Mit Trockeneis gegen Schmutz, alten Lack und sogar Bakterien

dzEis-Strahl-Werk Stadtlohn

Das Reinigen von Oberflächen oder das Abtragen von Lacken mit Trockeneis ist keine Neuheit. Alexander Tenbrink hat in seinem Unternehmen Zubehör dafür entwickelt, das mehr kann.

Stadtlohn

, 05.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Oldtimer sind sein Hobby. Beim Aufarbeiten einer alten Karosserie störte Alexander Tenbrink, dass – bevor der Unterbodenschutz abgetragen werden konnte – alle Schrauben, alle Gummiteile vorher ausgebaut und entfernt werden mussten. Da könnte man doch besser und einfacher zum Ziel kommen, dachte sich der 29-Jährige. Mit einer Strahl-Maschine, die so individuell eingestellt werden kann, dass Leitungen, Schrauben oder Gummiteile nicht beschädigt werden und das Fahrzeug nicht einmal auseinandergebaut werden muss.

Jetzt lesen

Von der Idee bis zum ersten Auftrag für eine Trockeneis-Strahlreinigung verging ein Jahr. Der ausgebildete Tischler stellte eine Maschine zusammen, entwickelte auch eigenes Zubehör und probierte sein Gerät auf verschiedenen Untergründen aus. „Das war nicht so kompliziert“, sagt der 29-Jährige. Etwa drei Monate habe es gedauert, bis der Prototyp in den Probelauf ging. Und so arbeitete, wie Alexander Tenbrink es sich in etwa vorstellte.

Mit Trockeneis gegen Schmutz, alten Lack und sogar Bakterien

Diese Maschine hat Alexander Tembrink weiterentwickelt. Sie reinigt oder entfernt Oberflächenstrukturen mit Trockeneispellets. © privat

Der Stadtlohner hat im elterlichen Betrieb eine Ausbildung zum Tischler gemacht und dort auch in dem Beruf gearbeitet, bevor er vor rund fünf Monaten den Sprung in die Selbstständigkeit wagte mit seinem „Eis-Strahl-Werk“. Mit einer Maschine, die Alleinstellungsmerkmale hat.

Alexander Tenbrink ist nicht der Einzige, der eine Reinigung oder Abtragung mit Hilfe von Trockeneis anbietet. Seine Maschine schafft es aber, fast alles – von der großen Industriemaschine über eine Gebäudefassade bis hin zur Fahrzeugkarosserie – zu reinigen, ohne dass ein Objekt auseinandergebaut werden muss. Wie das?

Es geht um verschiedene technische Komponenten. Die wichtigste: Die Kraft der Maschine wird – je nach Oberfläche des Objekts – individuell eingestellt. Dazu kommen verschieden große Düsen. Jede bringt das Trockeneis anders auf die zu reinigende Fläche.

Eine sieben Zentimeter breite Düse war die erste Entwicklung, für eine 20 Zentimeter lange hat Tenbrink gerade den Prototyp erstellt. Eine fünfte Düse für das Gerät ist in Entwicklung: Mit der soll zukünftig „um die Ecke“ gestrahlt werden.

Der Druck ist entscheidend und wird auf die Oberfläche abgestimmt

„Durch den Druck und die Eismenge wird entschieden, ob abgetragen wird oder gereinigt“, erklärt der Inhaber und Geschäftsführer des Eis-Strahl-Werks. Den Druck kann er mit seinem Gerät individuell einstellen und hat sich damit nach eigenen Angaben ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen.

Das zweite: „Wir sind mobil und autark“. Ein 2,3 Tonnen schwerer Kompressor versorgt das 150 Kilogramm schwere Gerät in bis zu 60 Metern Entfernung mit Energie. „Das Gerät ist auf Rollen und passt durch jede Tür“, erklärt Alexander Tenbrink. So hat er gleich zwei Vorteile gegenüber den herkömmlichen Reinigungsmethoden.

Mit Trockeneis gegen Schmutz, alten Lack und sogar Bakterien

Die millimetergroßen, scharfkantigen Pellets aus Trockeneis in einer Nahaufnahme © privat

Aber was ist eigentlich Trockeneisstrahlung? „Trockeneispellets sind gepresster CO2-Schnee, der aus CO2-Gas hergestellt wird“, erklärt Alexander Tenbrink. Die millimetergroßen, scharfkantigen Pellets werden mit Schallgeschwindigkeit auf die jeweiligen Objektoberflächen geschossen.

