Schärfere Regeln für Landwirte

Neue Düngeverordnung

Seit einigen Wochen sind sie wieder unterwegs: Traktoren mit Güllebehältern im Schlepptau, die auf Äcker und Weiden den Frühjahrsdünger ausbringen. Während einige Stadtlohner Landwirte das Wetter immer besonders trifft, sind von der neuen Düngeverordnung alle betroffen. Der Bundesrat hat sie am Freitag verabschiedet. Nach jahrelanger Debatte.

STADTLOHN

, 03.04.2017, 18:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Problematisch ist es für unsere leichten Sandböden", sagt Heinrich Steggemann, Schweinehalter aus Stadtlohn, der sich seit rund 15 Jahren intensiv mit dem Thema Gülle beschäftigt. Einerseits trocknen sie nach Nässe schneller ab und können früher befahren werden, andererseits stellen sie auch grundsätzlich andere (mehr) Ansprüche an die Nährstoffversorgung. Für Steggemann geht es bei der Düngung mit Gülle oder Mist daher immer um die Balance - zwischen Ökologie (Umwelt- und Gewässerschutz) und Ökonomie. Und die könne eigentlich der Betrieb, der sich gut organisiert, sodass er nur so viel Düngemengen abgibt, wie rechnerisch gebraucht werden, auch halten.

Düngung im Herbst kaum möglich

Durch die Novellierung der Düngeverordnung aber werden schärfere Regeln bei den so genannten Wirtschaftsdüngern angelegt, was gerade wieder den leichten Böden (Sandböden) neue Widrigkeiten beschert. So soll die Sperrzeit für Ackerland vom Zeitraum nach der Ernte der Hauptfrucht bis zum 31. Januar gelten. Damit ist laut Steggemann die Düngung der Zwischenfrucht im Herbst praktisch kaum möglich. Die aber werde dringend als "Starthilfe" für die Pflanzen gebraucht.

Seine Grundsatzkritik an der neuen Düngeverordnung: "Insgesamt hat man es verpasst, die Vorzüglichkeit der wertvollen organischen Dünger gegenüber den mineralischen Dünger zu fördern. Langfristiges Ziel sollte es deshalb für alle Beteiligten sein, die Effizienz der Nährstoffverwertung auf dem Acker weiter zu verbessern - durch ständigen Erkenntniszugewinn. Dabei sollte es keine Rolle mehr spielen, ob die zur Düngung nötigen Nährstoffe einen mineralischen Ursprung haben oder aus einem Darm oder einer Biogasanlage stammen."

Schub für Strukturwandel

Für Stephan Wolfert, WLV-Vorsitzender Kreis Borken, sei mit der neuen Düngeverordnung zwar erreicht, dass "Schlimmeres verhindert werden konnte". Er sieht aber auch Anlass zur Kritik an den darin enthaltenen "Verschärfungen des Düngerechts": "Der Strukturwandel wird einen neuerlichen Schub bekommen", oder: "Das althergebrachte Prinzip der landwirtschaftlichen Kreislaufwirtschaft ist so teilweise passé". Das sind nur einige seiner Kritikpunkte. Ein wesentlicher Bestandteil des Düngepakets sei, so Wolfert, die Minimierung von Nährstoffverlusten. Eine entscheidende Frage im Pflanzenbau werde künftig lauten, weniger Nährstoffe zum optimalen Zeitpunkt gezielter an die Wurzel bringen, um Ertragsausfälle zu verhindern. Ein Ziel, das übrigens Heinrich Steggemann schon seit Jahren verfolgt.

Wetter und Bodenverhältnisse aber könnten dem Anliegen einen Strich durch die Rechnung machen, glaubt Stephan Wolfert. Heißt: Teurer mineralischer Dünger werde wohl den in der Tierhaltung anfallenden Dünger ersetzen, was wiederum neue Anforderungen im Stall nach sich ziehe. Zum Beispiel andere Fütterungsstrategien, um Nährstoffe zu minimieren. Wolfert und Steggemann sehen aber auch ein Mehr an Technik und Bürokratie und damit höhere Kosten auch auf kleinere Betriebe zukommen.

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