Reitverein Fortuna plant in Stadtlohn Gästehaus für 1,9 Millionen Euro

dzReittherapiezentrum

Der Reitverein Fortuna will am Losbergpark ein Gästehaus für fast zwei Millionen Euro errichten. Es soll 60 Schlafplätze bieten – nicht nur für Reiterferien, sondern auch für Radtouristen.

Stadtlohn

, 08.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Franz Marpert ist mal wieder Feuer und Flamme: Der Mentor des Stadtlohner Reittherapiezentrums spricht von einer „Vision für die ganze Region“ und von einem „Großbauprojekt“. In der jüngsten Ratssitzung stellte er zusammen mit Alfred Kramer, dem Vorsitzenden des Reitvereins Fortuna, seine Idee vom Johannes-Gästehaus vor. Bei den Politikern stieß die Idee auf viel Sympathie – und auf vorsichtige Zurückhaltung.

60 Übernachtungsplätze geplant

Was ist geplant? „Wir wollen Raum für Bildung und Erholung, für Versammlungen und pädagogische Arbeit, für Integration und Inklusion“, sagt Franz Marpert. Vor allem aber sollen 60 Übernachtungsplätze geschaffen werden. Das Angebot des Johannes-Gästehauses soll nicht nur Teilnehmern des Reittherapiezentrums offenstehen, sondern auch allen Stadtlohner Vereinen, Touristen und Besuchern der Stadt.

„Besonders während der Reiterferien wünschen sich die Teilnehmer, in der Einrichtung übernachten zu können“, sagt Franz Marpert. Seine Idee: „Da es in Stadtlohn keine Übernachtungsmöglichkeiten gibt, werden auch Touristen und Besucher das Angebot im Johannes-Gästehaus annehmen.“ Auch Übernachtungen von Kindergartengruppen und Schulklassen, die das reiterliche Angebot der Johannes-Reithalle nutzen können, seien denkbar.

Kiosk, Küche und Verwaltungsräume

Ein Kiosk, eine öffentliche Toilettenanlage, ein großer Versammlungsraum, der auch allen Stadtlohner Vereinen offen steht, eine Küche, Sanitäranlagen und eine Hausmeisterwohnung sollen das Projekt abrunden. Außerdem, so Franz Marpert, soll die Verwaltung des Johannes-Förderwerks und des Reitvereins Fortuna hier einziehen. Zurzeit ist die Verwaltung noch in der ehemaligen Johannesschule untergebracht, deren Gebäude heute von der Losbergschule genutzt werden. Marpert: „Ein Umzug ist zwingend erforderlich.“

„Der genaue Finanzbedarf für das Johannes-Gästehaus ist noch unklar“, sagte Alfred Kramer im Rat. Die ersten Kostenschätzungen beliefen sich aber auf 1,8 bis 1,9 Millionen Euro. Franz Marpert ist optimistisch, dass die Finanzierung über Stiftungsmittel und Zuschüsse gesichert werden kann. Marpert: „Erste Zusagen auf finanzielle Unterstützung des Bauvorhabens wurden bereits gegeben.“

Seit 40 Jahren Reittherapie in Stadtlohn

Franz Marpert und Alfred Kramer betonten im Rat, dass die Projektfinanzierung Hand und Fuß haben werde. „Wir haben ja schon drei bis vier Baumaßnahmen erfolgreich finanziert“, sagte Alfred Kramer. „Wir haben dabei mehr als eine Millionen Euro erfolgreich investiert“, ergänzte Franz Marpert. Sein Devise für das Gästehaus-Projekt: „Es muss eine Rendite dabei herausspringen. Wir müssen schwarze Zahlen schreiben.“

Das Reittherapiezentrum des Reitverein Fortuna bietet seit 40 Jahren in Stadtlohn Reittherapien und Reitstunden an. Seit 20 Jahren besitzt die Einrichtung die Anerkennung durch das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten. „Wir haben zurzeit 22 Angestellte, die umgerechnet elf Vollzeitstellen ausfüllen“, so Alfred Kramer.

Die Luftaufnahme zeigt gelbumrandet die Fläche, auf der das Johannes-Gästehaus errichtet werden könnte.

Die Luftaufnahme zeigt gelbumrandet die Fläche, auf der das Johannes-Gästehaus errichtet werden könnte. © Stadt Stadtlohn

Umgesetzt werden soll das Projekt in direkter Nachbarschaft zur Johannnes-Reithalle am Losbergpark. Es handelt sich um eine 1400 Quadratmeter große städtische Fläche im Bereich des ehemaligen Schießstandes des Verkehrsvereins und eines Teils der Vogelvolieren. „Es ist wichtig, dass wir einen Pachtvertrag abschließen. Nur wenn die Grundstücksfrage geklärt ist, haben wir die Möglichkeit, Fördermittel zu bekommen“, so Alfred Kramer.

Franz Marpert (l.) und Alfred Kramer vom Reitverein Fortuna wollen ein Gästehaus an der Johannes-Reithalle bauen.

Alfred Kramer und Franz Marpert vor dem Grundstück am Rande des Losbergparks, auf dem nach ihren Vorstellungen das Johannes-Gästehaus errichtet werden könnte. © Markus Gehring

„Wir müssen die Anträge jetzt stellen, die Zeit drängt“, erklärte Franz Marpert im Rat. Alfred Kramer: „Wir wollen das Projekt so schnell wir möglich umsetzen. Das wird im nächsten Jahr noch nicht gelingen. Aber wir wollen im nächsten Jahr mit dem Bau beginnen.“

Entscheidung des Rates steht noch aus

Eine Entscheidung über eine Verpachtung des Grundstücks hat der Rat aber noch nicht getroffen. Der Vortrag von Alfred Kramer und Franz Marpert diente nur einer ersten Information der Politiker.

„Sie sind mit so viel Herzblut dabei. Unsere Unterstützung für das Projekt haben Sie“, kündigte Erwin Plate für die UWG an. Die Frage der Finanzierung müsse aber geklärt werden. Plate: „Der Übernachtungsbedarf ist da. Ich hoffe, das Gästehaus und das Hotel, das an der Mühle entstehen soll, machen sich keine Konkurrenz.“

Helmut Stowermann (CDU) thematisierte auch den möglichen Hotelbau sowie die an anderer Stelle bereits in Bau befindliche Pension mit 18 Zimmern. „Haben Sie das in Ihre Rentabilitätsrechnung einbezogen?“, fragte er. Helmut Stowermann war auch nicht der einzige, der bezweifelte, dass die Summe von 1,9 Millionen Euro für ein Projekt der Größenordnung ausreichen werde.

„Der laufende Unterhalt muss gesichert sein“

Otger Harks (SPD) erklärte: „Die Finanzierung der Investition wird nicht das große Problem sein. Entscheidend ist der laufende Unterhalt und die langfristige Sicherung des Projekts. Richard Henrichs (Bündnis90/Die Grünen) sagte: „Wir müssen ganz genau wissen, was finanziell auf uns zukommt. Heute können wir schon sagen, dass wir das sehr ambitionierte Projekt mit Sympathie begleiten werden.“ Ähnlich äußerte sich auch Andrea Wiggering-Cirkel (FDP).

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Franz Marpert versprach im Rat: „Städtebaulich wird sich das Johannes-Gästehaus in den Strukturen und Angeboten bedarfsentsprechend, sportpolitisch und touristisch einladend, harmonisch und ergänzend in die neue Berkelpromenade einfügen.“

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