Quadrat im Owweringpark: Kreidestriche beschädigen Kunstpatina

Kunst in Stadtlohn

Kinder haben ein Kunstwerk im Owweringpark in Stadtlohn mit Kreide bemalt. „Böse Absichten steckten wohl nicht dahinter“, sagt der Künstler. Doch den Schaden beziffert er auf 1000 Euro.

Stadtlohn

, 18.08.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Walter Witteks Kunstwerk „Großer Zugang II (Hommage à Josef Albers)“ im Owweringpark ist mit Kreide bemalt und worden. Dabei wurde der Edelrost in Mitleidenschaft gezogen.

Walter Witteks Kunstwerk „Großer Zugang II (Hommage à Josef Albers)“ im Owweringpark ist mit Kreide bemalt und worden. Dabei wurde der Edelrost in Mitleidenschaft gezogen. © Stefan Grothues

Gravitätisch ruht das rostrote stählerne Quadrat mit Spitze im Owweringpark. Dort wurde es im vergangenen Jahr im Rahmen der großen Stadtlohner Skulpturenschau „Kunststation 2019“ aufgestellt. Der Vredener Künstler Walter Wittek gab ihm den Titel „Großer Zugang II (Hommage à Josef Albers)“ und erinnert an den großen Künstler, der vor dem Ersten Weltkrieg zeitweise als Lehrer in Stadtlohn arbeitete.

„Kinder wollten wohl kreativ sein“

Ein wenig von seiner zeitlosen Würde hat das Kunstwerk nun aber eingebüßt. Offensichtlich Kinderhände haben das Quadrat mit Ölkreide bemalt. Künstler Walter Wittek ist nicht empört. „Böse Absichten steckten wohl nicht dahinter“, sagt er. „Die Kinder wollten wohl kreativ sein.“

Am schönsten fände er es, wenn sich die Kreidemaler melden und selbst mit Hand anlegen würden bei der Säuberung des Kunstwerks. „Ich würde natürlich auch selbst mithelfen“, sagt er. Er fürchtet aber, dass eine Handreinigung am Ende nicht ausreicht. Vermutlich müsse das Werk ganz abgestrahlt werden, um die Spuren zu beseitigen. Wittek: „Das kostet schnell mal mehr als 1000 Euro.“

Der Künstler als „Rostzüchter“

Als Künstler möchte Walter Wittek, dass sein Kunstwerk so aussieht, wie er es geschaffen hat. Doch die Wachskreide hinterlässt dauerhafte Spuren in der rost-braunen Patina. „Rost hat ja oft einen negativen Touch“, sagt Walter Wittek. Doch auf seinen stählernen Skulpturen bildet die Korrosion als Edelrost einen Schutzmantel, der zugleich wesentliches Gestaltungsmerkmal ist. Wittek: „Der Rost ist wie ein farbiges Bild mit roten, braunen, grünen, gelben und sogar violetten Pigmenten.“

Dr. Ingo Bartsch, ehemaliger Leiter des Museums am Ostwall in Dortmund, bezeichnete Walter Wittek gar als „Rostzüchter“. Nach dem Wittek das stählerne Quadrat im vergangenen Jahr in Stadtlohn aufgestellt hatte, fuhr der Künstler täglich zum Owweringpark, um sein Werk mit Wasser zu begießen, damit sich der Rost so entwickelte, wie er es sich vorgestellt hatte. „Im Rost ist Leben“, sagt Walter Wittek.

Noch kein Stifter gefunden

Ob das Quadrat überhaupt eine Zukunft in Stadtlohn haben wird, ist ungewiss. „Es hat sich noch kein Stifter gefunden“, sagt Walter Wittek. Er würde sich freuen, wenn es in Stadtlohn bleiben könne, schließlich habe er es dem großen Künstler Josef Albers gewidmet.

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Er hoffe, dass es noch stärker ins Bewusstsein eindringe, dass einer der größten Künstler des 20. Jahrhunderts zeitweise in Stadtlohn gelebt und gearbeitet habe. Nach seiner Emigration in die USA habe Albers dort eine ganze Künstlergeneration mitgeprägt. Walter Wittek: „Das Quadrat steht ja im Mittelpunkt des Schaffens von Josef Albers. Auch ich stehe dem Quadrat von Josef Albers sehr nahe.“

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