In der Gescher-Dyk-Schule sind am Freitag zehn Luftreiniger aufgestellt worden. Die Stadt Stadtlohn stattet alle Klassenräume der vier Grundschulen mit den Geräten aus. Von links: Kemper-Geschäftsführer Björn Kemper, Bürgermeister Berthold Dittmann und Schulleiter Oliver Puthen. © Stefan Grothues
Coronavirus

Ludwig, der Lüfter, bekämpft Coronaviren in Stadtlohner Grundschulen

Als eine der ersten Städte in Deutschland stattet Stadtlohn alle Klassenräume der vier Grundschulen mit mobilen Luftreinigern gegen Coronaviren aus. Am Freitag wurden die Geräte übergeben.

„Der Neue in der Klasse braucht für die Kinder einen Namen“, meint Oliver Puthen. Und der Leiter der Gescher-Dyk-Grundschule hat auch gleich einen Vorschlag: „Wir könnten ihn Ludwig nennen. Ludwig, den Lüfter.“

Björn Kemper lacht. Dabei hat der Vorsitzender der Geschäftsführung der Kemper GmbH aus Vreden „seinem Kind“ längst einen Namen gegeben: Air-CO2ntrol. Am Freitag hat Björn Kemper in der Gescher-Dyk-Schule die ersten zehn der insgesamt 40 Luftreiniger an Bürgermeister Berthold Dittmann und an den Schulleiter Oliver Puthen übergeben.

Die Geräte sollen für virenfreie Luft in allen Klassenräumen der vier Stadtlohner Grundschulen sorgen und so sichereren Unterricht in Zeiten der Coronapandemie ermöglichen. Kurz vor Weihnachten hatte sich die Stadt Stadtlohn zu diesem Schritt entschlossen. Praxistests waren diesem Schritt vorausgegangen. Für Stadtlohn sei die Anschaffung ein Baustein im Rahmen seines Schulkonzepts in Pandemiezeiten, so Bürgermeister Berthold Dittmann.

Stadtlohn übernimmt Vorreiterrolle nicht nur im Kreis Borken

Die Bürgermeisterkonferenz des Kreises Borken hatte sich in der Frage der Luftreiniger für Schulen mehrheitlich auf eine abwartende Haltung verständigt. Der Stadtlohner Rat wollte dagegen möglichst viel Sicherheit für Schülerinnen und Schüler. Björn Kemper: „Die Stadt Stadtlohn ist nicht nur im Kreis Borken, sondern bundesweit ein Vorreiter bei Luftreinigern in allen Klassenräumen.“

Fragen rund um das Thema Schule beantworten wir in unserem kostenlosen Live-Talk am Dienstag, 2. Februar, um 18.30 Uhr unter www.muensterlandzeitung.de. Zu den Experten gehört unter anderem Mathias Richter, Staatssekretär im Schulministerium. Fragen können Sie schon jetzt mailen an: reden@muensterlandzeitung.de

Dafür nimmt die Stadt eine stolze Summe Geld in die Hand: Knapp 112.000 Euro kostet die Anschaffung der insgesamt 40 Geräte. Hinzu kommen über 20.000 Euro jährlich für den Filteraustausch. Bürgermeister Berthold Dittmann hält diese Investition für richtig und sinnvoll: „Dass die jüngsten Schüler so schnell wie möglich wieder in die Schule können, ist uns ein wichtiges Anliegen“, betonte er am Freitag.

Schulleiter Oliver Puthen freut sich über die Investition der Stadt Stadtlohn in Luftreinigungsgeräte für jedes Klassenzimmer.
Schulleiter Oliver Puthen freut sich über die Investition der Stadt Stadtlohn in Luftreinigungsgeräte für jedes Klassenzimmer. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Schulleiter Oliver Puthen freut sich über diesen beherzten Schritt des Schulträgers: „Das ist ein Baustein dafür, dass der Unterricht noch einen Tick sicherer gestaltet werden kann. Ich bin sicher, dass wir mindestens noch bis zum Ende des Jahres mit der Pandemie zu tun haben werden.“ Regelmäßiges Lüften, Masken und Abstandsregeln würden trotz der technischen Aufrüstung weiterhin Teil des Schullebens sein müssen.

Sechs Mal pro Stunde wird die komplette Raumluft gefiltert

Davon geht auch der Bürgermeister aus. „Wir haben zwar gerade eine gute Entwicklung, aber der niedrige Inzidenzwert darf uns nicht in trügerischer Sicherheit wiegen“, sagt Berthold Dittmann und weist auf die Mutanten des Virus hin, die sich gerade auch unter Kindern schnell verbreiten können.

Rund 200 Kubikmeter Luft fasst ein durchschnittlicher Klassenraum. Die Luftreiniger der Firma Kemper filtern leise brummend sechs Mal pro Stunde die komplette Raumluft. „Aerosole, Partikel, Viren und Bakterien werden mit einem Wirkungsgrad von 99,995 Prozent aus der Raumluft gefiltert“, so Björn Kemper.

Erst Einsatz der Luftreiniger: Bei einer Fortbildung des Kollegiums der Gescher-Dyk-Schule waren die Lehrerinnen einhellig der Meinung: Das leise Brummen des Gerätes an der Rückwand des Klassenzimmers stört die Konzentration nicht.
Erst Einsatz der Luftreiniger: Bei einer Fortbildung des Kollegiums der Gescher-Dyk-Schule waren die Lehrerinnen einhellig der Meinung: Das leise Brummen des Gerätes an der Rückwand des Klassenzimmers stört die Konzentration nicht. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

„Stadtlohn ist Vorbild für andere Kommunen in Deutschland, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen“, sagt Björn Kemper. Sein Unternehmen kommt derzeit mit der Produktion der Bestellungen kaum nach. Björn Kemper sagt aber auch: „Ich bin froh, wenn wir die Geräte nicht mehr verkaufen, denn dann ist die Pandemie vorbei.“ Die Kemper GmbH gilt als Weltmarktführer für Absauganlagen in der Schweißindustrie.

Wann werden die Stadtlohner Grundschüler ihren neuen Klassenkameraden „Ludwig, den Lüfter“ kennenlernen? Oliver Puthen zuckt mit den Achseln. So ganz genau weiß das noch niemand. „Den Kindern fehlt der Präsenzunterricht. Die pädagogischen Notwendigkeiten müssen mit Fragen des Infektionsgeschehens abgewogen werden. Am Ende gibt es aber keine Gewinner.“ Bürgermeister Berthold Dittmann fügt hinzu: „Das ist ein ganz schmaler Grat.“

Oliver Puthen hofft, dass der Lockdown ab Mitte Februar langsam gelockert werden kann. „Wir haben uns auf den Hybridunterricht eingestellt.“ Dabei werden die Klassen halbiert und lernen im täglichen Wechsel mal in Präsenzstunden oder im Distanzunterricht.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Vor Ort und nah dran für den Leser, hört gerne auch die andere Seite
Zur Autorenseite
Stefan Grothues

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.