Quälen für den guten Zweck: 179 Kilometer durchs schöne Münsterland

dzQuäl-dich-Tour 2020

179 Kilometer und fast 8 schweißtreibende Stunden im Sattel. Anders aber ebenso anspruchsvoll führte die Quäl-dich-Tour 2020 nicht nach Norderney, sondern durchs schöne Münsterland.

Stadtlohn

, 21.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Samstag morgen 7.30 Uhr am Stadtlohner Busbahnhof. Die Sonne scheint und 19 Adrenalin geladene Männer in blauen Trikots stehen mit ihren Fahrrädern bereit. Das Tagesziel: 180 quälende Kilometer durchs Münsterland radeln. Nicht nur aus Spaß, sondern um möglichst viele Spenden für den guten Zweck zu sammeln.

Was vor 13 Jahren als Theken-Wette und mit klapprigen Holland-Rädern begann, wurde schnell zum Selbstläufer. Die Gruppe wuchs auf 24 Männer, die Ausrüstung wurde mit der Zeit besser und das Ziel, fortan jedes Jahr innerhalb eines Tages nach Norderney zu radeln, bekam den Namen: Quäl-dich-Tour.

Seitdem haben die Stadtlohner zusammen über 114.000 Euro Spenden für den Förderverein des Hospizes in Stadtlohn, die Dieter Bauer Stiftung und Aktion Kind gesammelt.

Anders als sonst sind die Männer in diesem Jahr nicht nach Norderney sondern durchs Münsterland gefahren.

Anders als sonst sind die Männer in diesem Jahr nicht nach Norderney sondern durchs Münsterland gefahren. © privat

Jetzt erst Recht

Wegen der Corona-Pandemie musste die klassische Tour nach Norderney zwar abgesagt werden, aber alle waren sich einig: „Wir fahren trotzdem!“ Jetzt erst recht, denn ohne Tour keine Spenden. „Und die werden gerade jetzt besonders gebraucht“, meint Matthias Geuking, der schon seit vielen Jahren dabei ist.

„In diesem Jahr haben alle trainiert wie noch nie“, erzählt er. Wegen des Lockdowns war Zeit, ausgiebig die umliegenden Landschaften zu erkunden. Dabei wurde schnell klar: Unsere Heimat hat landschaftlich einiges zu bieten.

Deshalb fuhren die Männer an diesem Samstag durch die Baumberge in Coesfeld, aber auch durch Städte wie Borghorst oder Billerbeck. Nach einer Stärkung bei Else am See ging es am Drilandsee in Gronau vorbei und dann auf dem Weg, der sonst nach Norderney hin führt, wieder zurück Richtung Heimat.

Von den 24 festen Mitgliedern der Quäl-dich-Tour konnten in diesem Jahr 19 mitfahren.

Von den 24 festen Mitgliedern der Quäl-dich-Tour konnten in diesem Jahr 19 mitfahren. © privat

„Wir sind heute durch wunderschöne Ecken im Münsterland gefahren“, sagt Ralf Ottinger, der gemeinsam mit drei weiteren die Route geplant hat. „Viele kannten so schöne Orte wie den Quendorfer See noch gar nicht.“ Highlight für die meisten war aber die fast 40 Kilometer lange, alte Bahntrasse zwischen Coesfeld und Rheine.

Geschafft

Als die 19 Radfahrer und ihre zwei Servicewagen um Punkt 17.18 Uhr auf den Marktplatz in Stadtlohn fahren, ist sie geschafft, die Quäl-dich-Tour 2020. Tagesbilanz nach fast zehn Stunden: 179 gefahrene Kilometer, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 26,4 km/h, keine Unfälle, nur ein platter Reifen und viele Rötungen wegen der Eichenprozessionsspinner in den schönen Eichen-Alleen auf dem Weg.

Nach 179 Kilometern auf dem Fahrrad kamen die Männer der Quäl-dich-Tour sichtlich zufrieden auf dem Stadtlohner Marktplatz an.

Nach 179 Kilometern auf dem Fahrrad kamen die Männer der Quäl-dich-Tour sichtlich zufrieden auf dem Stadtlohner Marktplatz an. © Christin Lesker

Berge und Städte haben die Radfahrer ziemlich gefordert. „Wir mussten uns sehr konzentrieren“, erklärt Johannes Göllmann, der schon seit 2011 dabei ist. Deshalb freuen sich alle über ein kühles Bier auf dem Stadtlohner Maktplatz. Aber es fällt auf: Niemand sieht richtig abgekämpft aus. „Das Corona-Training hat uns gut vorbereitet. Und es war eben keine Quäl-dich-Tour Norderney“, meint Matthias Geuking und denkt an weitere 60 Kilometer und den Küstenwind, der sonst jetzt noch vor ihnen läge.

Der gute Wille im Mittelpunkt

„Das Münsterland ist schön, aber nächstes Jahr geht es wieder nach Norderney“, meint Matthias Geuking und lächelt. Zwar hat Corona die Route der Tour in diesem Jahr geändert, aber der Kern der Sache bleibt der Gleiche. Denn unabhängig vom Ziel rückt die Quäl-dich-Tour einmal im Jahr den guten Willen in den Mittelpunkt.

Seit Januar haben die Männer Spenden bei Firmen und Privatpersonen gesammelt. Die genaue Spenden-Summe wird zwar erst bei der Checkübergabe im September bekannt gegeben, aber dass die Quäl-dich-Tour stattfinden konnte, ist schon ein Erfolg. „Es geht eben nicht jedem so gut wie uns. Institutionen wie das Hospiz sind auf Spenden angewiesen“, findet Matthias Geuking “gerade jetzt.“

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