In seinem Gerät siebt ein Crusher die Pellets vier Mal, bevor sie auf das Objekt treffen. Die Maschine dosiert die Menge der Pellets und vermischt in der Strahlpistole die Druckluft mit dem Trockeneis. Durch Druck, Kälte und die scharfkantigen Pellets wird die Oberfläche sozusagen abgesprengt.

Beim Aufprall verdampfen die Pellets, aber ohne, dass Feuchtigkeit entsteht. Das Trockeneis wird zu Gas. Genau minus 79,5 Grad kalt ist das Trockeneis, das täglich frisch zum Eis-Strahl-Werk geliefert wird und in Iso-Boxen auf Temperatur gehalten wird.

Die Vorteile von der Reinigung oder Abtragung mit Trockeneis im Vergleich zum Beispiel zur Sandstrahlung: Es bleiben, bis auf das entfernte Oberflächenmaterial, keinerlei Rückstände irgendwo, auch nicht in Hohlräumen.

Mit Trockeneis gegen Schmutz, alten Lack und sogar Bakterien

Alexander Tenbrink (r.) hat das Unternehmen Eisstrahlwerk gegründet. Jochen Hülscher ist sein erster Mitarbeiter. In der Werkhalle an der Boschstraße werden vor Ort Motoren oder Polstersessel mit Trockeneis gereinigt – mit der Kraft, die für das jeweilige Objekt nötig ist. © Anne Winter-Weckenbrock

Keine Rückstände, keine Feuchtigkeit, keine chemischen Stoffe: Aus diesem Grund erhofft sich Alexander Tenbrink, dass unter anderem auch die Lebensmittelindustrie auf sein Gerät aufmerksam wird. „Wir können lebensmittelecht und ungiftig arbeiten“, betont der Stadtlohner.

Und nicht nur das: Durch die Temperatur von minus 79,5 Grad werden auch viele Bakterien abgetötet. Für Industrieunternehmen sei es darüber hinaus sicher ein Vorteil, wenn die Maschinen zur Reinigung mit Trockeneis nicht einmal auseinandergebaut werden müssen.

Von Industriemaschinen bis zum alten Eichenbalken

Eine Werkhalle an der Boschstraße 25 ist die Adresse, wo das Eis-Strahl-Werk auch stationär reinigt oder abträgt. Aber das Gerät ist viel unterwegs. Ob alte Eichenbalken (auch dort tötet das Eis jedweden Befall ab), Waschbetonplatten, Polster, lackierte Möbel aus hartem Holz, in die Jahre gekommene Sanitärräume – die Einsatzorte und -objekte sind über Industriemaschinen und Oldtimerkarosserien hinaus vielfältig.

Mit Jochen Hülscher hat der Inhaber und Geschäftsführer des Eis-Strahl-Werks mittlerweile einen Mitarbeiter eingestellt. Wenn das Gerät im Einsatz ist, muss es von einem Menschen (mit Gehörschutz und Schutzbrille) bedient werden.

Mit Trockeneis gegen Schmutz, alten Lack und sogar Bakterien

Der 2,3 Tonnen schwere Kompressor versorgt das 150 Kilogramm schwere Gerät in bis zu 60 Metern Entfernung mit Energie. © privat

Alexander Tenbrink hat schon Expansionspläne. Aber bevor er seine Dienstleistung erweitert und ein zweites Gerät zum Einsatz bringt, will er zunächst eine andere Idee umsetzen: eine eigene Trockeneispellets-Produktion.

Das könnte er an der Boschstraße umsetzen, meint der Stadtlohner. Der Vorteil: „Komplett unabhängig sein. Das wäre gut, dann ist man flexibel“, betont Tembrink.

Er sieht nach dem Start vor fünf Monaten Potenzial für seinen Geschäftszweig. Bislang seien die Kunden zufrieden gewesen, sagt er, und ergänzt schmunzelnd mit Blick auf die Vorher-Nachher-Wirkung: „Das Schöne an der Branche ist ja der Wow-Effekt.“

Lesen Sie jetzt