Schrott ist Gold wert

Stadtlohn "Einhundert, zweihundert, dreihundert" - laut zählt die Mitarbeiterin hinter dem gesicherten Schalter die Geldscheine. Während sie sie dem Kunden auf der anderen Seite des Tresens überreicht, fährt bereits der nächste Kleinlaster die Rampe vor dem Gebäude der Stadtlohner Recycling GmbH hoch, um seinen Schrott loszuwerden.

10.07.2008, 18:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Schrott und Metalle wie Aluminium, Eisen, Kupfer und Messing sind Karsten Wintershoffs Geschäft. </p>

<p>Schrott und Metalle wie Aluminium, Eisen, Kupfer und Messing sind Karsten Wintershoffs Geschäft. </p>

Hochbetrieb herrscht auf dem Gelände der Firma. Hinter dem eingeschossigen Bau lässt Rob Oldenboom den Greifer seines Krans immer wieder in den Haufen aus Rohren, Wannen und Zäunen fassen und sortiert unter großem Krachen einzelne Teile aus. Jede Menge Stahlschrott und Metalle aus der Industrie, dem Handwerk, der Landwirtschaft und von Privaten kauft die Tochterfirma eines niederländischen Unternehmens mit Sitz in Eibergen jeden Tag auf und verarbeitet ihn zu exportfähigem Material weiter.

Geschäft boomt

Das Geschäft boomt: "Bis zu 340 Euro bringt derzeit eine Tonne im Eisenbereich auf dem Weltmarkt. Der Preis hat sich allein in den vergangenen drei Monaten verdreifacht", sagt der kaufmännische Betriebsleiter Karsten Wintershoff. Noch mehr ist für Metalle zu bekommen: Die Spanne reiche von 280 bis 5000 Euro pro Tonne. Auch wenn die gehandelten Güter derzeit hoch im Kurs stünden, reich werde ein Unternehmen wie die Recycling-Firma dabei nicht. "Für uns ist das ein großes Problem mit dem Preisanstieg", meint kaufmännischer Betriebsleiter Karsten Wintershoff. Der Grund: "Die Rendite ist weit katastrophaler als vorher. Jeder versucht, das Letzte rauszuholen - auch unter den Kollegen." Darüber hinaus müsse das Unternehmen in finanzielle Vorausleistung treten: "Während der Kunde das Geld von uns bar auf die Hand bekommt, müssen wir acht bis zwölf Wochen darauf warten, was mit hohen Verlusten einhergehen kann." Die bislang hohe Nachfrage auf dem europäischen und interkontinentalen Markt - Hauptabnehmer sind China und die Türkei - stagniere derzeit. Nicht abzureißen droht hingegen die Schar an Menschen, die etwas abzugeben haben: "Manchmal frage ich mich, woher sie das alles herholen." Wintershoff lacht. Erst heute hat er wieder kleine Becher aus einer Haushaltsauflösung bekommen, deren Wert er erst schätzen muss. Trotz der heiteren Episoden, die Wintershoff auch zu erzählen hat, insgesamt sei es ein Geschäft mit hohem Risiko - auch aus einem anderen Grund: Einbrecher.

Dreiste Diebe

Immer rabiater gingen die Diebe vor, würden sich ganzer Container bemächtigen. 60 000 Euro habe der Schaden im vergangenen Jahr betragen. Ein Schaden, den keiner ersetze. "Man hat schon Angst um die Stoffe, die auf dem Gelände lagern", meint Wintershoff und lässt den Blick aus dem Fenster schweifen. Das gesamte Gelände wird von Kameras überwacht, die Zäune sind mit Stacheldraht gesichert. Das Tor ist aus Eisen, damit kein LKW es durchbrechen kann. "Als die Preisexplosion kam, haben wir uns auch einen Hund angeschafft", berichtet Wintershoff.

Der darf seinen Zwinger erst verlassen, wenn die lange Schlange von Kleinlastern und Traktoren mit Anhänger, die am Eingang wartet, das Gelände wieder verlassen hat - und jeder seinen Schrott gegen Bares getauscht hat. kh

<p>Fingerspitzengefühl muss Rob Oldenboom - einer von neun Mitarbeitern der Stadtlohner Recycling GmbH - beweisen. Kleinste Teile wie Kochtöpfe gilt es aus dem Schrotthaufen auszusortieren. MLZ-Fotos (2) Herbers</p>

<p>Fingerspitzengefühl muss Rob Oldenboom - einer von neun Mitarbeitern der Stadtlohner Recycling GmbH - beweisen. Kleinste Teile wie Kochtöpfe gilt es aus dem Schrotthaufen auszusortieren. MLZ-Fotos (2) Herbers</p>

Lesen Sie jetzt