeit, da sie sehr positiv ist.“ Neben Problemen eines jeden einzelnen gebe es auch „Klassen-Krisen“, die es zu lösen gelte – gemeinsam mit dem Lehrer oder auch der Schulleitung.

„Ich möchte den Eltern die Hemmschwelle nehmen"

Ebenso bedeutsam sei es, sich am ersten Elternabend vorzustellen. „Die Eltern sollen ein Gesicht vor Augen haben“, berichtet sie. Sie nutzt die Chance, das große Feld der Beratungsangebote vorzustellen. Ein Beispiel sei die sogenannte Münsterland-Card. „Ich möchte den Eltern die Hemmschwelle nehmen, bei Bedarf auch Hilfe anzunehmen. Dafür bin ich schließlich da.“ Sie sollen erkennen, dass Probleme „normal sind“, man muss sie nur angehen. Einen Abschluss der Präventionsarbeit bildet in den vierten Klassen ein Handy- und Internet-Präventionsprojekt.

Schulsozialarbeit gehört zum Schulkontext dazu – auch an Grundschulen

© privat

Nicht minder bedeutend und zielfördernd seien die – auch bedarfs- und geschlechtsspezifischen – Angebote am Nachmittag am Jugendwerk oder auch in den Ferien „im privaten Kontext“. „Da lerne ich die Kinder noch besser kennen, der Rahmen und die Atmosphäre sind andere. Die Kinder sehen mich zwar als Teil des Teams, aber vor allem als unabhängige Person, die nicht benotet“, so Svenja Rawert.

Teil eines multiprofessionellen Teams

Für die 30-Jährige zählt die Schulsozialarbeit – auch im ländlichen Raum – heute zum Schulkontext dazu. Sie fühlt sich als Teil eines Teams aus Lehrern, Schulleitungen und Sozialpädagogen. „Wir wollen vor allem die Lehrer entlasten, damit diese ihrer Hauptaufgabe nachkommen können.“ Und so begrüßt sie ebenfalls, dass mittlerweile auch an der Herta-Lebenstein-Realschule oder auch am Geschwister-Scholl-Gymnasium Schulsozialarbeit geleistet wird.

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„Die Schulen und Schulträger erkennen den Bedarf. Das motiviert. Es wäre klasse, wenn zeitnah eine Lösung für die weitere Stelle gefunden würde“, betont Rawert, die aktuell in der Corona-Krise „viel Zeit in die Vorbereitung investieren“ könne. Gemeinsam könnte „noch mehr Arbeit geleistet werden, die den Kindern einfach gut tut“. Und: „Gerade in Notfällen könnte ich schneller reagieren.“

Sie wolle aber nicht nur „Feuerwehr spielen“ und reagieren, sondern vor allem aktiv und präventiv agieren: „Kinder, die Aufmerksamkeit erhalten, machen einfach gute Laune.“ Das gemeinsame Ziel sei, diesen unterstützend den Weg in die Zukunft zu ebnen...

Schulsozialarbeit wird ausgebaut

  • Seit 2012 wird an den Stadtlohner Grundschulen Schulsozialarbeit geleistet, zunächst durch das JFB, dem Träger der Offenen Ganztagschule. 2017 erfolgte die Anbindung an das Jugendwerk.
  • Aufgrund der erfolgreichen Entwicklung und des zunehmenden Bedarfs an multiprofessioneller Bildungsarbeit haben die vier Grundschulen gemeinsam einen Antrag auf Verdoppelung der Kapazitäten gestellt – und der Haupt- und Finanzausschuss folgte in seiner jüngsten Sitzung Anfang diesem Antrag.
  • Ab dem Schuljahr 2020/2021 soll je Grundschule der Stellenanteil für Schulsozialarbeit von 0,25 Stellen auf 0,5 Stellen angehoben werden (insgesamt von einer Vollzeitstelle auf zwei Vollzeitstellen).
  • Aus kommunalen Mitteln wird eine Stelle finanziert, die zweite aus Landesmitteln.
  • Die Kooperationsvereinbarungen für den Bereich der Schulsozialarbeit (für jede Grundschule) mit dem Fachbereich Jugend und Familie des Kreises Borken werden abgeschlossen.
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