Neuer Lauf der Garwerts Mähre nutzt der Natur und dem Gewerbe

dzMillionen-Projekt

Die Pläne für die Garwerts Mähre in Stadtlohn klingen nach der Quadratur des Kreises: Naturschutz, der vor Hochwasser schützt und mehr Platz für das Gewerbe schafft. Der Haken: Es wird teuer.

Stadtlohn

, 18.06.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Garwerts Mähre in Stadtlohn ist ein Bachlauf, dem in den letzten 60 Jahren aus ökologischer Sicht übel mitgespielt wurde. Jetzt soll zumindest ein Abschnitt wieder in ein natürliches Fließgewässer umgewandelt werden. Der Naturschutz ist ein Motiv, aber nicht das einzige. Gleichzeitig will die Stadt aber auch eine Erweiterung des Gewerbegebietes ermöglichen und das Kanalnetz für den Hochwasserfall entlasten.

Stadt muss 1,7 Millionen Euro investieren

Die Stadt lässt sich das 1,7 Millionen Euro kosten. Das Problem: Wasserbau-Ingenieure haben errechnet, dass die verrohrte Garwerts Mähre in der Innenstadt nicht für Hochwasserprobleme verantwortlich ist. Die Rohrleitungen seien groß genug, um mit einem statistisch gesehen alle 100 Jahre auftretenden Hochwasserereignis fertig zu werden.

Aus diesem Grund kann die Stadt nicht wie ursprünglich erhofft eine 60-prozentige Förderung vom Land erwarten. Sie muss das teure Vorhaben komplett aus eigenen Mitteln finanzieren. Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein, die Fertigstellung im nächsten Jahr.

Garwert Mähre in der Innenstadt seit über 60 Jahren verrohrt

Früher floss das Bächlein Garwerts Mähre von Süden kommend offen durch die Stadt. In den Jahren 1956 bis 1958 wurde das Gewässer im Innenstadtbereich komplett verrohrt. Sie musste aus dem Stadtbild verschwinden, weil sie bei der Entwicklung von Wohn- und Gewerbegebieten störte. Nur noch der Ausfluss an der Berkelmühle erinnert an den versteckten Bach.

Dieses Luftbild zeigt den heutigen Verlauf der Garwerts Mähre am südlichen Stadtrand Stadtlohns.

Dieses Luftbild zeigt den heutigen Verlauf der Garwerts Mähre am südlichen Stadtrand Stadtlohns. © Geodaten Kreis Borken

Vor den Toren der Stadt wurde der vormals natürliche Bachlauf in einem schnurgeraden und tief eingeschnittenen Bett kanalisiert. Dieser Verlauf soll jetzt zwischen Westfalenring und Schulweg wieder natürlich gestaltet und nach Osten verlegt werden.

Künftig soll sich die Garwerts Mähre mit neuem Verlauf wieder natürlich schlängeln.

Künftig soll sich die Garwerts Mähre mit neuem Verlauf weiter östlich wieder natürlich schlängeln. © Stadt Stadtlohn

Stefan Koenen von der Ingenieurgesellschaft Tuttahs und Meyer stellte jüngst die Planungen im Detail dem Planungs- und Bauausschuss vor: Der Bach erhält in seinem Bett mehr Bewegungsfreiheit. Es werden Retentionsräume geschaffen, also Bereiche, die bei einem Hochwasser überflutet werden. Alte Gewässerstrukturen werden wieder aufgegriffen und dem Gewässer wird in einer naturnahen Aue Raum zur ökologischen Entwicklung gegeben.

Gewerbegebiet kann um sieben Hektar wachsen

Die Verlegung der Garwerts Mähre erlaubt auch die dringend benötigte Erweiterung des Gewerbegebietes Westfalenring, das an die Gewerbeflächen Thyssenstraße/Borsigstraße anschließt. „Das Gewerbegebiet kann auf diese Weise brutto um sieben Hektar erweitert werden“, erklärte Fachbereichsleiter Mathias Pennekamp im Bauausschuss.

Die Garwerts Mähre (rechts) fließt in unmittelbarer Nähe zu den Gewerbeflächen an der Borsigstraße und an der Thyssenstraße (l.).

Die Garwerts Mähre (rechts) fließt in unmittelbarer Nähe zu den Gewerbeflächen an der Borsigstraße und an der Thyssenstraße (l.). © Markus Gehring

Die Renaturierung schafft zudem natürliche Puffer, die das Wasser bei Starkregen zurückhalten. Das, so Mathias Pennekamp, sei ein wichtiger Aspekt bei zukünftigen Baugebietserschließungen.

Öffnung der Garwerts Mähre in der Innenstadt ist unrealistisch

Und wie wäre es, wenn man die Garwerts Mähre im Innenstadtbereich aus ihrem Rohrkorsett befreien würde? Möglicherweise sogar mit einem neuen Verlauf um die Innenstadt herum führen würde? Erwin Plate (UWG) und Franz-Josef Demes stellten im Bauausschuss entsprechende Fragen. Die Experten halten diese Optionen für nicht realistisch. Mathias Pennekamp: „Eine Verlegung der Garwerts Mähre um die Innenstadt herum wurde schon diskutiert. Das funktioniert aber von den Höhenverhältnissen her nicht.“

Wasserbauexperte Stefan Koenen erklärte im Ausschuss, dass auch eine Offenlegung der Garwerts Mähre in der Innenstadt nicht möglich sei. „Die Offenlegung braucht Breite oder einen sehr tiefen Einschnitt. Das ist nicht machbar.“

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