Mit 93 Jahren wirft Änne Mess einen ganz neuen Blick auf die Nordseewellen

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Dafür ist man nie zu alt: Mit 93 genießt Änne Mess die frische Brise an der Nordseeküste. Erstmals hat das Seniorenwohnheim St. Josef seinen Bewohnern eine mehrtägige Urlaubsfahrt angeboten.

Stadtlohn

, 13.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Änne Mess ist 93 Jahre alt und gerade sehr glücklich. Die Stadtlohner Seniorin lässt sich den Nordseewind um die Nase wehen: „Das hätte ich nicht gedacht, dass ich das noch einmal erlebe. Das ist mein erster Urlaub seit vielen Jahren“, verrät sie am Telefon im Gespräch mit unserer Redaktion. Zusammen mit sechs weiteren Stadtlohner Seniorinnen und Senioren verbringt zur Zeit fünf aufregende und entspannende Tage an der Nordsee. Das haben die Urlauber Babsi Heidbrink und ihrem Team zu verdanken.

Mit 93 Jahren wirft Änne Mess einen ganz neuen Blick auf die Nordseewellen

Die Seniorinnen und Senioren aus Stadtlohn genießen ihren Urlaub an der Nordsee mit ihren vier Begleiterinnen. © Foto privat

Babsi Heidbrink ist Altenpflegerin im Sozialen Dienst des Seniorenwohn- und Pflegeheims St. Josef an der Marienstraße in Stadtlohn. Mehrtägige Urlaubsfahrten standen dort bisher nicht auf dem Programm. „Aber warum sollten Bewohner eines Altenheims nicht mehr in den Urlaub fahren?“, fragte sich die 48-Jährige. „Schließlich ist ein Altenheim ja keine Endstation, sondern ein Ort, an dem das Leben auch mit schönen Momenten weitergeht“.

Reifenpanne konnte Urlauber nicht stoppen

Eine Reifenpanne konnte am Montag die Urlauber auf dem Weg nach Norden nicht schocken, so groß war die Vorfreude. Schließlich war es für einige der Senioren der erste Urlaub ihres Lebens. Und einige hatten noch nie das Meer gesehen. Jetzt gehören Spaziergänge auf dem Deich, Stadtbesuche in Esens und gesellige Grillabende noch bis Freitag zum Tagesprogramm.

Altenpflegerin Christa Tenostendarp ist eine der vier Begleitpersonen, die die Senioren im 24-Stunden-Dienst rundum betreuen. Sie erkennt „ihre“ Senioren manchmal kaum wieder: „Sie sind viel lockerer und viel aktiver als im Heimalltag. Sie laufen mehr, und auch die Gespräche unter den Senioren und mit den Betreuerinnen sind anders. Die Senioren erzählen viel mehr als sonst.“

Betreuer und Senioren haben mehr Zeit für einander

Babsi Heidbrink und Christa Tenostendarp sehen dafür verschiedene Gründe: die entspannte Situation, die Zeit, die man für einander hat, die Ruhe und Abgeschiedenheit des Urlaubsortes und die neue Mischung der Gruppe, die sich aus Bewohnern verschiedener Wohngruppen zusammensetzt. Und wie es sich im Urlaub gehört, spielt das Zeitraster keine Rolle mehr. „Es ist jetzt 11 Uhr und wir sitzen noch am Frühstückstisch“, erzählt Babsi Heidbrink. „Die Senioren sind hier nicht nur aktiver, sie schlafen auch länger“, ergänzt sie lachend.

Die Welt mit anderen Augen sehen

Nach den durchweg guten Erfahrungen will Babsi Heidbrink Urlaubsfahrten fest im Jahresprogramm des Seniorenwohn- und Pflegeheims St. Josef verankern. Finanziert wird der Urlaub teils von den Senioren selbst und teils aus einem Spendentopf.

Zu alt ist man nie für einen Urlaub, sagt Änne Mess. Ganz im Gegenteil, so die 93-Jährige: „Früher fehlte einem für manches der richtige Sinn oder die Zeit. Jetzt im Alter kann ich das alles noch viel mehr genießen. Ich sehe alles mit ganz anderen Augen.“

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