Neues Konzept für Wirtschaftswege in Stadtlohn

dzWorkshop

Für Landwirte sind sie lebensnotwendig, Spaziergänger und Fahrradfahrer nutzen sie zur Erholung: Im Rathaus wurde über die Zukunft der Wirtschaftswege in Stadtlohn diskutiert.

Stadtlohn

, 17.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Christoph Hessel von der Landwirtschaftskammer hat in der vergangenen Woche vor Ortslandswirten und Mitgliedern des Wegeausschusses der Stadt sowie der Bezirksregierung und allen Interessierten ein Soll-Konzept der Wirtschaftswege in Stadtlohn vorgestellt.

Es enthält Handlungsempfehlungen für die Stadt, wie die touristische Nutzung der forst- und landwirtschaftlichen Wege funktionieren kann und wie die Wege sinnvoll ausgebaut werden können. „Es soll gar keine großen Veränderungen geben. Vielmehr wurde die Funktionalität geprüft, ob der Bestand ausreichend ist. Oder ob vielleicht an manchen Stellen nachjustiert werden muss“, berichtete Mathias Pennekamp, Fachbereichsleiter Planen, Bauen und Umwelt.

„Es gab Gesprächsbedarf“

Schon im Mai hatten Betroffene bei einer Bürgersprechstunde die Möglichkeit, ihre Wünsche für die Wirtschaftswege zu äußern. „Es gab Gesprächsbedarf“, sagte Hessel zum Einstieg. Den Fragen der Stadtlohner Bevölkerung lag eine Vorstellung des Ist-Zustandes der Wirtschaftswege vom April dieses Jahres zugrunde.

Jetzt lesen

Wer sich die aktuelle Lage der Wirtschaftswege anschauen will, wird auf einer Karte der Stadt fündig. Dort sind die jeweiligen Wege farblich erkennbar und voneinander unterschieden in verschiedenen Kategorien nach ihrer Funktionalität, ihrem Zustand und Ausbauarten dargestellt. Und dort ist gut zu erkennen, dass die meisten Pfade multifunktional genutzt werden.

Christoph Hessel von der Landwirtschaftskammer freute sich, dass viele dieser Wirtschaftswege gut genutzt würden, beispielsweise am Südlohner Esch und im Bereich der verlängerten Hegebrockstraße, während in Estern einige Wege von ihrer Bedeutung her abgestuft worden seien. In Estern ist zudem auch ein neuer Pfad geplant, der von Almsick nach Estern führen soll.

Starkes Netz in Hundewick und Hengeler

Gut geführt seien die Wirtschaftswege, die jenseits der alten B 70 am Abzweig nach Vreden verlaufen, erläuterte Hessel. Als ökologisch wertvoll stufte er den Weg an der Schreinerei Elsing in Estern ein, die außerdem Fuß-, Reit- und Radwege zur alten Almsicker Schule und das Vredener Footpättken.

Auch Privatwege, wie die des Fürsten Salm-Salm wurden in die Bewertung mit eingeschlossen. Ein starkes Netz mit höherwertigen, gut ausgebauten Wegen, auf denen sogar Buslinien fahren, finde man in Hundewick und Hengeler vor, erklärte Hessel, der auch Referent für Agrarstruktur und Landesplanung ist.

Neue Wirtschaftswege in Hengeler?

In Hengeler gibt es außerdem die Überlegung, zwei neue Wirtschaftswege zu errichten. Diese sollen von der L572 jeweils in östlicher und westlicher Richtung angelegt werden. „Das könnte Sinn machen. Man muss allerdings bedenken, dass neue Routen auch neuen Verkehr schaffen“, sagte Heinrich Große Leisner aus dem Vorstand des Landwirtschaftlichen Ortsverband Stadtlohn.

Neues Konzept für Wirtschaftswege in Stadtlohn

Christoph Hessel (r.) stellte zusammen mit Claudia Althaus (m) und Mathias Pennekamp (l.) von der Verwaltung das Soll-Konzept der Wirtschaftswege vor. © Susanne Dirking

Die Lage ist folgende: Ein Weg ist auf dieser Strecke bereits vorhanden, dieser ist jedoch zu schmal und für viele Landwirte zudem ein Umweg. „Dementsprechend ist die Frage, ob man diesen Weg ausbaut oder einen neuen schafft. Ziel ist es, die funktionale Schwäche, die hier besteht, abzumildern“, meinte Mathias Pennekamp.

Konzept ist ein Entwurf – nicht mehr

Das Konzept schließt mit einer Handlungsempfehlung ab, die als Grundlage für weitere Entscheidungen der Kommunalpolitik dienen soll: „Das ist für mich ganz wichtig: Bei dem Konzept handelt es sich nicht um konkrete Änderungen, sondern um einen Entwurf, der ständig weiterentwickelt werden kann“, sagte Christoph Hessel.

In der Veranstaltung betonte der Referent für Agrarstruktur und Landesplanung, dass als Ausbauart der einzelnen Wege Asphalt nicht immer notwendig sei. Dagegen sei die Instandsetzung schadhafter Asphaltwege angebracht, erläuterte Christoph Hessel.

Neues Konzept für Wirtschaftswege in Stadtlohn

Auch der Hessweg wird landwirtschaftlich genutzt. © Markus Gehring

Bürger-Sprechstunde im Rathaus

Wie geht es jetzt weiter? Am 21. November findet von 9 Uhr bis 12 Uhr und von 15 Uhr bis 17.30 Uhr im Raum 228 des Rathauses eine öffentliche Sprechstunde mit Christoph Hessel statt. Hier können Ideen und Anregungen zum Soll-Konzept dargelegt werden.

„Die Erkenntnisse aus der öffentlichen Sprechstunde werden dann ausgewertet und sind Thema in einer der nächsten Sitzungen des Bauausschusses. Ich denke, im ersten Quartal des kommenden Jahres können wir dann ein konkretes Konzept entwickeln und dieses dann dem Rat vorstellen“, sagte Mathias Pennekamp.

Anschließend will der Rat das Konzept prüfen und konkrete Maßnahmen beschließen. Für die Finanzierung von neuen oder dem Ausbau von vorhandenen Wegen gibt es entsprechenden Topf beim Land, der angezapft werden kann. „Grundsätzlich ist jetzt erstmal der Grundstein gelegt und die Arbeit geht erst richtig los“, sagte Heinrich Große Liesner.

Ergebnisse und Projektschritte

  • Die Ist-Analyse im April dieses Jahres erbrachte folgendes Ergebnis: Kategorie B (multifunktionale Wege) 95,2 Kilometer; C (Land- und Forstverkehr (LuF)) 10,9; D (LuF und Fußgänger) 2,5; E (Erschließung einzelner Anlieger) 12,7; F (Einzelinteresse) 24,5; G (Einzelflächenerschließung) 39,7; H (nicht mehr vorhandene Wege) 8,0; I (Fuß-, Reit- und Radwege) 1,7.
  • Nach visuell-sensitiver Einschätzung des Referenten sind auf 1,5 Kilometern eine Gesamtsanierung und auf 22 Kilometern Einzelmaßnahmen erforderlich. 171 Kilometer Strecke seien gemäß Funktion „in Ordnung“.
  • Auf dieser Seite sind die unterschiedlichen Kategorien der Wirtschaftswege erklärt.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt