Die Hünenburg als jahrhundertealtes Bodendenkmal Stadtlohns ist in Gefahr. Durch Mountainbiker droht die historische Wallanlage im Bockwinkel zu verschwinden. Deshalb drohen nun Verbote.

Stadtlohn

, 14.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was aussieht wie ein paar Erderhöhungen im Bockwinkel, ist in Wahrheit ein uraltes Bodendenkmal. Eine Anlage, die eine Geschichte aus dem 8. Jahrhundert erzählt. Doch zu wenige wissen um diesen Schatz im Stadtlohner Wald.

Durch ihre Wälle ist der Wald im Bockwinkel vor allem für Mountainbiker ein beliebtes Ziel geworden und so ist das Bodendenkmal seit einiger Zeit massiv bedroht. Um diesen historischen Schatz zu schützen, sollen deshalb bald Verbote her.

„Die Hünenburg ist etwas sehr Besonderes“, weiß Ulrich Söbbing. Er ist Vorsitzender des Heimatvereins, Stadtarchivar und ehrenamtlicher Denkmalbeauftragter in Stadtlohn. Gemeinsam mit einem kleinen Team setzt er sich für den Erhalt der bedrohten Ringwallanlage ein.

Eine Hinweistafel zur Hünenburg steht schon jetzt im Bockwinkel. Gemeinsam setzt sich das Team für ein größeres Bewusstsein um die Ringwallanlage ein.

Eine Hinweistafel zur Hünenburg steht schon jetzt im Bockwinkel. Gemeinsam setzt sich das Team für ein größeres Bewusstsein um die Ringwallanlage ein. © Christin Lesker

Die Größte ihrer Art

Mit einer Fläche von acht Hektar im äußeren Ring ist die Hünenburg die größte ihrer Art im westlichen Münsterland. Ihren Namen tragen diese alten, aus Erde und Holz erbauten Burgen, weil sie so groß sind, dass man glaubte nur ein Hüne, also ein Riese, könne sie errichtet haben.

Eine Kupfertafel mit dem Grundriss der Hünenburg erinnert im Bockwinkel bereits an das jahrhundertealte Bodendenkmal.

Eine Kupfertafel mit dem Grundriss der Hünenburg erinnert im Bockwinkel bereits an das jahrhundertealte Bodendenkmal. © Christin Lesker

Wer genau die Hünenburg errichtet hat, ist nicht ganz klar. Man geht davon aus, dass sie während der Frankenkriege eine Burg der Sachsen war. Der Standort punktete durch die Nähe zum Wasser der Berkel und die schwere Zugänglichkeit bot Vorteile in der Verteidigung.

1950 hat es an der ehemaligen Toröffnung der Anlage einmal größere Ausgrabungen gegeben. Damals hat man Scherben und Pflastersteine gefunden, die sich auf das Jahr 800 n. Chr. datieren lassen.

Zerstörerischer Teufelskreis

Schon in Karten aus dem 16. Jahrhundert lässt sich die Form der Hünenburg erkennen. Ein kleiner innerer Ring von 1,6 Hektar und ein großer äußerer von acht Hektar. An der Form hat sich in all den Jahrhunderten nichts geändert. Trotzdem leidet das Bodendenkmal. Vor allem unter der steigenden Befahrung durch Mountainbiker. „Mountainbiker tragen beim Fahren den schützenden Oberboden ab“, erklärt Claudia Volbers das Problem. Sie ist bei der Denkmalbehörde beschäftigt.

v.l: Ludger Konrad, Claudia Volbers, Ulrich Söbbing und Heinrich Bockwinkel auf einem der höchsten Punkte des Walls. Über die bis zu sechs Meter hohen Hügel fahren Mountainbiker am liebsten.

v.l: Ludger Konrad, Claudia Volbers, Heinrich Bockwinkel und Ulrich Söbbing auf einem der höchsten Punkte des Walls. Über die bis zu sechs Meter hohen Hügel fahren Mountainbiker am liebsten. © Christin Lesker

Waldbesitzer Heinrich Bockwinkel erkennt einen Teufelskreis: „Je mehr Leute fahren, desto mehr Wurzeln und Unebenheiten werden offen gelegt. Je mehr Unebenheiten da sind, desto mehr Spaß macht das Fahren und noch mehr Mountainbiker kommen.“ Die einst fünf bis sechs Meter hohen Wälle werden so immer kleiner, es bilden sich Erosionsrinnen und das Bodendenkmal verschwindet nach und nach.

Bisher ist alles, was im Bockwinkel auf die Hünenburg hinweist, eine Kupfertafel auf einem großen Stein. Gut möglich also, dass vielen Waldbesuchern nicht bewusst ist, auf welch historischem Grund sie sich befinden. Aber es gibt auch jene, die absichtlich Grenzen überschreiten. „Wir haben schon mehrere Wege mit Baumstämmen gesperrt“, erklärt Heinrich Bockwinkel. „Es dauert nicht lange, dann werden die Stämme einfach zur Seite geräumt oder sogar durchgesägt.“

Versperrt ein Baumstamm einen gefährdeten Weg, passiert es nicht selten, dass Waldbesucher sich den Weg einfach wieder frei sägen.

Versperrt ein Baumstamm einen gefährdeten Weg, passiert es nicht selten, dass Waldbesucher sich den Weg einfach wieder frei sägen. © Christin Lesker

Erste Ansätze

Hinweisschilder und bauliche Maßnahmen sind in Abstimmung mit dem Landschaftsverband erste Ansätze des Teams. „Es geht darum, ein Bewusstsein zu schaffen“, findet Ludger Konrad. Auch er ist als ehrenamtlicher Denkmalbeauftragter aktiv.

Waldbesitzer Heinrich Bockwinkel kann genau sehen, wie viel Boden des Denkmals schon vom Fahren der Mountainbiker abgetragen wurde.

Waldbesitzer Heinrich Bockwinkel kann genau sehen, wie viel Boden des Denkmals schon vom Fahren der Mountainbiker abgetragen wurde. © Christin Lesker

Fahrverbote als nächsten Schritt

Ob Hinweisschilder mit Hintergrundwissen zur Hünenburg ausreichen, um eingefleischte Mountainbiker vom Fahren im Bockwinkel abzuhalten, muss sich erst noch zeigen. Deshalb sind künftig auch Fahrverbote für bestimmte Bereiche des Waldes denkbar.

Lesen Sie jetzt